Filmkritik: Ein letzter Job (Kinostart: 25.04.19)

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Originaltitel: King of Thieves

Gesehen: 2D, OmeU, englisch mit englischen Untertiteln, Kino

Im März 2016 erschien in der Zeitschrift Vanity Fair der Artikel „How a Ragtag Gang of Retirees Pulled Off the Biggest Jewel Heist in British History“*. Darin ging es um einen Überfall durch eine Gruppe von Rentnern, die schon früher Diebstähle durchgeführt haben. Dieser Raubzug fand im April 2015 statt und gilt als der größte Schmuckraub Britanniens. Insgesamt lagerten im Hatton Garden rund 300 Millionen Dollar beziehungsweise 200 Millionen Pfund. Auf Basis dieses Artikels wurde die Geschichte von Joe Penhall adaptiert und unter James Marshs Regie im Jahr 2017 abgedreht.

Brian Reader (Michael Caine), Billy the Fish Lincoln (Michael Gambon), Johnny Kenny Collins (Tom Courtenay), Terry Perkins (Jim Broadbent) und Danny Jones (Ray Winston) sind scheinbar drei völlig normale Rentner, die auf ihren alten Tagen stark mit diversen Alterserscheinungen zu kämpfen haben. Doch Brian, dem die Einsamkeit arg zu schaffen macht, sieht noch lange nicht ein sein Leben für beendet zu erklären. Auf seine alten Tage möchte er gerne den größten Raubzug im Londoner Diamantenviertel durchziehen. Dazu gehört natürlich eine perfekte Planung, aber auch ein starkes Team. Er rekrutiert bis auf eine Ausnahme vier Gauner, die ebenfalls alle über 60 Jahre alt und begnadet in ihrem Milieu sind. Leider ist die moderne Technik für alle eher ein Fremdwort und somit müssen die Fähigkeiten der alten Schule herhalten. Das dabei einiges schieflaufen muss, ist ziemlich klar. Dass aber auch die Gruppe sich selbst zerstört und der Zusammenhalt völlig den Bach runter geht war nicht vorhergesehen. Fragt sich nur, ob es reicht den Coup erfolgreich durchzuziehen?

Beim Schauen des Films musste ich mir persönlich einen Punkt recht dick in meinen Notizen markieren: Schwer verständliches Englisch Anfangs gab es noch die Überlegung ob dies überhaupt erwähnt werden sollte, oder ob damit möglicherweise eher eine Blamage wegen mangelnder Sprachkenntnisse anstehen würde. Nach gründlicher Recherche ist es jedoch möglich alle Filminteressierten zu warnen: es wird in diesem Film etappenweise kein britisches Englisch gesprochen! In den 1860er Jahren wurde der Cockney Rhyming Slang im Londoner East End entwickelt, welcher dazu dienen sollte die Bedeutung von Sätzen zu verschleiern und somit neugierige Ohren davon abzuhalten an Informationen zu gelangen. Dies war quasi eine englische Geheimsprache. Diese wurde von den fünf Rentnern gezielt eingesetzt, um ihr Vorhaben vor polizeilichen Ermittlungen zu verschleiern. Aus diesem Grund lautet die Empfehlung auch für alle, die ein recht sicheres Englisch beherrschen, den Film mit Untertiteln oder gar synchronisiert zu schauen.
Die Sprache hat somit seinen Beitrag für einige Verständnisprobleme geleistet, doch auch abgesehen davon wurde nur ein eher mittelmäßiges Schauspiel geboten. Zu Beginn wirkte der Humor noch recht unterhaltsam, verlor jedoch schnell an Einfallsreichtum. Es fühlte sich an wie in einem Mix-Film aus „R.E.D.“ und den „Ocean“-Filmen zu sitzen. Jegliche Gebrechen der alten Männer baten Stoffe für einen Lacher und dennoch war es insgesamt kein witziger Film.
Schnelle Bildfolgen und Schauplatzwechsel beleben den Film, zeigen aber auch, das Details und die Wirkung der Szenerie eher nebensächlich sind. Gleichzeitig wirken jedoch die hochklassig besetzten Figuren mit all ihrer Lebens- und Schauspiel-Erfahrung dem totalen Flop entgegen. Rhythmische Jazzmusik unterstreicht die Stimmung und gibt den Takt für die eher öde, zähe und trantütige Handlung an.
Michael Caine zählt zu den sehr beliebten und gefragten Schauspielern, unter anderem wegen grandiosen Auftritten in der Nolan-Batman-Reihe sowie Interstellar. In diesem Gaunerfilm bewies er sein Können ebenfalls ausreichend, auch wenn es lange nicht mit dem aus den genannten Meisterwerken vergleichbar ist.
Filme die auf wahrer Begebenheit beruhen sind immer etwas ganz Besonderes, da das Leben einfach die besten Geschichten schreibt, die die Produzenten dann nur noch auf die Leinwand bringen müssen. Somit ist es unglaublich unterhaltsam einen solche Meisterdiebstahl in Hatton Garden (das Zentrum für Diamantenhandel mit etwa 300 Geschäften und somit größter Ansammlung von Juweliergeschäften in Großbritannien) beobachten zu können. Erbeutet wurden insgesamt 25 Millionen Pfund von einer Bande deren addiertes Alter bei 448 Jahren liegt.

Insgesamt gesehen hat sich James Marsh somit ein wirklich spannendes Stück britischer Geschichte herausgesucht, um dieses zu verfilmen, bei der Faszination für diese jedoch immer wieder aus den Augen verloren, den Inhalt auch wirklich spannend zu transportieren oder zumindest eine gewisse Spannung aufzubauen und den Zuschauer bei Laune zu halten. Andernfalls wäre eine sinnvolle Überlegung gewesen von einem Spielfilm auf einen Dokumentarfilm umzuschwenken, was in sich man sich möglicherweise sogar mehr Spannung zu bieten gehabt hätte.

Humor: 4/10Action: 3/10Erotik: 0/10
Niveau: 3/10Gefühl: 0/10Musik: 2/10
Spannung: 1/10Gewalt: 0/10Idee: 5/10

Gesamtbewertung: 5/10

Viel Spaß im Kino!

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