Filmkritik: Drei Schritte zu Dir (Kinostart: 20.06.19)

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Gesehen: 2D, englisch, Kino

Mukoviszidose. Schon der Klang dieses medizinischen Fachbegriffs ist erschaudernd. Es handelt sich dabei um eine vererbbare Stoffwechselkrankheit. Das Wort ist abgeleitet aus dem lateinischen, von den beiden Wörtern „mucus“ für „Schleim“ und „viscidus“ für „zäh“ beziehungsweise „klebrig“. Der wesentliche Fakt, den die Krankheit ausmacht, ist, dass betroffene Zellen nicht in der Lage sind, mittels Osmose Wasser in das umliegende Gewebe zu ziehen, wodurch der Wassergehalt des Bronchialsekrets sowie der Sekrete der Bauchspeicheldrüse, der Leber (Galle), der inneren Geschlechtsorgane und der akzessorischen Geschlechtsdrüsen (Drüsen entlang des Genitaltrakts) sowie des Dünndarms und der Schweißdrüsen zu niedrig ist. Die Sekrete werden zähflüssig wodurch in den betroffenen Organen Funktionsstörungen entstehen können. In Europa liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Geburt eines erkrankten Kindes bei 1:2000.
Katie und Dalton Prager sind zwei betroffene junge Menschen gewesen, die ein tragisches und berührendes Schicksal erlitten, dass die gesamte Welt bewegte. 2016 sind die beiden ihrer Krankheit im Alter von 25 Jahren erlegen. Sieben Jahre zuvor lernten sich beide über das Internet kennen, während sie sich beide in Behandlung in unterschiedlichen Krankenhäusern befanden. Im Gegensatz zu ihr, litt Dalton speziell an Burkholderia (stäbchenförmige Bakterien, die eine hohe Antibiotika-Resistenz aufweisen). Aus diesem Grund sollte nie ein Treffen beider Erkrankt stattfinden, doch ließen sich die Beiden von ihrer virtuellen Liebe und dem Wunsch den Anderen auch in der Realität zu spüren, nicht abbringen. Als sie sich dann das erste Mal trafen, fiel sie ihm um den Hals und küsste ihn, was eine sofortige Ansteckung zur Folge hatte. Doch war Katie keineswegs traurig darüber. Nur zwei Jahre später schlossen sie den Bund der Ehe. Doch die Dramatik ihrer Liebe sollte noch deutlich an Fahrt aufnehmen, denn 2014 versagten die Lungen beider. Durch reges öffentliches Interesse fanden sich entsprechende Spenderorgane, die sie ein weites Jahr am Leben hielten. Doch dann kam das unvermeidliche: sie starben getrennt auf unterschiedlichen Intensivstationen, gerade Mal mit einem Abstand von fünf Tagen!
Auf diesem tragischen Leidensweg beruht das Tragik-Drama von Mikki Daughtry und Tobias Iaconis, in dem relativ frei die Kennlernphase, die gemeinsame Liebe und der abschließende Abschied fokussiert wird.
In einem ihrer letzten Texte vor ihrem Tod, schrieb Katie Prager die wohl tragischsten und gleichzeitig berührendsten und ehrlichsten Worte die es gibt:

Besser fünf glückliche Jahre als 20 Einsame!

Katie Prager

Es ist interessant zu sehen, wie sich Meinungen ändern können. Zu Beginn hat diese Produktion viel zu viele Ähnlichkeiten zu „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ aufgewiesen und somit einen faden Beigeschmack hinterlassen, da ich diese Krankenhaus-Liebesdramen langsam leid bin. Ständig werden neue fiktive Geschichten über ein Pärchen mit einem Krankheitshintergrund auf den Markt geworfen, um die Tränendrüsen der Zuschauer immer schön arbeiten zu lassen. Nachdem ich mich jedoch mit der Vorgeschichte und dem zauberhaften Prager-Pärchen auseinandergesetzt habe, stellt diese recht frei erzählte Variante ihres kurzen, aber gemeinsam glücklichen Lebens, eine wirklich herzzerreißende Romanze dar.
Dabei lassen sich die Produzenten nicht sehr lange Zeit für eine Einführung der Figuren, sondern steigen zeitnah in das Geschehen ein. Eine einleitende Off-Stimme der Protagonistin umreißt kurz die wichtigsten Informationen und lässt dann zeitnah die Bilder für sich sprechen. Die Handlung ist dabei stilistisch recht nah an „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ angelehnt, was jedoch nicht ungewöhnlich ist, da eine solch reale Geschichte mit diesem Thema einfach nicht viel Spielraum lässt.
Besonders gut ist die symbolische Wirkung des Billardqueues als mentale Verbindung des romantischen Pärchens. Untermalt mit recht ruhigem stimmungsgeladenem Piano beziehungsweise Keyboard und Gitarrenmusik wird das gesamte Spektrum der romantischen Szenerien ausgeschöpft. Leider wurde offenbar einer der wichtigsten Titel aus dem bereits mehrfach erwähnten Pendant geradezu gestohlen und für eine ebenfalls dramatische Szene eingesetzt. Es handelt sich dabei um den Song „Wait“ von M83.

Dieses Mittel ist auf Grund der Qualität des Liedes und der passenden Situation natürlich ein probates Mittel, lässt die Szene jedoch vergleichsweise schlecht dastehen, da es den Eindruck von Einfallslosigkeit vermittelt. Dafür wurde jedoch viel Wert auf Details gelegt, was auch unbedingt notwendig ist, da nahezu die gesamte Handlung auf einen einzigen Spielort beschränkt ist.
Die verschiedenen Charaktere wurden sehr liebevoll präsentiert und nahezu perfekt ausgestattet von der Maske. Die narbenüberzogenen Körper wirken auf den Zuschauer sehr erschreckend und machen die Dramatik der Krankheit, um die es geht entsprechend deutlich.
Insgesamt gesehen haben die Produzenten aus der ohnehin schon herzzerreißenden Liebesgeschichte eine traumhaft lebendige Romanze geformt, die insbesondere durch eine besonders starke weibliche Hauptfigur geleitet wird. Emotional prägend werden wohl die wenigsten Augen bei der dramatischen Handlungsentwicklung trocken bleiben.

Humor: 4/10Action: 0/10Erotik: 4/10
Niveau: 8/10Gefühl: 8/10Musik: 6/10
Spannung: 2/10Gewalt: 0/10Idee: 5/10

Gesamtbewertung: 7/10

Viel Spaß im Kino!

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