James McAvoy im Interview zu ‚Grenzenlos‘

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DVD und BluRay ab dem 21.02.2019 erhältlich

James über die Handlung von Grenzenlos:

Sie schickten mir das Drehbuch, und ich las es und fand es großartig und poetisch und tatsächlich eine sehr differenzierte, erwachsene Herangehensweise nicht nur an eine Liebesgeschichte, sondern an die Idee der Liebe. Und ich nehme an, es ist sogar ein romantischer Thriller geworden. Möglicherweise. Ich fand die Idee, die alles beherrschende Idee des Films oder sein Hauptthema, dass wir alle miteinander verbunden sind, einfach sensationell. Dann wurde ich gebeten, mich mit Wim in London zu treffen. Tatsächlich war es nur ein ziemlich kurzes Treffen, bei dem ich die ganze Zeit geredet habe, weil er – und ich glaube, dafür ist er bekannt – ein sehr schweigsamer Mensch ist. Aber er war schon sehr schweigsam, und ich dachte mir: „Diese Rolle wirst Du nicht bekommen. Es läuft echt schlecht. Also entschuldigte ich mich nach einer halben Stunde und sagte:„Hör mal, ich muss jetzt leider los zu einem anderen Termin“, was nicht wirklich der Wahrheit entsprach und erklärte weiter: „Wenn Du mich für den Film haben willst, bin ich sehr gerne dabei. Und wenn Du mich nicht haben willst, nehme ich das auf keinen Fall übel.” Danach ging ich und dachte: „Diesen Job wirst Du niemals bekommen. Und dann riefen sie mich ein oder zwei Tage später an und sagten: „Ausgezeichnet. Du kannst die Rolle haben.” Ich war echt überrascht.

 

James über seine Rolle:

Alle wichtigen Rollen im Film, sei es Alicias oder meine oder die Typen, die mich in Somalia gefangen nehmen, wir alle glauben auf eine merkwürdige, extrem starke Weise an unsere Überzeugungen, so dass wir sogar bereit sind, dafür zu sterben. Vielleicht sind wir nicht direkt bereit, aber wir nehmen es in Kauf. Und wir haben uns alle mit der Möglichkeit auseinandergesetzt, dass es durch unseren Job, von dem wir überzeugt sind, passieren könnte. Deshalb war es so wichtig, dass James an seinen Gott, an sein Land und seine Mission und ihren Sinn glaubt. Und dann verliebt er sich auf einmal und plötzlich ist es viel schwieriger, dieser selbstlose Typ zu sein, der bereit ist zu sterben. 

 

James über  Alicia Vikander:

Ich glaube, es passierte ein paar Wochen nachdem ich die Rolle bekommen hatte – wir haben dieselbe Agentur – dass meine Agentur anrief und sagte: „Hör zu, Alicia interessiert sich sehr für den Film.” und ich dachte: „Wow, das wäre ja großartig.” Sie ist die Freundin von Freunden, die immer nur in den höchsten Tönen von ihr gesprochen haben und außerdem kannte ich ihre Filme. Sie ist eine unglaublich gute Schauspielerin. Ich war total begeistert, aber auch ein wenig besorgt, ob ich vielleicht zu alt für sie wäre, aber was soll’s, das kriegen wir auch noch hin.

 

James über die Zusammenarbeit mit Erin Dignam:

Erin hat ein tolles Drehbuch geschrieben, und sie ist eine sehr selbstbewusste Autorin, eine gute Autorin, die problemlos akzeptiert, dass wir uns einmischen, was sehr nett ist. Und Wim gefällt das auch. Aber verstehen sie mich nicht falsch. Sie sagen auch schnell „Oh, nein, das ist jetzt zu viel.” Oder „Das geht in die falsche Richtung.” Aber ich finde, mehr ist mehr und weniger ist niemals mehr. Deshalb denke ich, dass man diese Art natürliches Repertoire von vielen Schauspielern bekommen kann. Und wenn es dann doch stört, müssen sie es nicht nehmen, sondern schneiden es einfach aus dem Film raus. Aber es stimmt, wir haben uns in unseren Rollen wirklich sehr wohl gefühlt. Ich habe mich in der Rolle des James sehr wohl gefühlt. Ich hatte das Gefühl, dass er mir – und auch Wim – sehr ähnelt. Er ähnelt mir sehr, aber er hat auch eine ordentliche Portion Wim in sich. Deshalb fühlte ich mich sehr wohl, wenn ich mir selbst etwas ausgedacht habe.

 

James über Wim Wenders’ Regie:

Er legt nicht fest, wie eine Szene gespielt werden soll, aber er erklärt, wie die Szene wirken sollte und dann entwickelt sich ganz natürlich, wie man die Szene spielt. Und wenn es nicht funktioniert, wird er natürlich viel genauer in seinen Regieanweisungen. Er ist sehr… ich habe ihn beobachtet, wie er sich die Szenen von anderen Schauspielern im Playback ansieht und er hofft, dass sie das tun, was er möchte, aber er wird niemals zu ihnen gehen und ihnen sagen, was sie tun sollen. Manchmal muss er es dann schließlich doch tun, aber lieber dreht er noch eine Einstellung und betet, betet, betet, dass sie das tun, was er sich wünscht. Und wenn es gelingt, ist er wie ein kleiner Junge im Körper eines 70-jährigen Mannes. Er springt auf und ab und seine Haare fallen ins Gesicht. Es ist schön, ihm dabei zuzusehen.

 

James über seine Hoffnungen in Bezug auf das Publikum:

Ich glaube, die wunderbare Liebesgeschichte wird sie bewegen, und ich glaube, sie werden überrascht sein, wie sehr lehrreich der Film gleichzeitig ist über das, was in unserer Welt geopolitisch passiert, aber auch in welcher Gefahr sich die Welt physisch befindet. Und das Merkwürdige ist, dass es sich nicht nach einer Liebesgeschichte anhört und trotzdem eine ist. Es geht um die Liebe für die eigene Mission, es geht um die Liebe zum eigenen Glauben und die Liebe zum Planeten Erde. Es geht um die Liebe zwischen ihr und mir und die Liebe zu Gott, einfach die Liebe zu all diesen Dingen. Es ist auf eigenartige Weise eine Liebesgeschichte, aber wir lieben viele Dinge in diesem Film. Ich kann ihn nicht so gut verkaufen, aber ich glaube, sie werden sehr bewegt sein und sie werden auf alle Fälle um mein Leben fürchten. Ob sie auch um ihr Leben bangen werden, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, weil ich Alicias Szenen noch nicht gesehen habe.

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