Doktor Schiwago – Das Musical als deutsche Erstaufführung an der Musikalischen Komödie in Leipzig

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Das Musical spielt in den Wirren des 1.Weltkrieges und der russischen Revolution, einem Bürgerkrieg in dem sich Weiß- und Rotarmisten unerbittlich bekämpfen und erzählt uns die bewegende Liebesgeschichte zwischen Dr.Schiwago (Jan Ammann), seiner Ehefrau Tonia (Hanna Mall) und der Geliebten Lara (Lisa Habermann).

Unter der Regie von Cusch Jung (Chefregisseur der Muko) in Zusammenarbeit mit Karin Fritz (Gestaltung Bühnenbild und Kostüme), der Choreografie von Mirko Mahr und der musikalischen Leitung des fantastischen Orchesters der Muko durch Christoph-Johannes Eichhorn gelang die eindrucksvolle und ergreifende Umsetzung des gleichnamigen Romans von Boris Pasternak aus dem Jahre 1957.

Nicht zuletzt durch die von Lucy Simon für dieses großartige Musical rund um den dichtenden Arzt Jurij Schiwago komponierte mitreißende Musik, die geprägt ist von emotionalen Balladen und russischen Klängen, sowie der immer wiederkehrenden Melodie der Filmmusik, wurde diese deutsche Erstaufführung schon jetzt zum Erfolg und sorgt für ein ausverkauftes Haus.                                                 

Nicht zu vergessen die brillante Lichttechnik, die alle Szenen so hervorragend in den Fokus rückt, dass man sich in jede der verschiedenen Situationen hineinversetzen kann.

Der Zuschauer ist von der einzigartigen und spannenden Inszenierung der Geschichte gefesselt und erlebt ein Wechselbad der Gefühle mit den einzelnen Charakteren, die von so namhaften Musicaldarstellern wie Jan Ammann, Lisa Habermann, Hanna Mall, Björn Christian Kuhn und Patrick Rohbeck verkörpert werden und durch ihre grandiosen gesanglichen sowie schauspielerischen Leistungen mehr als überzeugen und das Publikum in ihren Bann ziehen.

Im Verlauf des Stücks erlebt man eine faszinierende Verwandlung, die die Figuren durchlaufen. So z.B. Jurij Schiwago, der als Sohn einer wohlhabenden Familie nach dem Tod seiner Eltern als Waise bei den Gromekos, zusammen mit deren Tochter Tonia aufwächst, dem die Möglichkeit zu teil wird, Arzt zu werden, Gedichte zu schreiben und der letztlich großes Ansehen in der gehobenen Gesellschaft des zaristischen Russlands genießt. Nach der Hochzeit mit Tonia bricht der 1.Weltkrieg aus und Schiwago wird zum ersten Mal damit konfrontiert, was es heißt, Entbehrungen hinnehmen zu müssen. Die Angst um die Familie belastet ihn als er für lange Zeit als Lazarettarzt von seinen Lieben getrennt ist. Bei seiner Rückkehr erlebt er die Auswirkungen der Oktoberrevolution – ihr Haus wurde beschlagnahmt, es gibt kaum etwas zu essen und seine Dichtung wird von den Machthabern argwöhnisch betrachtet. Er muss mit seiner Familie auf das ländliche Anwesen der Gromekos in den Ural flüchten. Während dieser gesamten Zeit beginnt er eine Liebesbeziehung zu Lara, der er bereits bei seiner Hochzeit begegnet, die er als Hilfskrankenschwester im Lazarett wiedertrifft und die ihn gesund pflegt als er nach seiner Flucht aus der Roten Armee völlig entkräftet nach Hause zurückkehrt. Er erfährt, dass seine Frau und sein Sohn aus Russland fliehen mussten. Für kurze Zeit kann er das Glück mit Lara genießen bevor sie vom Schicksal erneut getrennt werden. Um das Leben von Lara und ihrem ungeborenen Kind zu retten, beschließt er, sie ziehen zu lassen.

All diese Gefühle und Emotionen wie Liebe, Hass, Wut , Angst, Sorge um das Wohlergehen seiner Liebsten und die Ausweglosigkeit seiner Situation werden von Jan Ammann auf so authentische Weise dargestellt, dass der Zuschauer mitgerissen wird in den Sog und das Gefühl bekommt, all dies am eigenen Leib durchlebt zu haben.

Ebenso erfährt der Charakter des Pascha Antipov (brillant verkörpert von Björn Christian Kuhn) eine atemberaubende Verwandlung vom überzeugten Kommunisten, der sich freiwillig für den Krieg meldet und sich von seinen Freunden feiern lässt. Er heiratet Lara und erfährt von ihr in der Hochzeitsnacht, dass sie vom Liebhaber ihrer verwitweten Mutter verführt wurde. Er wird sich später blutig dafür rächen.

Der Bürgerkrieg geht unerbittlich weiter, Weiß- und Rotarmisten bekämpfen sich nach wie vor, Pascha ist inzwischen zu einem unbarmherzigen Führer der Roten Armee aufgestiegen und nennt sich von nun an Strelnikow. Er verfolgt eifersüchtig die Affäre zwischen seiner Frau Lara und Schiwago, lässt diesen auf seinen Befehl entführen und als Arzt in den Dienst der Roten Armee stellen. Später sucht Strelnikow Schiwago auf, erklärt ihm, dass er ohne seine Frau Lara und die Revolution den Sinn seines Lebens verloren hat und daraufhin Selbstmord begeht.

Dieser Wandel vollzieht sich in einer so großartigen Darstellung, dass der Zuschauer das Gefühl bekommt, der Charakter würde von zwei unterschiedlichen Künstlern verkörpert – grandiose Leistung!

Ebenso hervorzuheben ist Leistung der beiden Frauen Lisa Habermann und Hanna Mall die sich als Konkurrentinnen gegenüberstehen und sich doch von der jeweils anderen auf unerklärbare Weise angezogen und verbunden fühlen. Beide verbindet die starke Liebe zu dem gleichen Mann und jede fühlt seine Gegenwart in ihrer Nähe. Dies kommt musikalisch in ihrem Duett in der Bibliothek hervorragend zum Ausdruck und sorgt zudem für einen einzigartigen Gänsehautmoment, bei dem man auch die ein oder andere Träne verdrückt.

Die sehr gelungene Inszenierung bekommt durch die innere Geschlossenheit des Stücks einen besonderen Rahmen – es beginnt mit der Beerdigung von Schiwagos Vater und endet mit seinem eigenen Begräbnis, dem seine große Liebe Lara und seine Tochter Katharina beiwohnen.

Eine insgesamt grandiose Leistung und ein hervorragendes Stück, das man sich nicht entgehen lassen sollte !!!

 

(c) Marion Fritzsche

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