Filmkritik: Joker (Kinostart: 10.10.19)

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Gesehen: 2D, OV, englisch, Kino

Nachdem der berühmte Held von Gotham, Batman, in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiert, ist es nicht er der im Mittelpunkt der Comicliebhaber steht, sondern sein größter Gegenspieler, der JOKER. Auf seinem Weg, weg von albernen Komödien wie der HANGOVER Trilogie und STICHTAG zu nachhaltig ernsthaften Problemfilmen mit einer ordentlichen Portion Anspruch wie zuletzt WAR DOGS, hat sich Regisseur Todd Phillips nun die psychische Labilität einer der größten Antagonisten der Kinoleinwand vorgenommen.

When I was a boy and told everybody to become a comedian, everybody was loughing on me. And now… nobody is loughing anymore.

Auch der Joker hat bereits einige Jahre auf dem Buckel, denn nur ein Jahr nach der ersten Erwähnung von Batman, wurde dieser als Gegenspieler des gerechtigkeitsliebenden Milliardärs vorgestellt.
Die Figur basiert auf Gwynplaine, einem Charakter aus THE MAN WHO LAUGHS von 1928 und wurde von Jerry Robinson kreiert. Seitdem von unzähligen Schauspielern verkörpert, entwickelte sich der Charakter dieser Figur stetig weiter. Anfangs noch als klassischer Bösewicht dargestellt, wird er im Laufe der Geschichte immer mehr zu einer psychisch kranken und schizophrenen Figur, die ihren absoluten Höhepunkt in der Verkörperung von Heath Ledger in THE DARK KNIGHT findet, in der er als vollkommen Gestörter Einzelgänger nicht nur Gotham und Batman bekämpft sondern es sogar mit der örtlichen Mafia aufnimmt und spielend leicht Schrecken und Terror verbreitet.
Mit dieser Verfilmung in Kombination mit dem tragischen Tod des Schauspielers im gleichen Jahr und der darauffolgenden postumen Auszeichnung mit einem Oscar als Bester Nebendarsteller, wurde die Figur endgültig zu einer Ikone der Filmgeschichte.
Zumeist ist jedoch die Ursprungsgeschichte kaum bekannt und tatsächlich gibt es auch recht unterschiedliche Interpretationen seiner Vergangenheit.

Ein Joker stellt sich vor

In der aktuellen Joker-Verfilmung geht es um Arthur Fleck (Joaquin Phoenix), einen psychisch labilen und erfolglosen Mann, der sich täglich mit viel Hingebung um seine Mutter kümmert und gleichzeitig versuchen muss an etwas Geld zu kommen. Dafür tritt er immer wieder als Partyclown auf, mit dem Traum einmal Stand-up-Comedian zu werden. Sein großes Vorbild ist Murray Franklin (Robert De Niro), der mit seiner eigenen TV-Show die Menschen begeistert. Leider jedoch beginnt er immer an unpassenden Stellen an laut los zu lachen, was es schwer macht vor einem Publikum aufzutreten.
Er befindet sich in einem starken Abwärtsstrudel, aus dem es schier unmöglich ist wieder herauszukommen: Seine Sozialarbeiterin kann sich nicht mehr um ihn kümmern, er wird überfallen und verliert daraufhin seinen Job, er wird zum Gespött der Menschen und er verliert seine Medikation weshalb auch zunehmend sein Verstand leidet.
Wie soll er es schaffen diesem Abwärtstrend zu entkommen?

https://www.youtube.com/watch?v=A_EfIIde4Mg
Trailer JOKER

Nach vergangen Superheldenwellen wie zuletzt dem Marvel Cinematic Universe und der neuen DC-Reihe, in denen sich bekannte Figuren der Marvel und DC Comics durch eine Vielzahl von Gegnern kämpfen müssen, um den Planeten und sich selbst zu retten, erwartet den Zuschauer mit JOKER eine eher untypische Genreverfilmung.

I hope my death makes more sense than my life.

