Filmkritik: SHAZAM! (Kinostart: 04.04.19)

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Gesehen: 2D, OV, englisch, Kino

Superheldenfilme gibt es mittlerweile unzählig viele. Sie überschwemmen regelrecht den Filmmarkt und verlieren auf Grund der starken Ähnlichkeit zueinander immer mehr an Qualität und somit ist wohl bei den Meisten Zuschauern der Durst nach diesen größtenteils gestillt. Dennoch gibt es immer wieder ein paar Ausreißer, die vor allem sehr überraschend sind. Zuletzt hat mich Guardians of the Galaxy Teil 1 total überwältigt und von der ersten Sekunde an mich total in seinen Bann gezogen.

„SHAZAM!“ ist ein eher unbekannterer Teil des Comicuniversums. Natürlich werden viele nun sagen: „So ein Blödsinn, denn kennt doch jeder!“, aber ich denke als Comiccineast, der sich nicht mit den schriftlichen Geschichten beschäftigt, kann ich für einen großen Teil der Kinogänger sprechen und kann sagen, dass ich von diesem Superhelden noch nie zuvor etwas gehört habe.
In den 80er Jahren wird ein Junge, welcher auf dem Rücksitz eines Autos sitzt, von seinem Vater und Bruder mehr oder minder als Nichtsnutz bezeichnet. Dies nagt natürlich an seinem Ego. Plötzlich sitzt er alleine im Auto, die Scheiben vereisen und als das Auto zum Stehen kommt und er aussteigt, findet er sich in einer düsteren Höhle wieder, in der er einen Zauberer (Djimon Hounsou) antrifft. Dieser ist auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger für seine Position, da er das Böse zurückhalten muss und nur noch sehr wenig Kraft hat. Schnell jedoch erkennt er, dass der junge Thaddeus (Mark Strong) nicht reinen Herzens ist und somit unwürdig.
Viele Jahre später wird Billy Batson (Asher Angel bzw. Zachary Levi), ein Waisenjunge, der nie irgendwo dazu gehörte und sein Leben eher als Einzelgänger bestritt, auserwählt den Platz des Magiers einzunehmen. Völlig verdutzt von so viel Unfug tut Billy, was der Magier sagt und wird zum Superhelden „SHAZAM!“ Das Böse lässt natürlich nicht lange warten. Thaddeus, der mittlerweile den Doktor-Titel trägt, wendet sich diesem zu und vereint durch eine List die sieben Todsünden in sich.

