Filmkritik: Dem Horizont so nah (Kinostart: 10.10.19)

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Gesehen: 2D, deutsch, Kino

Ich wünsche mir, […] dass nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint und dass es sich immer lohnt, einen Blick hinter die Fassade zu werfen.

Buchautorin Jessica Koch auf die Frage „Was wünschen Sie dem Film?“ (Presseheft zum Film)

Treffender lässt sich wohl kaum eine Einleitung zur Verfilmung des gleichnamigen Buchs DEM HORIZONT SO NAH finden, denn es lohnt sich auch einen Blick hinter die Fassade des Lebens der Autorin zu werfen. Nicht nur, dass sie die Geschichte selbst erlebte, auch die Buchveröffentlichung sorgte für einigen Wirbel in ihrer Vergangenheit und lässt einem die Tränen in den Augen stehen. Doch fangen wir einmal von vorne an!
Das literarische Werk ist nur eine Geschichte aus einer dreiteiligen Reihe. Nicholas Sparks hätte kaum stolzer auf die Titel dieser Trilogie sein können, denn auch seine Bücher haben immer ein etwas mystischen, naturnahen Titel, die absolut nichts vom Inhalt verraten.
Die Fortsetzung DEM ABGRUND SO NAH ist eigentlich eher ein Prequell, da sie die Vorgeschichte der Protagonisten erzählt. Außerdem gibt es noch DEM OZEAN SO NAH, der ebenfalls eine Handlung mit den gleichen Protagonisten erzählt.

Vor gut 15 Jahren hat Jessica Koch die Geschichte schon einmal verfasst. Erschienen ist es jedoch erst 2016 als E-Book, da die erste Fassung nur eine private Aufarbeitung der eigenen Emotionen spiegelte, sie jedoch nie den Wunsch hatte, diese höchst berührenden Erfahrungen mit anderen Menschen zu teilen. Aus diesem Grund verbrannte sie auch die erste Fassung.
Erst im Dialog mit ihrem Ehemann kam diese Geschichte irgendwann wieder hoch.

Jessica, weißt du was, du musst das noch einmal aufschreiben!

Ehemann von Jessica Koch (Presseheft zum Film)

Nachdem ihr Mann sie überzeugt hatte, dauerte es ein wenig, bis sie wieder die Begeisterung für das niederschreiben der Handlung entwickelten.
Doch plötzlich ging alles ganz schnell: „Ich bin nur noch mit Block und Stift herumgelaufen, Tag und Nacht. […] Ich war in acht Wochen mit dem Skript fertig.“ (Jessica)
Zum Glück für die Leser, fand sie schnell einen Verlag, so dass die Veröffentlichung am 15. März 2016 erfolgen konnte. Binnen 10 Wochen waren bereits mehr als 100.000 Exemplare verkauft und trotz mehr als 2000 online Rezensionen hält sie eine überragende Durchschnittsbewertung von 4,7/5 auf Amazon.
Mit diesem Erfolg war eine Verfilmung fasst schon sicher. Ariane Schröder übernahm die Adaption des Drehbuchs, was eine hervorragende Wahl war, denn zuvor hat sie auch für den Film HIN UND WEG eines geschrieben und somit die Grundlage für eine herausragende, herzzerreißende und absolut großartig tragische Produktion gelegt.
Für die Rollenbesetzung wurden endlich mal nicht völlig eintönig die gleichen fünf deutschen Schauspielstars genommen, die mittlerweile in jedem Film zu sehen sind, sondern etwas unbekanntere und dennoch herausragend gute Akteure, wie Luna Wedler (bekannt aus DAS SCHÖNSTE MÄDCHEN DER WELT und BLUE MY MIND), Jannik Schümann (LENA LOVE, NIEMANDSLAND – THE AFTERMATH und JUGEND OHNE GOTT), Luise Befort (CLUB DER ROTEN BÄNDER und JESUS CRIES), Victoria Mayer (HIN UND WEG und GOOD FAVOUR) sowie Stephan Kampwirth (WHO AM I – KEIN SYSTEM IST SICHER, DARK und CONTERGAN).

Doch was ist eigentlich in Jessica Kochs Leben geschehen, dass es wert ist unbedingt erzählt zu werden?
Die ambitionierte und lebensfrohe Jessica besucht im Jahr 1999 mit ihren Freundinnen wie so häufig den Jahrmarkt. Nachdem sie durch Zufall beim Rosen schießen einen jungen Mann gleichen Alters kennen lernt, trifft sie ihn nur wenige Momente später in einem der vielen Fahrgeschäfte wieder. Als das Schicksal sie später noch ein drittes Mal zusammenbringt, entsteht aus dem Funken, der sich zu Beginn zwischen ihnen gebildet hat, plötzlich mehr. Doch irgendwas stimmt mit dem jungen Mann Danny nicht. Lange bleibt es für Jessica ein Rätsel, doch irgendwie möchte er keine innigeren Gefühle und Bemühungen zulassen.
Steckt da vielleicht eine andere Frau dahinter? Immerhin ist es schon ungewöhnlich, dass seine Mitbewohnerin immer wieder mit ihm das Bett teilt.

