Filmkritik: Gemini Man (Kinostart 03.10.19)

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Gesehen: 3D, HFR, deutsch, synchronisiert, Kino

Der chinesische Meisterproduzent Ang Lee, der Filmgeschichte schrieb mit Werken wie BROKEBACK MOUNTAIN, TIGER AND DRAGON und LIFE OF PI – SCHIFFBRUCH MIT TIGER, hat sich nun an einem neuen Herzensprojekt mit GEMINI MAN versucht. Nicht wegen der Geschichte, sondern viel mehr im Versuch die Kinobranche zu revolutionieren. Das Stichwort lautet HFR. Einige Kinokenner wissen genau wovon hier die Rede ist, doch für viele wird diese Abkürzung wohl eher kryptisch sein. Daher liefern wir ein wenig Aufklärung.

HFR – Alte Technik in neuem Gewand

Die Abkürzung steht für Higher Fram Rates und bedeutet in Deutsch soviel wie höhere Bildrate. Was ist eine höhere Bildrate und was bringt sie?

Das menschliche Auge ist sehr träge. Um einen Film zu produzieren, ist es zwingend notwendig 24 Bilder pro Sekunde aneinander zu reihen, um eine flüssige, für uns wahrnehmbare Bewegung auf dem Bildschirm zu erzeugen.
Wegen einer sehr aufwendigen Produktion werden bei manchen Filmen, wie SHAUN DAS SCHAF, deutlich weniger Bilder genutzt, wodurch die Bewegungen etwas abgehackter wirken. Dies ist jedoch auch ein recht charmantes Stilmittel.
Da 24 Bilder pro Sekunde nur die untere Grenze für wahrnehmbare Bewegungen darstellt, diese jedoch in schnellen Szenen deutlich an Schärfe verlieren, gibt es erste Versuche die Framerate (=Bildzahl) zu erhöhen.

Bereits DER HOBBIT – SMAUGS EINÖDE und DER HOBBIT – SCHLACHT DER 5 HEERE haben sich dieser Technik bedient und die Bildzahl verdoppelt, wodurch zwar viel mehr Bewegungsschärfe entstand, durch die Nutzung von CGI jedoch auch der Eindruck eines Theaterstücks auf der Bühne durch die Schauspieler, im Vordergrund einer animierten Umgebung.
Wegen dieser eher mäßigen Erfahrung und mangelnden Kinos, die auf die neue Technik umrüsten konnten (zu hohe Kosten), wurde das Konzept nicht weiterverfolgt.
Ang Lee hat diese Technik nun aus der Mottenkiste geholt und Gemini Man, soweit es geht ohne CGI, mit sogar 120 Frames per second gedreht.
Wiederum handelt es sich um eine Verbesserung, die viele Kinos nicht zeigen können. Bei der damaligen Aufrüstung auf HFR wurden die meisten Lichtspielhäuser mit Projektoren ausgestattet, die bis zu 60 Bilder pro Sekunde wiedergeben können. Nur eine Handvoll Kinos auf der Welt können daher den Film in der richtigen Spielgeschwindigkeit zeigen.

Jetzt haben wir so viel von irgendwelchen Projektionstechniken gequatscht, nun wollen wir natürlich auch mal klar machen, welche Auswirkungen dies nun auf den Film hat und worum es in Gemini Man überhaupt geht!

Will Smith in doppelter Mission

Der 51-jährige Henry Brogan (Will Smith) ist von Beruf Auftragskiller. Mit mehr als 70 bestätigten Tötungen als Scharfschütze, zählt er zu den Besten seines Fachgebiets. Als er jedoch kurz vor seinem Ruhestand steht, erfährt er von einem Freund wichtige Neuigkeiten, die Henry zu einer gefährlichen Bedrohung für seine Vorgesetzten macht. Diese fassen den Entschluss das Problem Brogan einfach, durch eine gezielte Tötung, auszuschalten.
Doch trotz seines Alters ist Henry immer noch fit und riecht den Hinterhalt, den er erfolgreich abwehren kann. Doch schon bahnt sich ein neues Problem an, denn überraschenderweise muss er feststellen, dass er von einem Auftragskiller gejagt wird, der genau so aussieht wie er selbst. Oder war das nur Einbildung?

