Filmkritik: Peter Lindbergh – Women’s Stories (Kinostart: 30.05.19)

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Gesehen: 2D, OmeU, Kino

Naomi Campbell, Linda Evangelista und Cindy Crawford sind sehr bekannte Models, um nicht sogar zu sagen die größten Topmodels der Welt. Verantwortlich für diese Karrieren ist ein einziger Mann: Peter Lindbergh, ein deutscher Fotograf, der später nach Frankreich auswandert und Fotoshootings in der ganzen Welt führte. Bereits zum zweiten Mal hat sich Jean Michel Vecchiet der Geschichte des erfolgreichen Fotograf angenommen und nach „Peter Lindbergh, Carnet de Route“ von 2001 sich nun mit der täglichen Arbeit und der sehr persönlichen und emotionalen Lebensgeschichte von ihm auseinandergesetzt. Ursprünglich Mittelpunkt vieler Ausstellungen in Museen und Festivals, arbeitet er seit 1997 auch als Regisseur für Dokumentarfilme, die sich durchaus einer großen Bekanntheit in unzähligen Ländern erfreuen. Kunst, Geschichte und Geopolitik sind seine persönlichen Lieblingsthemen und bilden häufig den Mittelpunkt seiner Dokumentationen.
Für sein neuestes Werk über Peter Lindbergh recherchierte er insgesamt 25 Jahre und befragte viele ihm nahestehende Frauen über die Arbeit und das Leben des Visionärs.

Die Fotografien von Peter Lindbergh beinhalten etwas Fundamentales, das, was einen Künstler dazu treibt, ein bewusstes und unbewusstes Erbe seiner Arbeit zu erschaffen. Das ist, wie Peter Lindbergh – Women’s Stories konzipiert und realisiert wurde.

Jean Michel Vecchiets

Der Film erzählt durch verschiedenste Arten der Präsentationstechniken die Lebensgeschichte des Peter Lindberghs mit besonderem Fokus auf seine Schaffenszeit als Künstler der Fotografie. Durch geschickte Zusammensetzung von Fotografien, Ausschnitten aus Fotosessions, gesammelten Schriften und Anekdoten sowie einer erzählerischen Berichterstattung wird das Bild des Fotografen Stück für Stück weiter zusammengesetzt. Dabei wird gefühlt jedes zeitgeschichtliche Material genutzt, dass existiert.

Eingeladen und als Weltpremiere angelegt, feierte die Dokumentation im diesigen Frühjahr seine Uraufführung bei der Berlinale. Dokumentarfilme liegen häufig etwas schwer im Magen auf Grund der Schwere des Stoffs, insbesondere, wenn die Interessen des Zuschauers nicht dem Inhalt des Films entsprechen. So auch hier! Ich bin zwar selbst begeisterter Fotograf, interessiere mich jedoch eher für die Naturfotografie. Dennoch klingelte etwas auch bei mir im Ohr, als ich den Namen des Protagonisten hörte.
Ausgestattet mit vielen Arbeiten des Künstlers und entsprechenden Zeitdokumenten, wird hier eine eher unkonventionelle Art der Biografie präsentiert, da nicht klassischerweise auf die Lebensereignisse des Herrn Lindbergh der Fokus gelegt wird, sondern zumeist eher auf seine Arbeiten. Zudem wird auch viel die Zeit und sein Lebensraum beschrieben, weshalb wiederum ein wenig die Lebensgeschichte in den Hintergrund rückt. Doch wird dies vom Regisseur bewusst so gemacht wurden sein, da er bereits Jahre zuvor eine Biografie veröffentlichte.
Immer wieder wird durch eine Off-Stimme der Inhalt vermittelt, wobei sich hauptsächlich an realen Aufnahmen und Interviews entlang gehangelt wird. Durch aufreibend wirkende Musik wird eine gewisse Form der Dramaturgie in die Geschichte hineingebracht, doch reicht diese nicht um die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu erreichen.
Insbesondere die schnellen Bildwechsel machen es schwer dem Werk dauerhaft zu folgen und alles in sich aufzunehmen. Dazu kommt der häufige Sprachenwechsel zwischen Französisch, Englisch und Deutsch, versehen mit englischen Untertiteln. Dies mag leicht sein, wenn alle drei Sprachen tadellos beherrscht werden und die Untertitel bewusst ausgeblendet werden können. Ich selbst beherrsche nur die englische und deutsche Sprache, weshalb ein ständiger Blickwechsel zwischen Untertitel und Bild notwendig ist, um dann gleich wieder festzustellen, dass jetzt doch wieder in einer der beiden verstehbaren Sprache erzählt wird. Zum Teil werden sogar einzelne Sätze in unterschiedlichen Sprachen wiedergegeben, so dass es vollkommen unmöglich ist, sich auf eine Art des Verstehens einzustellen. Erst im späteren Verlauf des Films kommt diesbezüglich eine gewisse Konstanz hinein.
Hinzu kommen viele Zeitsprünge in alle Richtungen. So ist es auch hier nicht so leicht zu folgen, in welcher Epoche seines Schaffens sich die Handlung gerade befindet.
Lobenswert sind hauptsächlich nur die vielen zeitgenössischen Materialien. Daraus folgend entstehen ständig Bildwechsel zwischen dem heute üblichen Kinoformat und einem altmodischen 4:3 Bilds.
Ungewöhnlich für heutige Produktionen, aber natürlich auch dem geschichtlichen Hintergrund geschuldet, sind immer wieder Teile der Handlung in schwarz-weiß zu sehen, während andere Parts auf Farbbildern basieren.
Es wird, wie der Titel es auch verrät, sehr viel über die Frauen in seinem Leben berichtet, unteranderem natürlich von seinen ganzen Models, aber auch von seinen familiären und freundschaftlichen Bekanntschaften.

Alles zusammen genommen handelt es sich bei dieser Biografie doch eher um eine Produktion für Fans und sehr Interessierte an der Schaffenszeit des Herrn Lindbergh. Auch für Portraitfotografen könnten einige spannende Elemente zu sehen sein. Für den klassischen Kinogucker ist dieses Werk jedoch absolut nicht geeignet.

Humor: 0/10Action: 0/10Erotik: 1/10
Niveau: 6/10Gefühl: 1/10Musik: 6/10
Spannung: 0/10Gewalt: 0/10Idee: 5/10

Gesamtbewertung: 3/10

Viel Spaß im Kino!

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