Dem Horizont so nah Trailer

Zu Beginn überwog vor allem die Skepsis, da die Befürchtungen groß waren, einen Film zu erhalten a la Nicholas Sparks, dessen Werke zwar sehr romantisch, aber eben zumeist auch schon schnulzig erscheinen.
Doch weit gefehlt. Auch ohne Kenntnis der Hintergrundgeschichte, zeichnete sich recht schnell eine herzerwärmende und gleichzeitig -zerreißende Geschichte ab, die nicht einfach die Romanze zweier junger Menschen thematisiert, sondern auch tiefgreifender Thematiken wie Verlust, Vergangenheitsbewältigung, Krankheit und Menschlichkeit.
Insgesamt entstehen somit gleich vier wesentliche Handlungsschwerpunkte, die sehr geschickt miteinander verflochten sind und daher weder zu überladen wirken noch zu wenig auserzählt.
Abgesehen davon erwartet den Zuschauer nicht nur eine Tragik-Romanze, sondern auch eine tiefgreifend menschliche Story, mit wirklich starker Musikauswahl. Am besten beschreibt den Inhalt wohl das Prädikat: „aus dem Leben gegriffen“.
Trotz dass der Film im Jahr 1999 spielt, wirkt er frisch, modern und zeitgemäß und hat visuell trotzdem viele Setdetails dieser Zeit enthalten. Zwar gibt es dort auch kleinere Ungenauigkeiten, die fallen aber wohl eher den wenigsten wirklich ins Auge und sind daher weitestgehend vernachlässigt dar.
Auf eher ruhige und sanfte Weise nähert sich das Werk der wesentlichen Problematik, ohne sie gänzlich in den Mittelpunkt des gesamten Films zu stellen.
Während auch Erotik ein wenig Platz in der Story findet, wird etwas Humor und Dramatik ebenso momenthaft eingeflochten. Fast schon schockierend wird eine liebgewonnene Figur zwischenzeitlich aus dem Spiel genommen. Theoretisch würde ich nun schreiben, dass es mutig war sich dies zu trauen, doch sorgt natürlich die wahre Geschichte im Hintergrund dafür, dass der Produktion die Hände gebunden waren und kaum eine andere Wahl blieb.
Ein wenig gefehlt hat die Aufklärungsarbeit, denn es wurde zwar immer wieder die Krankheit HIV Positiv angesprochen, ebenso wie der Unterschied zu AIDS, doch gab es keine weiteren wesentlichen Informationen rund um diese Problematiken. Problemlos wäre es möglich gewesen diesen Unterschied auch auszuführen und beiläufig die Schutzmöglichkeiten anzusprechen. Aber auch dies fällt für die Gesamtbewertung nicht so arg ins Gewicht.
Wichtig zu erwähnen ist noch der hervorragende Cast, der in alle Richtungen wunderbar miteinander harmoniert und absolut überzeugt. Ein wesentlicher Beitrag zum Erfolg geht von den Schauspielern aus. Besonders erwähnen möchte ich dabei das Elternpaar, gespielt von Victoria Mayer und Stephan Kampwirth, die es schafften genau den richtigen Gegenpol zu den Protagonisten zu bilden, um die Handlung und daraus folgende Gefühlsschwankungen stets auszugleichen und vielfältig zu gestalten.
Sehr gefallen hat mir auch das etwas offene und dennoch auch abgeschlossene Ende, welches klar zuerkennen gibt, dass die Geschichte grundlegend beendet ist und dennoch für einige Menschen stehts eine Fortsetzung offenhält.
Nach dem ich nun erfahren habe, dass es weitere Bänder über die spannenden Figuren Danny und Tina gibt, ist die Neugier nun groß, was es noch alles zu erzählen gibt.
Es ist nicht auszuschließen, dass wir dies bei einem Erfolg des Films an den Kinokassen, auch bald erfahren dürfen.
Somit ist dies Werk nicht nur etwas für hoffnungslose Romantiker, sondern auch für mitfühlende Menschen, die einen Anstoß benötigen einmal einen Blick hinter die Fassade zu riskieren. Das Werk zeigt somit in gewisser Form eine Ode an die Menschheit.

Humor: 3/10Action: 0/10Erotik: 4/10
Niveau: 7/10Gefühl: 9/10Musik: 8/10
Spannung: 3/10Gewalt: 0/10Idee: 7/10

Gesamtbewertung: 8/10

Viel Spaß im Kino!

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