Filmkritik: Die Goldfische (Kinostart: 21.03.19)

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Gesehen: 2D, deutsch, Kino

Am 18. März fand in Berlin, in der neuen UCI Kinowelt am Mercedes Platz, ein FanScreening statt. Zwar wurde dieser bereits in einigen Sneak-Previews präsentiert, doch war bei dieser Veranstaltung der gesamte Cast sowie die Regie mit vor Ort. Jella Haase, Axel Stein, Tom Schilling und Kida Khodr Ramadan zeigten sich sichtlich gelassen dem Publikum und waren nach dem Film bereit einige kurze Fragen dem Veranstalter Dominik Porschen zu beantworten.

Erst einmal jedoch bekamen wir einen Film zu sehen, in dem Tom Schilling alias Oliver einen Autounfall verursacht, bei dem er schwer verletzt wird. Dies führt dazu, dass er sich nur noch mit einem Rollstuhl fortbewegen kann. In einer entsprechenden Rehaklinik versucht er dennoch seine Geschäfte fortzuführen, als wäre nie etwas gewesen, doch ist dies schwerer als gedacht. Als er dann auch noch einen Anruf erhält, der ihn in große Schwierigkeiten bringt, da er einen hohen Geldwert in der Schweiz geparkt hat, sieht er völlig schwarz und muss sich schnell etwas einfallen lassen, wie er sich und das Geld in Sicherheit bringt. Als er dann beobachtet, wie die blinde Magda im Laden ohne Probleme klaut und durch ihre Sehschädigung auch noch damit durchkommt, kommt ihm die perfekte Idee: Ein Bus voller Behinderter ist die perfekte Tarnung für einen Geldschmuggel über die Grenze. Dass hierbei nicht alles glatt gehen kann ist selbstverständlich. Doch schafft Oliver das Geld tatsächlich unbeschadet nach Deutschland zu bringen und wird es ihn wieder glücklich machen es in Sicherheit zu wissen?

Der Film ist auf eine spannende Art und Weise an viele Problematiken der Gesellschaft heran gegangen. Klischees kommen dabei kein bisschen zu kurz und werden versucht mit einem recht sympathischen Humor zu überspielen. Insbesondere wird dabei Kritik an der Behindertengerechtigkeit im Alltag geübt und somit aufgerufen, dass die Gesellschaft mehr Bemühungen in die Personen investiert, die es sowieso etwas schwerer im Leben haben. Zum Teil fand ich die gewählten Behinderungen etwas übertrieben gewählt und dargestellt, wobei dies ein schmaler Grad ist, denn selbstverständlich gibt es Mitmenschen, die genau so leben und ihren Alltag bestreiten müssen. Zu gute halten möchte ich diesem Werk, dass der Zuschauer angeregt wird zumindest für einen kleinen Moment seine Wertestellung zu überdenken

Besonders gefallen hat mir die Charakterfigur von Axel Stein, der es immer wieder schafft mit seiner Art die Sympathie auf seine Seite zu ziehen. Tom Schilling hat mir hingegen nicht ganz so gut gefallen, wobei es auch deutlich schwerer ist einen unsympathischen Charakter zu präsentieren und dann dafür Lobeshymnen zu erhalten. Ich finde jedoch, dass er viel zu eintönig seinen Charakter präsentiert hat und somit nur Ansatzweise das gezeigt hat, was er schon in anderen tollen Filmen präsentiert hat.
Abgesehen von den vielen großartigen Nebencharakteren, die den Film zu einem unterhaltsamen und gleichzeitig ernsten Hintergrund verhalfen, hat Jella Haase noch ganz besonders hervorgestochen. Zu Beginn wirkte sie noch etwas wie das lustlose Mädel aus Fack Ju Göhte, zeigte dann jedoch mit wieviel Emotion und Leidenschaft sie ihre Charaktere verkörpern kann. Ihre sehr authentische Art kommt beim Zuschauer an und lässt ihr Spiel nicht wie eins wirken, sondern versetzte mich direkt in die Situation hinein.
Insgesamt wurde eine recht gute und glückliche Hand bei der Schauspielerwahl bewiesen, da das Team wunderbar harmonierte.

Leider wurden einige Teile des Films vom humoristischen ins komische gezogen, was leider viel zu oft in deutschen Produktionen geschieht. Der schmale Grad zwischen Ironie und Sarkasmus und langweiliger Komik ist recht schmal und doch überschreiten ihn deutsche Filme immer wieder. So ist es im ersten Moment recht sympathisch und lustig anzusehen, wie Kida Khodr Ramadan mit einem fast bauchfreien T-Shirt eingeführt wird, doch fand ich es fast schon nervend, dass an diesem Element der Komik den gesamten Film lang festgehalten wurde. Damit sollten immer wieder Lacher hervorgerufen werden, die leider irgendwann ausblieben. Es wurde versucht schnell viele Eindrücke zu vermitteln, was nicht immer gut ist. Bilder und Momente müssen manchmal einfach die Zeit haben zu wirken.
Ähnlich verhält es sich mit der musikalischen Untermalung, die durch einige stimmungsgeladene Songs einen guten Unterhaltungswert erzeugten, aber dennoch nur teilweise passend zum Filmgeschehen gewählt waren.
Zu guter Letzt bieten die Goldfische wieder eine dicke Moralkeule, wie es sehr typisch für deutsche Produktionen ist.

Alles in allem wurde uns eine solide Geschichte nahe gebracht, die auf einige sehr wichtige Probleme der Gesellschaft aufmerksam macht und hoffentlich auch Aufmerksamkeit erregt. Filmisch ist dies jedoch nur mittelmäßig umgesetzt, wirkt teilweise einfallslos und vor allem sehr vorhersehb

Humor: 5/10Action: 2/10Erotik: 0/10
Niveau: 2/10Gefühl: 3/10Musik: 5/10
Spannung: 0/10Gewalt: 0/10Idee: 6/10

Gesamtbewertung: 6/10

Spannend zu erfahren war es, als im Anschluss an den Film die Schauspieler auf der Bühne einige Fragen beantworteten und unter anderem berichteten, dass sich Tom Schilling eigentlich viel eher in Arthouse-Filmen wohlfühlt, wobei auch die Goldfische an diesen filmischen Bereich angelehnt sein sollen und auf Grund der Thematik gewisse Überschneidungen existieren. Als tragenden Charakter für den gesamten Film wurde Axel Stein erwählt, welcher alle teilnehmenden Schauspieler in seinen Bann gerissen hat und zu Bestleistungen motiviert hat. Auch interessant war es zu erfahren, dass es der erste abendfüllende Spielfilm war, für den der Regisseur die Arbeit aufnahm.

Neugierig gemacht hat mich Jella Haase, als sie erzählte, dass es in ihrer Kariere bereits einen Film gab, nach dem sie überlegt habe ob Schauspielerin tatsächlich der richtige Beruf für sei, auch wenn sie mittlerweile wieder mit voller Leidenschaft dabei sei. Für mich stellt sich hier natürlich die Frage: Welcher Film bot ihr ein solch einschneidendes Erlebnis über ein Karriereende nachzudenken?

Viel Spaß im Kino!

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