Filmkritik: Tolkien (Kinostart: 20.06.19)

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Gesehen: 2D, englisch, Kino

„Herr Glück“, „Die Briefe vom Weihnachtsmann“, „Die Kinder Húrins“ und „Die Geschichte von Kullervo“ sind alles postum Veröffentlichungen eines äußerst bekannten Autors, die wohl eher zum Wissen für ein spezifisches Rate Quiz gehören als zur allgemeinen Bildung. Dennoch kennt den Autor dieser Werke nahezu die gesamte Welt. Möglicherweise wird es ersichtlicher bei den folgenden Schriftstücken, die ebenfalls erst nach dem Tod des Schriftstellers auf dem Markt erschienen: „The History of Middle earth“, „Nachrichten aus Mittelerde“ und „Das Silmarillion“. Wer es nun immer noch nicht erraten hat, von wem die Rede ist, sollte einfach die Augen mal auf den Titel dieses Beitrags richten. In seinem bekanntesten und erfolgreichsten Werk, „Der Herr der Ringe“ hat John Ronald Rent Tolkien seine Lebensgeschichte verarbeitet und in die Fantasiewelt übertragen. Viele Figuren und Ereignisse sind rückführbar auf persönliche Erlebnisse des Autors.

Sehr früh im Leben des jungen J.R.R. Tolkien waren die beiden Brüder auf sich selbst gestellt, da ihre Mutter völlig überraschend stirbt. Der Kirche zugewandt, kommen die Beiden in die Obhut von Pater Francis Morgan, der sie an wechselnden Orten unterbringt. In der Zeit lernt Tolkien die hübsche Edith Bratt kennen, auf die er schon früh ein Auge geworfen hat. Doch erst einmal gab es für ihn wichtigeres als die Liebe zu Mädchen: eine gute Ausbildung und das Erlernen von Sprachen gleitet in den Fokus seines Seins. Mit seinen drei Schulkameraden gründet er den T.C.B.S. – Tea Club, Barrovian Society, eine informelle Gemeinschaft, die für ausschweifende Diskussionen über Literatur gedacht ist. Aus größten Feinden werden dabei beste Freunde.
Schon in seiner Jugend beginnt Tolkien Texte zu verfassen und Geschichten zu schreiben und je älter er wird, je mehr Mut gewinnt er an diese zu glauben. Immer unterstützt von seinen Club-Freunden sowie seiner Ehefrau, stürzt er sich in sein Studium in Oxford, welches durch ein Stipendium finanziert wird.

„Helheimr“

J.R.R. Tolkien

Wer völlig unbedarft diesen Film schaut, wird anfangs auf ein paar Verständnisschwierigkeiten stoßen, denn so recht wird nicht klar, ob es sich um einen Spielfilm, eine Biografie, eine Romanze, ein Kriegsdrama oder ein Fantasie-Science-Fiction-Streifen handelt. Dier Film jedoch vereint tatsächlich alles in einem und dies ist äußerst lobenswert, denn den Mut eine Biografie auf diese Weise aufzuziehen haben nur wenige Produzenten und gleichzeitig war es genau das, was benötigt wird, um das Leben des wohl größten Fantasieautors bildhaft darstellen zu können.
Ein wenig wird hin und wieder mit den Zeiten gespielt, doch im Großen und Ganzen finden die Ereignisse chronologisch statt. Immer wieder werden in die Geschichte Sinnbilder und mystische Wahrnehmungen eingearbeitet, die der Fantasie zugeschrieben werden können und die Inspirationsgebung für den tatsächlich damals existierenden Tolkien versuchen soll zu zeigen.
Durch geschickt eingesetzte Musik fühlt sich der Zuschauer vom ersten Moment bis zur letzten Sekunde wie in einer magischen, mystischen Welt, die es Stück für Stück zu erforschen gilt. Diese Mystik wird unterstützend erreicht durch immerwährende Wechsel zwischen Schatten und Licht sowie dem Konflikt zwischen alten und tristen Bildern, die trotzdem farbenfroh und heiter sind.
In einer englischen Produktion über einen englischen Autor darf eines natürlich nicht fehlen: übertriebene englische Höflichkeit und Freundlichkeit, sowie ein Hauch von schwarzem Humor. Selbstverständlich ist der Film mit allem reichlich gespickt.
Es ist absolut empfehlenswert erst die „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“-Filme zu schauen und dann dieses Biopic, denn sehr viele Handlungsstränge und Anspielungen deuten auf diese sagenhaften Filmreihen hin und nahezu jede Figur und jedes Erlebnis seines Lebens, ist in Tolkiens Werken verarbeitet. Diese Überschneidungen sind jedoch ohne jegliches Vorwissen nicht recht deutbar.
Leider jedoch fehlen mir viele Emotionen im Film. Man merkt von Beginn an, dass viel Liebe im Detail steckt und hier eine Tolkiens Werken entsprechende, epische Geschichte erzählt werden soll. Dies ist nur teilweise gelungen und durch die eher ruhige Erzählweise, traten immer wieder ermüdende, fast schon langweilige Passagen auf.

Humor: 1/10Action: 2/10Erotik: 3/10
Niveau: 6/10Gefühl: 6/10Musik: 8/10
Spannung: 4/10Gewalt: 1/10Idee: 7/10

Gesamtbewertung: 6/10

Viel Spaß im Kino!

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