Filmkritik: Vorhang auf für Cyrano (Kinostart: 21.03.19)

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Gesehen: 2D, deutsch, synchronisiert, Kino

Der Originaltitel des Films ist Cyrano de Bergerac. Vielleicht klingeln hier schon bei einigen die Ohren, denn bereits 1897 wurde die Geschichte des Cyrano geschrieben, ursprünglich jedoch als Theaterstück. Dieses feierte über Jahre hinweg unglaubliche Erfolge und ist eins der bekanntesten Stücke des französischen Theaters. In Regelmäßigen Abständen gab es neue Aufführungen und Inszenierungen. Auch auf die Leinwand hat es die Geschichte geschafft. Gespielt von Gérard Depardieu ist die Produktion im Jahr 1990 veröffentlicht wurden.
Mir war die Geschichte bis heute nicht bekannt und bin daher umso glücklicher, dass es nun eine neue Verfilmung in die Kinos geschafft hat.

Edmond Rostand (Thomas Solivérès) wird 1897 als junges Genie der Dicht- und Theaterkunst bekannt. Leider jedoch stellen sich seine Stücke als Reinfall heraus, der die Zuschauermassen langweilt und sogar in ihren Sitzen einschlafen lässt. Durch unzählige Kritiken verliert er seine Inspiration und lebt lange Zeit mit seiner Frau und seinem Kind nur noch von der Hand im Mund. Als eine gute Freundin ihm eines Tages den berühmten Constant Coquelin (Olivier Gourmet) vorstellt, soll sich alles ändern. Coquelin, der selbst in finanziellen Problemen steckt, ist sehnsüchtig auf der Suche nach jemandem, der ein Stück für ihn schreibt, welches ihm großen Erfolg bringen soll und damit die Kassen wieder füllt. Angesichts der Problematik, dass Coquelins aktuelles Stück ein Reinfall ist, er jedoch das prunkvolle Theater für ein Jahr angemietet hat, besteht ein enormer Zeitdruck, denn die Premiere soll nur drei Wochen nach dem ersten Treffen beider Figuren stattfinden. Rostand, den noch immer die Inspirationslosigkeit plagt, ist verzweifelt auf der Suche nach einer neuen Idee. Hierbei unterstützt ihn sein guter Freund sowie viele zufällige Bekanntschaften aus seinem Leben. Stück für Stück fangen die Worte an zu sprießen. Doch wird er es rechtzeitig bis zur Premiere schaffen und vor allem wie sollen die ganzen Schauspieler ihre Texte lernen in so kurzer Zeit?

Fabelhaft, traumhaft, bombastisch und atemberaubend. Dies sind die ersten Worte, die mir nach dem Film eingefallen sind und deshalb sollen diese auch meine Kritik zieren.
Zu Beginn des Stücks war ich noch recht skeptisch, da mir alles ein wenig zu übertrieben wirkte. Die Langeweile der Zuschauer in der Eröffnungsszene wurde so markant gezeigt, dass es einfach unpassend wirkte. Doch wie der Wirt (Jean-Michel Martial), welcher eine wirklich tolle Leitfigur für den Film gab, so schön sagte: „Ist der Wein entkorkt, muss man ihn auch trinken.“ Der erste Auftritt dieser Figur riss sofort das Ruder herum und setzte mit einem Stück im Stück den ersten Nadelstich für einen fantastischen Film.
Aber auch alle anderen Darsteller haben ihre Rolle fabelhaft gespielt und insbesondere die vielen Nebencharaktere, wie der Garderobier, der Bankier oder der Hotelier, haben mich wunderbar unterhalten.

Etwas kritisieren möchte ich hier nur die Besetzung der Hauptfigur, da meiner Ansicht nach Thomas Solivérès nicht wirklich gut den Charakter verkörpert. Er sieht einfach zu bubenhaft aus und das Gesamtbild des Schauspielers trägt einige Makel. Dennoch hat er mit einer wirklich überzeugenden schauspielerischen Qualität von sich überzeugt.
Mit einer wirklich flotten und flinken Erzählweise merkte man, dass die Zeit knapp war für soviel Erzählstoff, doch das schadete dem Film kein bisschen. Im Gegenteil, denn damit wurde ein gewisser Grundtakt vorgegeben, welcher zum gesamten Inhalt bestens passte. Es passiert immer etwas auf der Leinwand, sodass man kaum eine Sekunde findet, in der man mal wegschauen könnte, ohne gleich den halben Film oder eine neue cineastische Idee zu verpassen. Es war wie in einer Zaubershow. Wenn der Künstler, oder in diesem Fall der Regisseur sagt: „Schaut hier, hier passiert etwas einmalig tolles“, dann geschah der eigentliche Hauptmoment ganz wo anders und inspirierte, verzauberte und begeisterte noch viel mehr.
Liebhaber der Poesie sind hier vollkommen richtig. Gedichte über Gedichte, Verse über Verse und lyrische Besonderheiten en mass zierten jede Szene. Selbst ich als „Gedichtlegastheniker“, also generell nicht interessiert an Gedichten, wurde von der Sprache verzaubert und in den Bann gerissen.
Kamera, Musik, Schauspiel, es war alles ganz besonders. Tolle Bewegungen der Kamera und verhältnismäßig wenige Cuts haben das Flair noch ein wenig mehr unterstrichen.
Lange habe ich nicht mehr so gespannt im Kino gesessen und den nächsten Moment erwartet. Ich habe regelrecht mit den Charakteren mitgefiebert.
Teilweise bekam ich den Eindruck als würde das Werk auch auf aktuelle Probleme der Film- und Theatergesellschaft aufmerksam machen wollen insbesondere auf die „#metoo“-Bewegung und Gleichstellung der Frau. 
Ständig wird Kino und Theater als völlig unterschiedlich angesehen und zum Teil sogar als „verfeindete“ Sparten der künstlerischen Entfaltung bezeichnet. Schauspieler der Filmwirtschaft seien nur halbe Schauspieler, da sowieso alles nach Belieben zusammengeschnitten wird. Dieser Film beweist absolut das Gegenteil. Er Vereint Theater und Film in Perfektion.

Zu guter Letzt möchte ich noch auf den Abspann aufmerksam machen, welcher noch einmal die Geschichte dieses Theaterstücks in wenigen Bildern zusammenfasst und die wichtigsten Schauspieler der letzten 120 Jahre in Erinnerung ruft.

Filmschaffende werben immer wieder mit dem sogenannten „Prädikat: besonders Wertvoll“. Hier stimme ich dem absolut zu und empfehle euch absolut ins Kino zu gehen und euch einfach auf den Film einzulassen.

Humor: 10/10Action: 0/10Erotik: 6/10
Niveau: 10/10Gefühl: 10/10Musik: 9/10
Spannung: 9/10Gewalt: 0/10Idee: 9/10

Gesamtbewertung: 10/10

Viel Spaß im Kino!

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