Filmkritik: Geheimnis eines Lebens (Kinostart: 04.07.19)

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Originaltitel: Red Joan
Gesehen: 2D, OmU, englisch, Kino

Melita Norwood, die sich selbst nie als Spionin bezeichnete, ist 2005 im Alter von 93 Jahren als Dienstälteste britische Spionin des KGB in London gestorben. Für ihre Taten wurde sie nie belangt, auch wenn diese schwerwiegende Folgen in der Weltgeschichte hatten. Als Sekretärin der Forschungsvereinigung Englands hatte sie Einblick in viele recht brisante Akten, insbesondere zum Thema Atombombenforschung. Diese ließ sie der Sowjetunion zukommen in der Auffassung, dass dieses schutzlose „junge“ Land durch die Bedrohung der Westächte mittels der Atom- und Wasserstoffbombe eine Möglichkeit zur Gegenwehr benötige, um damit das Kräfteverhältnis anzugleichen. Somit war sie, wenn auch vielleicht für sich selbst unbewusst, eine der wertvollsten Agentinnen des KGB während des kalten Krieges.  
Lange Zeit ist sie damit nicht aufgeflogen. 1965 verzichtete dann der British Security Service auf ein Verhör, um die eigenen Methoden nicht zu verraten. Von da an wurde das Thema ihr gesamtes Leben lang todgeschwiegen.
2014 rollte die Schriftstellerin Jennie Rooney die Geschichte wieder auf und verfasste einen Roman dazu, der wenige Jahre später von Lindsay Shapero adaptiert und unter der Regie von Trevor Nunn, die eher aus der Oper und dem Musical Bereich bekannt ist, nun produziert wurde.
Mit Judi Dench sicherten sich die Produzenten die Mitarbeit einer der absoluten englischen Schauspielgrößen, die zuletzt in Filmen wie „Victoria & Abdul“, „Mord im Orient Express“ und „James Bond 007 – Skyfall“ zu sehen war.
In der verfilmten Geschichte sind die Motive der Joan Stanley (Judi Dench und Sophie Cookson), die Melita Norwood präsentieren soll, eher auf der Gefühlsebene zu finden und damit vermutlich nicht ganz so nah an der tatsächlichen Realität.

Sowohl Titel als auch Inhalt und Hauptbesetzung wirkten unglaublich viel versprechend und schon die erste Szene zeugte von einem wirklich spannenden Film. Nach Einführung der Grundgeschichte rund um das Verhör der Protagonistin, wird schnell klar, dass die Story in zwei Zeitebenen geteilt ist und erzählt wird.
Judi Dench verkörpert dabei fabelhaft die alte, gebrechliche Dame, die zum Mittelpunkt der Ermittlungen wird. Mit viel Routine und enthusiastischer Überzeugung, kann sie sinnvoll glaubhaft machen, dass sie sich selbst nicht als Spionin sieht. Leider jedoch hat sie nur recht wenige und kurze Auftritte, woraus folgt, dass Sophie Cookson die eigentliche Hauptrolle einnimmt. Dies ist recht schade, da Mrs. Dench vollkommen zufriedenstellend auftritt. Dass soll natürlich nicht die Leistung von Mrs. Cookson schmälern, die insbesondere die Liebesgeschichte sehr herzlich und emotional rüberbringen kann.
Leider war es dass dann auch schon mit den Lobeshymnen. Ohne die reale Handlung zu kennen, wird jedem klar, dass die entwickelte Liebesgeschichte viel zu dominant im Vordergrund steht und die eigentliche sehr spannende Handlung zumeist vernachlässigt wird. Da hilft auch der deutliche dramaturgische Anstieg zum Ende nicht mehr, denn dieser kommt deutlich zu spät. Somit wird es nicht geschafft ein insgesamt rundes Werk zu präsentieren. Größtenteils wurden die geschichtlichen Fakten stupide, langweilig und völlig gefühllose abgehandelt, womit eher der Charakter eines Dokumentarfilms als, wie eigentlich gewünscht, Spielfilms entsteht. Dies erzeugt weiterhin auch Verwirrung beim Zuschauer, da nie so recht klar ist, was der Film eigentlich darstellen möchte.

Leider reicht ein sympathischer Cast noch lange nicht für einen guten Film und somit muss meine Empfehlung diesmal leider ausbleiben.

Humor: 2/10Action: 1/10Erotik: 1/10
Niveau: 5/10Gefühl: 3/10Musik: 2/10
Spannung: 3/10Gewalt: 0/10Idee: 5/10

Gesamtbewertung: 4/10

Viel Spaß im Kino!

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