Filmkritik: Ray & Liz (Kinostart: 09.05.19)

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Gesehen: 2D, OmU, englisch, Kino

Es gibt Filme, die sollte man immer mit einem gewissen Grundwissen schauen. Insbesondere gehören dazu Biographien, denn nicht selten werden nur Passagen aus den Leben herausgegriffen, welche für den Zuschauer interessant zu sein scheinen, ohne alle Lebensumstände zu konkretisieren. Biographien können enorm unterschiedliche Eindrücke hinterlassen, da sie in der Regel einen hohen Anteil an Subjektivität aufweisen und dramaturgisch aufgearbeitet werden, um für den Zuschauer eine erträgliche oder gar unterhaltsame Story zu hinterlassen, die stets die Aufmerksamkeit halten soll. Gelegentlich gibt es Produzenten, die versuchen die biographischen Eckpunkte einer Person so realitätsgetreu wie möglich wieder zu geben, zu Lasten der visuellen Verträglichkeit.

Ray und Liz sind das Elternpaar von Richard Billingham und seinem Bruder. Die Familie lebt in einem kleinen Haus in Birmingham in dem Liz die meiste Zeit damit verbringt Kleidung zu produzieren, zu puzzeln oder zu rauchen. Sie ist eine eher jähzornige Gestalt die schnell zur Weißglut getrieben werden kann und ihren Ärger auch durch körperliche Gewalt ausdrückt. Ray sorgt währenddessen dafür, dass die Familie zumindest ein wenig Geld hat und es schafft im Eigenheim zu leben. Als jedoch kurze Zeit später Ray seinen Job verliert, werden die finanziellen Mittel knapp. Für alle beginnt ein Leben in der Abwärtsspirale, in der die Kinder gnadenlos mit hineingezogen werden. Nach dem die Familie sich das Haus nicht mehr leisten kann, sind sie gezwungen in ein Mehrfamilienhaus zu ziehen, in dem sie völlig antriebslos und mittellos durch die finanzielle Hilfe vom Staat ihr Dasein fristen und dahinvegetieren. Dementsprechend wird die Erziehung der Kinder sowie auch Ordnung und Sauberkeit stark vernachlässigt…

In jedem Fall, ob man den Film gut findet oder nicht, erwartet den Zuschauer hier eine sehr eigenartige und eigenwillige Produktion. Diverse Zeitsprünge erschweren das Hineinfinden in die Geschichte, welche generell eher schwer auf den Magen schlägt. Nicht gerade erträglicher wird es durch eine recht langsame und ruhige Erzählweise, die jede Szene ausgiebig feiert.

Überraschend für mich war, dass der Film offenbar in 4:3 oder einem dem ähnlichen Format gedreht wurde. Dies ist eher untypisch für die heutigen Verhältnisse, weshalb darauf zu schließen ist, dass der Regisseur auch technisch den Zeitsprung in die Vergangenheit visualisieren wollte.
Dem angepasst haben sich die Setausstatter sehr Mühe gegeben und sowohl das Haus, als auch die Wohnung bestens hergerichtet und der Situation und Zeit angepasst. Dadurch, dass nur zwei Schauplätze im zentralen Fokus der Handlung stehen erweckt das Werk den Eindruck eines Kammerspiels.
Zeitweise ist fraglich, was der Film eigentlich sagen möchte. Erst im längeren Verlauf ergeben einige Handlungen mehr Sinn. Offenbar versucht der Regisseur mehrfach mit Bildsprache zu arbeiten, ohne einen für mich erkenntlichen logischen Handlungsstrang zu verfolgen. So wurden mehrfach Bilder bzw. Gemälde eingeblendet, die Frauen zeigen, für mich aber keinen Mehrwert für die Geschichte liefern. Ebenso sieht man Liz des öftern puzzeln ohne diese wirklich zu beenden.

Insgesamt will der Regisseur wohl mehr mit dem Film aussagen, als er tatsächlich schafft über die Leinwand an den Zuschauer zu transportieren. Zu keinem Zeitpunkt wird deutlich, dass es sich bei dieser Geschichte um die tatsächlichen Jugenderlebnisse des Richard Billingham (Regisseur) handelt. Die düstere und eher ekelerregende Umgebung lässt zurecht den Zuschauer erschaudern und unterstreicht die wesentliche Aussage des Films stark. Dennoch hat der Film mich nicht überzeugt, auch wenn eine Biographie nur schwer kritisierbar ist.

Humor: 0/10Action: 0/10Erotik: 0/10
Niveau: 2/10Gefühl: 1/10Musik: 0/10
Spannung: 1/10Gewalt: 1/10Idee: 3/10

Gesamtbewertung: 4/10

Viel Spaß im Kino!

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