Ausformulierte Filmkritik: Ich war zuhause, aber…

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Gesehen: 2D, deutsch, Kino

Es ist faszinierend mit welcher Erhabenheit, verzeiht die leider treffende drastische Begrifflichkeit, Scheiße gewürdigt werden kann. Die Filmregisseurin, Drehbuchautorin und Professorin an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, Angela Schanelec, erhielt für ihren neuen Film den silbernen Bären für die Beste Regie bei der diesjährigen Berlinale. Angesichts dieses unfassbar misslungenen Stücks der aktuellen Filmkultur ist dies eine herausragende Leistung und völlig unfassbar. Im weiteren Verlauf komme ich noch darauf zu sprechen, weshalb dies so unverständlich ist.
Aktuell sind mir keine weiteren Filme dieser Frau geläufig, sollten diese jedoch alle ähnlich strukturiert sein, so wird die Unfassbarkeit der Professur dieser Dame noch deutlich größer und angesichts der Tatsache, dass sie die neue Generation Filmschaffender in Deutschland heranerzieht, wird einem Angst und Bange um die deutsche Filmkultur, die schon jetzt eher im Ausschussbereich des internationalen Films zu finden ist.

Es gehört viel dazu den Titel „Schlechtester Film aller Zeiten“ verliehen zu bekommen, insbesondere, da ich bereits gut 1400 Filme in meinem Leben gesehen habe und so einige dabei war, was man besser niemandem zumuten möchte. Die letzten beiden Plätze wurden bisher vehement von den beiden Filmen „New Kids Turbo“ und „New Kids Nitro“ verteidigt. Doch was diese Filme dem Schanelec-Film deutlich voraushaben, ist zumindest der Ansatz einer Handlung. Üblicherweise folgt an dieser Stelle eine kurze inhaltliche Zusammenfassung, die euch einen groben Eindruck des Films verschaffen soll. Leider muss wegen vollkommener Inhaltslosigkeit diese heute ausbleiben. Einzig und allein ein Satz wäre anbietbar, der zumindest ein paar der gesehenen Bilder wiedergibt: Es dreht sich um den Kauf eines Fahrrades, einen seltsam esoterischen Monolog der vermutlichen Protagonistin, total desinteressierte Kinder bei der Erprobung eines Stücks (Hamlet), sowie einen Hund, Hasen und Esel. Genauso ratlos wie für euch diese Themenanrisse erscheinen, genauso haarsträubend und zugleich einschläfernd war dies unnötig in die Länge gezogene Absordum von Film.
Häufig werden solche Filme als Kunstfilme bezeichnet und ich gebe zu, ich verstehe absolut nichts von Kunstfilmen, doch in Produktionen wie „Das melancholische Mädchen“, der zuletzt ebenfalls unter diese Begrifflichkeit einzuordnen war, ist zumindest eine gewisse Intention des Autors erkennbar, während hier nur völlig wirr und wahllos seltsame Szenen aneinandergefügt wurden.
Ebenso wie die Handlung unerklärlich ist, sind auch alle technischen Mittel einzig und allein eine Auflehnung gegen erfolgreiche Systeme, in dem man einfach alles anders macht als üblich. Kaum endende Bildsequenzen sorgen für komatöse Zustände im Zuschauerkreis, da weder ein Kameraschwenk noch jegliche Aktion oder Interaktion im Bild stattfindet. Mehrfach wurden Szenen für 30 Sekunden oder länger gefilmt, in denen nicht einmal eine Bewegung stattfindet und die auch kein ansprechendes Naturbild oder ähnliches zeigen.
Gut fünf Minuten nach Filmbeginn wird dann tatsächlich auch erstmalig eine Sprachsequenz eingeführt, die dann nicht einmal ansprechend wirkt. Alle Dialoge wirken wie erstmalige Theaterproben, bei denen niemand seinen Text gelernt hat. Sehr abgehackt und zusammengewürfelt wirken die Textbausteine, die dem Zuschauer mit voller Breitseite ins Gesicht geklatscht werden. Darüber hinaus kommt noch dazu, dass einige Dialoge akustisch völlig unverständlich sind, da ein alter Mann nur mit Hilfe eines Elektrolarynx (apparative Sprechhilfe als Ersatz für eine Stimmenprothese) kommunizieren kann und es mehr ein Ratespiel als dem Verstehen gleicht. Anfangs erschien dies noch als Stilmittel, mittlerweile ist klar, dass es sich dabei um einen grausigen Regiefehler handelt.
Nach gut 45 Minuten wird erstmalig überhaupt ein musikalisches Werk eingefügt, welches jedoch den Film kein bisschen ansehnlicher macht. Möglicherweise handelt es sich jedoch bei diesem Werk nur um einen medizinischen Test, in dem herausgefunden werden sollte, wie hoch die Leidensfähigkeit des Menschen ist und wieviel er aushält, bis der Körper zwangsmäßig sich durch spontane Narkolepsie schützt. Dies ist eigentlich ein sicheres Ereignis, denn aktuell ist mir kein Kollege bekannt, der/die diesen verstörenden Trip den ganzen Film durchgehalten hätte und munter geblieben ist.
Dies hat mich auch dazu bewegt während des Films Notizen zu machen a la: „man kann eine halbe Stunde weggucken und hat nichts verpasst“ oder „ein tonloser Hörspiel-Krimi könnte kaum spannender sein.“
Damit auch ja alle bis zum Schluss des Abspanns sitzen bleiben, hat man sich offenbar noch etwas ganz verrücktes einfallen lassen: Es wird ein tonloser Abspann gezeigt, um ja niemanden aufzuwecken und aus seinen tiefen Reisen im Traumland herauszureißen!

Hier wird somit dem Zuschauer eine absolute Frechheit in vollen 105 Minuten Film geboten und man fragt sich gleich mehrere unerklärliche Fragen: Was ist der Sinn, gibt es Hauptfiguren, was will der Film oder die Autorin eigentlich erzählen, wo ist der Höhepunkt oder zumindest der Ansatz für einen Spannungsbogen?
Es tut mir sehr leid liebe Frau Schanelec, aber so etwas braucht die deutsche Filmindustrie nicht und lässt den deutschen Film in einem noch schlechteren Licht stehen, als er sich ohnehin schon befindet und da hilft auch der Irrglaube nicht, dass ihre Filmkunst vor allem im Ausland sehr angesehen sei und wir Deutschen die Art von Film einfach nicht verstehen können.

Humor: 0/10Action: 0/10Erotik: 0/10
Niveau: 0/10Gefühl: 0/10Musik: 0/10
Spannung: 0/10Gewalt: 0/10Idee: 0/10

Gesamtbewertung: -2/10

 

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