Filmkritik: The Silence (Kinostart: 16.05.19)

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Gesehen: 2D, englisch, Kino

Vier British Fantasy Awards, ein Bram Stoker Award und der Scribe Award sowie die Bestsellerliste der New York Times gehören zur Vita des „Alien vs. Predator“-Reihe-Schriftstellers Tim Lebbon. Mit „The Silence“ hat es der britische Autor nun erneut geschafft ein Werk aus seiner Feder auf die große Leinwand zu übertragen.
Durch die Verpflichtung von Stanley Tucci haben es die Produzenten Robert Kulzer, Alexandra Milchan und Scott Lambert sowie der Regisseur John R. Leonetti erreicht, einen der ganz großen Hollywood-Stars zu gewinnen. Insgesamt kann er bereits über 90 Filme und zahllose Fernsehserien in seiner schauspielerischen Karriere verzeichnen, wie „Die Tribute von Panem“, „Transformers: The Last Knight“, „Die Schöne und das Biest“ und vor allem „Spotlight“, „Die Gärtnerin von Versailles“ sowie „Der Teufel trägt Prada“. Unzählige Nominierungen und Auszeichnungen bleiben dabei natürlich nicht aus. In seiner Karriere ist er sehr häufig in Nebenrollen zu sehen und hat nur wenige große Erfolge in einer Hauptrolle zu verzeichnen. Doch das ist keines Wegs dramatisch, denn kaum einer versteht es wie er einer kleinen Figur einen unglaublich großen und fabulösen Auftritt zu verschaffen.

In „The Silence“ verkörpert Tucci den Vater der gehörlosen Ally (Kiernan Shipka). Während Archäologen in einem nordamerikanischen Höhlensystem Ausgrabungen machen, entdecken sie eine bis dahin unbekannte Lebensform, die offenbar von jeglichen Geräuschen angezogen wird und dementsprechend einen sehr ausgeprägten Sinn für Töne besitzt. Gleichzeitig sind dafür jedoch Geruchs- und Sehsinn verkümmert. Nachdem klar ist, dass dieses schwarmartig auftretende Untier eine große Gefahr für die Bevölkerung darstellt und eine Invasion durch die Nachrichten verkündet wurde, macht sich Allys Familie auf den Weg aus der lauten Stadt hinaus auf das vergleichsweise ruhige Land, um dort nach Sicherheit zu suchen. Während die Reise jedoch nicht ganz ungefährlich ist und die Bedrohung an allen Ecken wartet, sind die fleischfressenden Bestien nicht die einzige Gefahr, die die Familie erwartet.