Zuletzt kommt es immer häufiger vor, dass Trailer einen Filmcharakter ausstrahlen, den der Film letztlich nicht trägt. Bei diesem Film ist es ganz genauso. Der Trailer vermittelte mir einen völlig übertriebenen amerikanischen Superhelden, der Kinder und Jugendliche mit seinen sinnlosen Witzen und idiotischen Handlungen in seinen Bann ziehen soll. Gezeigt wurde mir jedoch ein runder Film mit einer anständigen Superheldengeschichte, guter Action, fantastischem Sound und gespickt mit vielen humoristischen Elementen, die jedoch sorgfältig ausgewählt wurden, um keine alberne Komödie zu produzieren. Der Film gurkt, im Gegensatz zu vielen Mitstreitern der Sparte, nicht ewig rum und versucht nicht erst lange die Charaktere einzuführen, sondern kommt relativ schnell zur Sache. Viele ironische Spitzen sind zu entdecken, als der Hauptcharakter seine Fähigkeiten und die Umstellung des Lebens als Kind zum Erwachsenen kennen lernt.
Die sieben Todsünden wurden nur ansatzweise eingeführt und glücklicherweise nicht charakterlich ihrer entsprechenden Todsünde gespielt, sondern generell als grausame Kreaturen der altertümlichen Geschichte gezeigt. Besonders loben muss ich hierbei das Dialog editing loben, denn mit einem fantastischen, einschüchternden Klang wurden die Stimmen der Todsünden realisiert und haben absolut das Ziel erreicht den Zuschauer zu verängstigen.
Entgegen vieler Comicfilme können in dieser Produktion Lebewesen tatsächlich auch sterben. Ich bin es ein wenig leid regelmäßig Filme zu sehen in denen die Figuren wieder und wieder auferstehen, um immer wieder eine runde Geschichte zu erzeugen und den Zuschauer zufrieden zu stellen. Dies ist genau das Problem, weshalb viele Werke des Genres so vorhersehbar sind. Der Mut diese unausgesprochene Regel zu ändern und eine düstere Produktion als gewöhnlich dem Zuschauer zu zeigen, wird durch einen starken qualitativen Anstieg belohnt.
Für einen Film entscheidend ist oft auch die Auswahl der Musik. Dies haben viele Produzenten mittlerweile begriffen und setzen diese gezielt und effektiv ein. Auch hier wird mit optimaler Musikwahl geglänzt, um den maximalen Charakter des Films heraus zu arbeiten.
„Schau nur nach dir selbst, sagte einst Ghandi. – Ghandi hat so etwas nie gesagt. – Ich bin sicher, dass hat er. Naja Ghandi oder Yoda.“ Richtig präsentiert wirkt dieser Dialog wunderbar unterhaltsam. Dies ist nur eins von vielen neckischen Ideen, die mich wieder in die fantastischen Dialoge der Guardians of the Galaxy hineinversetzt hat, welche mir zuletzt einen solchen Unterhaltungswert boten.
Auch wenn Humor ein absolut wichtiger Bestandteil des Films ist, wird auch eine gewisse Ernsthaftigkeit bewiesen in der die Wichtigkeit der Verantwortung im Umgang mit den eigenen Handlungen und besonderen Fähigkeiten herauskristallisiert wird.
Schauspielerisch gibt es nicht allzu viel zu sagen, denn keiner der Figuren ist besonders heraus gestochen. Einzig Mark Strong, der in vielen Filmen bereits großartige Nebenrollen verkörperte, hat als Bösewicht überragend agiert. Nur selten wurde mir ein solch starker Charakter präsentiert. Umso trauriger bin ich, dass er nur eine Nebenrolle einnimmt und somit nicht gänzlich im Fokus der Handlung steht.
Hingegen nicht so zufrieden bin ich mit Zachary Levi. Obwohl an seiner persönlichen Leistung wohl nicht viel zu meckern ist, finde ich ihn einfach falsch besetzt. Er präsentiert einen Charakter, der prädestiniert ist für unnötige Komik. Aus diesem Grund fehlt auch dem Trailer gänzlich der Charme. Dies ist jedoch kein wesentlicher Makel, der keinen Einfluss auf meine gesamte Kritik haben soll.
Einige wenigen Logiklücken habe ich entdeckt, aber auch diese hielten sich in Grenzen und waren somit vollkommen akzeptabel.
Zu guter Letzt war es wirklich schön anzusehen, dass die Gesetze der Physik doch noch existieren und auch genutzt werden. Durch eine wirklich wunderbare Szene werden nahezu alle anderen Filme des Genres verpönt. Zurecht!

Alles in allem zeigt uns DC, dass sie noch nicht ganz den Kampf gegen das Marvel Universum verloren haben. Besonders überrascht war ich, als ich beim nachträglichen informieren über die Figur SHAZAM! erfahren habe, dass diese eigentlich auf der Figur Captain Marvel beruht bzw. sogar Captain Marvel ist. Das bringt die gesamte aktuelle Filmwelt für mich durcheinander, wo doch vor kurzem erst ein Captain Marvel-Film in den Kinos veröffentlicht wurde.

Humor: 6/10Action: 7/10Erotik: 0/10
Niveau: 3/10Gefühl 3/10Musik: 8/10
Spannung: 3/10Gewalt: 4/10Idee 7/10

Gesamtbewertung: 7/10

Viel Spaß im Kino!

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