Filmkritik: The Dead Don’t Die (Kinostart: 13.06.19)

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Gesehen: 2D, deutsch, synchronisiert, Kino

Mit dem Eröffnungsfilm der Internationalen Filmfestspiele von Cannes 2019 und mit der Nominierung für die goldene Palme, macht Jim Jarmusch wieder einmal auf sich aufmerksam. Durch seine zumeist langsamen und lakonisch humoristischen Produktionen, die häufig mit ähnlichem Starensemble besetzt sind, erfreut sich James R. Jarmusch seit vielen Jahren großer Beliebtheit bei den Kritikern. Er gehört zu einer aussterbenden Gruppe von Regisseuren, den sogenannten „Autorenfilmern“, die zu jeder Zeit die Kontrolle über ihre Produktionen komplett bei sich behalten, ebenso wie jegliche Rechte an den Negativen. Die letzten Filme seiner Laufbahn waren „Gimme Danger“, „Paterson“, „Only Lovers Left Alive“ und „The Limits of Control“, in dem wie so häufig auch Tilda Swinton und Bill Murray zu sehen sind. Mit seinen 69 Jahren ist Bill Murray für seine ausgesprochen leidenschaftlichen und lebhaften Rollen bekannt, die den Zuschauer in nahezu jeder Produktion in sein Bann ziehen. Wieder einmal hat er nun die Hauptrolle übernommen, um als erfahrener Schauspielgeist die Arbeit seiner Mitstreiter zu lenken.

In einem altehrwürdigen kleinen Städtchen am Rande der USA ist noch immer die Zeit stehen geblieben. Jeder kennt hier jeden und an allen Schauplätzen haben die Einwohner die immer gleichen täglichen Routinen. Die Polizei fährt im Ort Streife, ohne dass etwas geschieht, im Diner sitzen ein paar gelangweilte Menschen, die verzweifelt nach Unterhaltung, und Kaffee, suchen und im Leichenschauhaus schläft die Bestatterin zwischen ihren toten Patienten. Dieser Automatismus wird plötzlich unterbrochen, als es eines Tages anfängt nicht mehr dunkel zu werden und Tote zeigen auf einmal wieder Lebenszeichen. Die drei Polizisten Cliff Robertson (Bill Murray), Ronald „Ronnie“ Peterson (Adam Driver) und Minerva „Mindy“ Morrison (Chloë Sevigny) haben nun reichlich zu tun, zunächst die unerklärlichen Morde aufzuklären und schließlich die Toten in Schach zu halten , um selbst überleben zu können.

„Oh mein Gott, sie lebt?“ „Nein tut sie nicht, sie ist nur untot!“

Dialogausschnitt der örtlichen Polizisten

Die großen Namen, die vor und hinter der Kamera in Erscheinung treten, versprechen schon von Beginn an ein skurriles und gleichzeitig abenteuerliches Erlebnis. Leider konnte dieses Versprechen jedoch nur bedingt eingehalten werden. Jarmusch ist zwar seiner sehr ruhigen Art einen Plot zu erzählen treu geblieben, hat es jedoch nicht geschafft eine gewisse Spannung oder einen in sich stimmigen Plot zu erzeugen. Der Grundgedanke ist sehr charmant und der Aufbau der Storyline ist zwar etwas bizarr und absonderlich, dennoch aber auch ausgefallen und exotisch. Insbesondere zum Ende der Geschichte wird eine Sequenz eingefügt, die nicht nachvollziehbar scheint und auch keine direkten Rückschlüsse auf einen anderen Film zulässt. Dieser Part verleiht dem gesamten Film einen recht absurden Beigeschmack und lässt noch immer die Frage offen, ob dies wirklich notwendig war.
Ansonsten kann man die verbreitete Stimmung eher zweigeteilt betrachten: Zwar ist die sehr langsame und behäbige Erzählweise auch durch sehr gemächlich vorgetragene Dialoge ein recht charmanter Stil, den insbesondere schwarzen, zum Teil fast schon bösartigen, Humor deutlich ins Rampenlicht zu rücken, doch entstehen dadurch immer wieder auch Phasen der Langenweile, in denen der Zuschauer genervt darauf wartet, dass endlich wieder ein neuer einfallsreicher Witz das Gelächter im Saal aufbrausen lässt.
Unterhaltsam ist auf jeden Fall die Titelmelodie sowie die musikalische Gestaltung im Film. Sturgill Simpson schrieb den Titelsong und bekam dafür auch einen Auftritt als Zombie mit einer Gitarre. Der Song führt den Zuschauer durch den gesamten Film.
Generell wurden die Zombies recht sympathisch gestaltet, denn sie alle sind zwar von den Bewegungen und den Charaktereigenschaften eher klassisch geformt, sind jedoch alle auf die Tätigkeit polarisiert, die sie am häufigsten in ihrem Leben ausgeführt haben. So gibt es welche, die dem Kaffeegenuss frönen und dem Menschenblut vorziehen, Smombies, die die gesamte Zeit aufs Handy starren und eine zu Lebzeiten ältere Dame, die offenbar dem Genuss von Chardonnay nicht abgeneigt war. Zumeist ist ein politisches oder sozial kritisches Verhalten darin erkennbar.

Lobenswert ist wieder einmal der herausragende Bill Murray, dessen Dialoge einwandfrei geschrieben sind und der mimisch hervorragend agiert. Genau das Gegenteilt beschreibt Tilda Swintons Figur. Es mag sein, dass einfach nur ihre Rolle total albern und irrsinnig geschrieben ist, doch haben ihre Auftritte zu keinem Zeitpunkt überzeugt.
Etwas ungewöhnlich, aber dennoch unterhaltsam war, dass die Figuren mit vollem Bewusstsein des Schauspielens dargestellt wurden. So kommunizieren die Darsteller während des Films gelegentlich über das Drehbuch, den Autor und den Regisseur sowie die kommende Handlung.

Alles zusammen genommen erhält man einen recht sympathischen Film, der einfach viel zu viele Längen aufweist und sich damit selbst kaputt macht. Man hätte gern mehr von dieser Produktion gesehen, wenn sie nicht so zäh wäre.

Humor: 7/10Action: 3/10Erotik: 0/10
Niveau: 4/10Gefühl: 0/10Musik: 6/10
Spannung: 0/10Gewalt: 6/10Idee: 5/10

Gesamtbewertung: 5/10

Viel Spaß im Kino!

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