Ein Leben in Stille birgt viel Potenzial für einen wirklich spannenden Film. So zu sehen bereits im letzten Jahr bei „A Quiet Place“, der hervorragend gezeigt hat wie viel sagend ein Film ohne Töne sein kann.
„The Silence“ ist fast schon eine 1:1 Kopie zu der letztjährigen Produktion: angefangen bei der Grundidee von geräuschempfindlichen Bestien, die sich von Menschen ernähren, die sich durch Töne kenntlich machen, über eine gehörlose Hauptfigur und Familie, die sich über die Gebärdensprache kommunikativ austauscht bis hin zu Storyentwicklung, bei der sich die Familie in ein ruhiges Landhaus begibt, um dort in Stille leben zu können. Solch eine Kopie ist an sich vollkommen in Ordnung, da die Grundidee wirklich interessant ist und einmal eine neue Art der Endzeit-Problematik darstellt. Doch funktioniert dies nur wenn die Handlung wirklich gut durchdacht ist. Leider hapert es genau an diesem Punkt im aktuellen britischen Streifen. Logiklücken noch und nöcher, unlogische Handlungen und alberne Ereignisse prägen diese Produktion.
Viele Momente sorgen für haareraufende Zuschauer und eher ungewünschte Lacher, als gruselige Schockmomente. So ist es zwar ein geschickter Schachzug für einen Film in dem es um Stille geht eine Familie zu nehmen, die der Gebärdensprache mächtig ist wegen einer tauben Figur, doch ist es absolut dämlich, während der gesamten Kommunikation in Zeichensprache jede Aussage auch zu vertonen. Warum sollte in absoluter Stille ein still kommunizierter Satz auch mündlich gesprochen werden? Diese Inkonsequenz mit dem Umgang der Stille ist sehr enttäuschend. Und dies ist leider nicht das einzige irritierende und seltsame Element des Films. Es wirkt häufig als wäre das einzige Ziel gewesen eine ereignisreiche Story zu entwickeln in der alle Künste der visuellen Effekte eingebracht werden können. Einfallslos und langweilig erscheint nahezu jede Szene und nur selten kommt es vor, dass Momente des Schreckens einfach nur lachhaft sind und dafür sorgen, dass man vor lauter Dummheit der Situation schmunzeln muss.
Einziger Lichtblick sind die beiden Hauptfiguren Stanley Tucci und Kiernan Shipka, die offenbar wussten was wir eine idiotische Handlung sie präsentieren müssen und dies jedoch mit ausgesprochen guter Professionalität taten. Shipkas Filmerfahrung ist noch lange nicht so groß wie die von Tucci und das merkt man auch deutlich, doch merkte man deutlich ihre Mühe, die sie in die Figur hineingesteckt hat. Selbstständiges Erlernen der Gebärdensprache sowie weiterführende Schulungen durch Profis zeigen ihr persönliches Engagement für die Rolle. Tucci hingegen zeigt seine berufliche Erfahrung der vielen Jahre seiner Schauspielerei und verkörpert einen wirklich guten Familienanführer, der sein Leben für diese geben würde.
Auch Loben, aber auch gleichzeitig kritisieren, muss man die Nebenhandlung. Relativ zum Schluss des Films wird ein Handlungsstrang aufgegriffen, der tatsächlich noch einmal etwas Spannung erzeugt und enormes Potenzial für eine sehr starke Geschichte aufweist, die sich auch deutlich von „A Quiet Place“ distanzieren würde, doch wird daraus leider nichts gemacht. In Zeiten der größten Sorge und Angst vor den unbekannten Gefahren der Spezies taucht eine geistliche Sekte auf, die den menschlichen Wahnsinn während solch einer Ausnahmesituation auch noch in die Handlung einbindet. Hätte sich der Autor von Anfang an auf diesen Handlungsstrang spezialisiert und ihn noch deutlich weitergesponnen und ausgearbeitet, wäre es wohl endlich soweit gewesen wieder mal ein Horrorfilm im oberen Punktesegment zu bewerten. So jedoch sollte „Silence“ nicht nur im Film herrschen, sondern auch über diesen.
Abschließend sollte jedoch noch gelobt werden, dass die „Avispa“ (spanisch für Wespe) recht gut gemacht sind. Detailreich wurden diese Kreaturen erzeugt und, im Gegensatz zu den sonstigen sehr schlechten visuellen Effekten, erfolgreich umgesetzt.
Unterhaltsam zu beobachten war, wie in einer solchen Katastrophe das Internet, egal wo auch immer der Film gerade spielte, deutlich besser war, als es selbst in deutschen Großstädten tatsächlich ist.
Komödie oder Horror? Ich weiß es leider nicht und ob die Produzenten wissen, was sie da gemacht haben, ist mir persönlich auch ein Rätsel. Ich wundere mich nur, warum sich der große Stanley Tucci für so etwas hergibt!

Humor: 0/10Action: 3/10Erotik: 0/10
Niveau: 0/10Gefühl: 0/10Musik: 2/10
Spannung: 1/10Gewalt: 2/10Idee: 3/10

Gesamtbewertung: 1/10

Viel Spaß im Kino!

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