Trailer Gemini Man

Kurz und bündig gesagt: Hui, ui, ui … Will Smith befindet sich momentan im freien Fall was die Entwicklung seiner Karriere angeht. Schon mit SUICIDE SQUAD und AFTER EARTH stellte er sich nicht mehr ins Glanzlicht der famosen Kritiken.
In Gemini Man spielt er sogar eine Doppelrolle, wobei der Klon des Protagonisten nur körperlich von ihm gemimt wird. Das Gesicht ist vollständig animiert und entspricht somit nicht der Realität. Dennoch wirft die „Leistung“ vor allem ein schlechtes Licht auf Will Smith, da mimische Bewegungen eine absolute Seltenheit sind.
Doch steht er nicht mit der ernüchternden Schauspielarbeit allein da. Auch seine Kollegen haben es kein bisschen besser gemacht. Recht sympathisch wirkte zumindest noch Mary Elizabeth Winstead, die eine Spionin spielt.
Auch sonst hat der Film eigentlich nichts zu bieten. Die Actionszenen sind zumeist lahm und ausgelutscht und liefern keine Überraschungen. Die Handlung ist langweilig und wird dazu noch viel zu ruhig erzählt. Zwar ist ein netter Twist enthalten, dieser reißt jedoch letztlich nichts mehr raus. Die Dialoge sind die größte Katastrophe, denn sie könnten kaum mehr vor Inhaltslosigkeit strotzen.
Ein wenig Humor ist eingearbeitet, ist jedoch zumeist sehr flach und witzlos. In Hinblick auf die Handlung also ein absolut schlechter Film, den es sich nicht lohnt anzugucken, was erstaunlich ist angesichts der sonstigen Produktionen von Ang Lee.
Viel wesentlicher und ausschlaggebender ist jedoch die verwendete HFR Technik wie eingehend erwähnt.
Viele Bilder erzeugen bei leichten Bewegungen einen Rot-Grün-Schimmer an den Konturen, der ziemlich störend ist, zum Ende hin jedoch immer weniger auffällt. Die höhere Framerate erzeugt zudem ein deutlich schärferes Bild, nicht nur in schnellen Actionszenen. Teilweise kommt das Gefühl auf direkt neben dem Geschehen zu sitzen. Es gibt Aufnahmen aus der Egoperspektive, die einen extremen Realismus ausstrahlen und auch viele Actionszenen vermitteln das Gefühl direkt dabei zu sein. Leider jedoch wirken dadurch nicht alle Szenen so imposant, da es einfach aussieht, als ob ein Stuntman gerade seine Stunts übt. Dies ist jedoch nur eine Gewöhnungssache und vermutlich wird mit kommenden Filmen das Gefühl für solche Momente deutlich besser werden.
Klar erkennbar ist auf jeden Fall, dass Ang Lee einmal zeigen wollte, was die Technik wirklich kann, weshalb eine Szene im Supermarkt besonders ins Auge sticht. Bei einer Schießerei werden dort diverse Produkte zerschossen und gesprengt, die dann in beeindruckender Schärfe durch den Raum fliegen und man sinnbildlich jedes einzelne Mehlkorn und jeden Wassertropfen verfolgen kann.
Einzig und allein die Bildtechnik sorgt somit dafür, dass der Film keine absolute Katastrophe ist und sogar ansatzweise eine Empfehlung wert ist. Somit entspricht die folgende Gesamtbewertung einzig und allein der Qualität des Films ungeachtet der Nutzung der HFR-Technik.

Humor: 0/10Action: 2/10Erotik: 0/10
Niveau: 2/10Gefühl: 0/10Musik: 2/10
Spannung: 1/10Gewalt: 1/10Idee: 3/10

Gesamtbewertung: 2/10

Viel Spaß im Kino!

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