Joaquin Phoenix in seiner Paraderolle

Langsam und gemächlich wird Joaquin Phoenix als Mensch der untersten Bewohnerklasse Gotham Citys vorgestellt. Während sich die Stadt im Umbruch befindet, wird in kleinen Schritten eine verzweifelte Figur vorgestellt, wie sie wohl in jeder Großstadt existiert. Nicht nur das Leben der Figur, sondern auch die gesamte Stadt, in der er lebt, wirkt trist und heruntergekommen. An allen Ecken prangen Graffitis, sind die Häuser heruntergekommen und verkommen und die Lebenssituation vieler Menschen schmiegt sich an das Existenzminimum.
Diese unangenehme Welt wird detailreich inszeniert, in dessen Mittelpunkt eine schier unendliche Treppe steht, die der Protagonist stets mühsam hinauf klettern muss. Kaum besser und nachvollziehbarer hätte der Verfall dieses Charakters aufgezeigt werden können, als hier geschehen. Abseits der vielen Heldenfilme, steht hier eine Charakteranalyse im Fokus der Handlung, die eher einer melodramatischen Biographie gleicht.
Es dauert dabei lange, bis der Film richtig in Fahrt kommt und auf einen Höhepunkt zuläuft. Immer wieder werden kleine dramatische Spitzen eingebaut, die zur Charakterentwicklung entscheidend beitragen. Zeitweise kommt der Gedanke auf: Ja, ich habe begriffen, dass dieser Mann vom Leben gebeutelt wurde, aber wie entsteht daraus dieses psychisch kranke Genie?

Comedy is subjective!

Dennoch wird der Film nie langweilig. Vor allem, aber nicht ausschließlich, wegen eines überragenden Joaquin Phoenix, der stets glaubhaft rüberkommt. Dieser steht im Fokus einer jeden Szene und nimmt eine spannende Entwicklung. Extra für den Film hat er über 20 Kilogramm Gewicht verloren, um eine abgemagerte und ausgemergelte Figur darstellen zu können. Nicht nur optisch entwickelt er sich dabei stark in Richtung des wohl besten Jokers aller Zeiten: Heath Ledger.
Als weitere große Persönlichkeit tritt Robert De Niro ins Rampenlicht, bleibt jedoch eine unbedeutende Nebenfigur, in der er seine Rolle zwar gut verkörpert, diese jedoch keine extravaganten Besonderheiten hergibt. Abgesehen davon trägt seine Figur zur wesentlichen Prägung der charakterlichen Sonderheiten des Protagonisten jedoch maßgeblich bei. Ebenso wie die deutsche Schauspielhoffnung Zazie Beetz, die nur kurz in Erscheinung tritt und somit nur bedingt wichtig für den Film, für die Handlung jedoch sehr bedeutend, ist.
Die Handlung selbst ist nur bedingt spektakulär und schafft es trotzdem viele Menschen zu verstören. Das ist wohl darin zu begründen, dass stets die Spannung hochgehalten wird und immer wieder menschliche Ausbrüche entstehen, mit denen nicht unbedingt zu rechnen ist. Leider jedoch wird mit dem Überraschungsmoment etwas zu zaghaft gespielt. Vor allem der große finale Twist ist schon früh absehbar.

Der Joker einmal abseits des großen Rivalen

Die enge Verknüpfung mit der bekannten Batman-Geschichte macht den wesentlichen Reiz des Werks aus, da immer wieder Figuren auftauchen, die bereits in anderen Werken eine wesentliche Rolle spielten. Dennoch gibt es auch viele überraschende Informationen, die sehr unerwartet kommen und vor allem den nicht Comic-Lesern wohl kaum bekannt sein dürften. Einige der Figuren werden sogar einmal in ein anderes, als das bisher bekannte, Licht gerückt und bekommen daher eine völlig neue Ausstrahlung.
Zumeist wurde mit sehr simplen Mitteln gearbeitet, die jedoch vollkommen ausreichen. Die Musik wirkt wie eine Fortführung der großartigen Arbeit von Hans Zimmer, unterscheidet sich jedoch vor allem durch den nicht vorhandenen Einsatz von Violinen, dafür aber einem größeren Fokus aufs Cello. Mit vielen tiefen Klängen wird eine düsternde Stimmung erzeugt.
Zumeist eher Dialogarm, werden viele wesentliche Sätze von den Schauspielern beim sprechen einfach verschluckt und somit etwas unverständlich genuschelt. Da jedoch zumeist die Bilder für sich sprechen, sind die Dialoge als eher zweitrangig zu betrachten.

Viel Inhalt, wenig Story

Insgesamt ein wirklich geniales Meisterwerk, dass die Comicwelt auf den Kopf stellt und dramaturgisch anspruchsvoll eine mächtige Figur aufbaut. Es gibt jedoch leider einige unnötige Längen, die etwas kürzer hätten gefasst werden können und damit vor allem alle Actionliebhaber abschrecken werden. Selten jedoch ist die Vernetzung eines Biopic mit solch brutalen Handlungen, die punktuell in die Story eingestreut sind, so gut gelungen wie hier und lässt den Zuschauer so stark mit dem Protagonisten mitleiden.

Humor: 2/10Action: 4/10Erotik: 1/10
Niveau: 6/10Gefühl: 4/10Musik: 8/10
Spannung: 6/10Gewalt: 6/10Idee: 8/10

Gesamtbewertung: 9/10

Viel Spaß im Kino!

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