Filmkritik: Willkommen in Marven (Kinostart: 28.03.19)

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Gesehen: 2D, deutsch, synchronisiert, KinoSteven John Carell, so sein vollständiger Name, nimmt eher selten große Filmrollen an. Häufig war er in amerikanischen Komödien zu sehen, lieh aber auch seine Stimme mehrfach Figuren aus großen Animationsfilmen. In den vergangenen vier Jahren hat er sich eher auf anspruchsvollere Filme besinnt und somit seine Zeit als Komiker des modernen Films hinter sich gelassen. „The Big Short“, „Freeheld – Jede Liebe ist gleich“, „Battle of Sexes – Gegen jede Regel“ und „Vice – Der zweite Mann“ sind nur einige seiner Rollen, in denen er durchweg hervorragende Leistungen zeigte.

„Willkommen in Marwen“ ist trotz großer Anteile von animierten Puppen ein Biopic, welches vom Leben Mark Hogencamps erzählt. Ein Army-Pilot stürzt mit seinem Flugzeug über einem Wald ab. Unverletzt kann er sich aus der Maschine schwingen. Doch schon naht das nächste Unheil. Feindliche Soldaten stellen sich voll bewaffnet ihm gegenüber. Auch in größter Not beweist der Army-Pilot Mark enormen Mut und stellt sich seinen Widersachern entgegen. In dem Moment als er am Boden liegt und der Kommandeur der feindlichen Truppe zum finalen Tritt ins Gesicht ausholt, taucht eine Brigade Frauen auf, bis an die Zähne bewaffnet mit Maschinengewehren, die Mark mit einem wilden Geballer retten. Während aus der Szene herausgeblendet wird, sieht man einen Mann am Boden liegen, der eine Kamera bedient und die Szenerie, die sich in Gestalt von Puppen vor ihm abspielt, fotografiert. Der hier liegende echte Mark muss einen schweren Schicksalsschlag verkraften, denn vor etwa drei Jahren wurde er auf Grund seines Schuhfetisches als „Schwuchtel“ beschimpft und kurzer Hand von einer Gruppe Raufbolde verprügelt und schwer verletzt. Dies führte zu einem nahezu vollständigem Gedächtnisverlust. Seine persönliche Krisenbewältigung findet statt, indem er aktuell erlebte Szenarien, Gefühle, Wünsche und Träume mit seinen Puppen nachspielt und diese fotografiert. Ob er dieses Trauma je überwinden wird?

Eine wahre Geschichte zu erzählen ist immer ein fantastisches Erlebnis, denn nur selten bekommt man so viel Einblick in die Erlebnisse und die Gefühlswelt eines anderen Menschen. Jeder hat unfassbar viel erlebt in seinem Leben und so viele wundervolle Geschichten zu erzählen, dass es geradezu leicht ist hervorragendes Material für Filme zu finden.
Bekannt für verrückte und lebhafte Geschichten, hat Robert Zemeckis sich hier eine wirklich spannende Begebenheit herausgepickt. Wie schon der Trailer vermuten lässt, wird eine herzerwärmende, mitleidige und fabelhafte Welt gezeigt, die gespickt ist mit flachen, aber humorvollen Witzen und bunten, schrägen und herzlichen Figuren.
Die Animation der Puppen ist super gelungen, denn zum Teil wirkten diese schon wie echte Menschen und hatten dennoch ihren ganz eigenen Charme. Vermutlich wurden hier die Gesichter der echten Schauspieler in die Gesichter der Puppen digital hinein gepflanzt, um so den Grad der Realität deutlich zu erhöhen; so ganz eindeutig erkennbar ist dies jedoch nicht.
Durch geschickte Kameraführungen und Schnitte wurde die Welt der Puppen mit der der Menschen zu einer fabelhaften Szenerie vereint und somit die Gefühlswelt stark mit der Realität verknüpft. Dazu beigetragen hat natürlich auch Steve Carrell, der mir einen wirklich glaubhaften Mark Hogencamp präsentierte. Das ruhige, leicht verstörte und trotzdem immer freundliche und herzliche Auftreten seiner Figur, hat mir das Gefühl gegeben selbst Teil der Geschichte zu sein.
Für dieses Werk hat Alan Silvestri, der bereits an über 10 Filmprojekten, unter anderem „Forrest Gump“ und „Zurück in die Zukunft“, mit Zemeckis zusammengearbeitet hat, die Musik komponiert. Dementsprechend passte sie wunderbar in das Schauspiel und unterstrich die jeweilige momentane Stimmung ausgesprochen lebhaft.

Alles zusammen genommen wird der Zuschauer in die fabelhafte kleine Welt des Mark Hogencamp hinein gesogen und nicht wieder frei gelassen. Mir persönlich hat wohl am Besten gefallen, dass die Übergänge zwischen Vorstellung und Wirklichkeit wie fließend Wasser in einander verliefen. Leider führte die ruhige Erzählweise auch dazu, dass ich zu später Stunde etwas müde wurde und daher besonders dem Schluss nicht mehr vollends folgen konnte.

Humor: 2/10Action: 4/10Erotik: 2/10
Niveau: 6/10Gefühl: 7/10Musik: 6/10
Spannung: 1/10Gewalt: 3/10Idee: 7/10

Gesamtbewertung: 7/10

Viel Spaß im Kino!

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