Filmkritik: Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer (Kinostart: 30.05.19)

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Originaltitel: Missing Link
Gesehen: 2D, synchronisiert, deutsch, Kino 

2012 machte ein sehr kleines Filmstudio mit einem toll animierten Film auf sich aufmerksam: Laika Entertainment produzierte „ParaNorman“, der eine Oscarnominierung als besten Animationsfilm erhielt. Von da an ging die Erfolgskurve steil bergauf. Bereits vier Jahre später kam das amerikanische Animationsabenteuer „Kubo-Der tapfere Samurai“ in die Kinos und begeisterte die Kritiker. Viele Auszeichnungen und Nominierungen, unter anderem auch für den Oscar als bester Animationsfilm und für die besten visuellen Effekte, waren ihr Preis. Trotz Animationsfilmen handelt es sich in der Regel nicht um klassisch für Kinder produzierte Streifen sondern eher um etwas anspruchsvolleren Stoff mit einer hintergründigeren Arbeit und viel Detailverliebtheit, die wohl eher die Erwachsenen anspricht. Das Besondere dabei ist, dass alle Filme in der Stop-Motion-Technik gedreht sind. Das heißt es werden Szenenbilder gebaut (häufig mit Knetmasse), die einzeln fotografiert werden. In jedem neuen Bild wird eine Kleinigkeit geändert und die Bilder anschließend aneinandergereiht. Dadurch entsteht der Eindruck einer Bewegung. Dies ist eine sehr komplexe Arbeit, da insbesondere bei Figuren unzählige Gesichtsausdrücke modelliert werden müssen sowie Körperbewegungen, um den Eindruck einer recht realitätsnahen Bewegung zu erzeugen. Diese Technik erfreut sich bei Kritikern großer Beliebtheit wegen der aufwendigen Arbeit, die dahintersteckt und die aus dem Medium Film wieder ein Kunst- und Handwerk machen.

Der vornehme und äußerst sympathische Sir Lionel Frost (gesprochen von Christoph Maria Herbst, im Original von Hugh Jackman), der zusammen mit seinem Diener die Welt umreist, hat nur ein großes Ziel im Leben: ein mystisches Wesen zu finden und diesen Fund seinen hochnäsigen High Society Kollegen zu belegen, um endlich von ihnen als Erforscher und Abenteurer anerkannt zu werden. Auf seiner ersten Reise versucht er ein bekanntest Seemonster zu fotografieren und fährt dazu weit hinaus auf einen See. So wie es sich für einen edlen Adelsmann gehört, muss natürlich sein Diener die ganze Arbeit machen. Als plötzlich tatsächlich das Monster auftaucht, geschehen so allerlei Probleme, die dem Diener fast das Leben kosten und noch viel schlimmer: Sir Frost schießt zwar ein Foto mit dem Getier, doch wird kurz darauf der Apparat zerstört, womit ihm wieder ein Beweismittel entglitten ist. Mit leeren Händen kehrt er also in die Heimat zurück, wo auch sein Diener resigniert und seine Arbeit hinschmeißt, um nicht tatsächlich irgendwann als Futter für eines der Monster zu enden. Da er wieder einmal ohne jeglichen Nachweis für die Existenz unbekannter Lebensformen zurückkehrt sinkt sein Ansehen in der Adelsgesellschaft weiter, was sehr an seinem Ego und Stolz kratzt. Doch gibt er nicht auf, er will unbedingt ein Teil dieser anerkannten Abenteurer-Elite werden und geht mit dem Vorsitzenden eine Wette ein. Daraufhin reist er in den tiefen Nordwesten der USA, um das Sagenumwobene Geschöpf Mister Link (gesprochen von Bastian Pastewka, im Original Zach Galifianakis) zu finden.
Wird er es schaffen und welche Gefahren lauern auf ihn?

Schon „Kubo-Der tapfere Samurai“ war ein herausragender Stop-Motion-Film mit tiefer Moral, einer angenehmen neuen Geschichte und kreativen Ideen. Die Erwartungen sind somit nicht weniger gewesen für die neuste Produktion des Filmstudios und schon in den ersten Szenen zeigt sich, dass diese begründet sind. Mit viel Liebe zum Detail wurde eine sehr überzeugende und charismatisch, elegante Abenteurerfigur entwickelt. Trotz aufwendiger Arbeit wurden Gestik, Mimik und Körperhaltung nahezu in perfekter Art geformt. Vom ersten Moment an existiert eine enorme Sympathie zum Protagonisten und ganz abgesehen von den sehr prominenten Originalstimmen, hat Christoph Maria Herbst den britischen Adelsmann eine einzigartige Aussagekraft verliehen. Insbesondere der vornehme und überfreundliche Charakter der englischen Höflichkeit wird famos dargestellt und es entsteht eine gewisse mentale Verbindung zu Holmes und Watson, die im Duo auch diverse Abenteuer angehen und große Rätsel mit einer gewissen Leichtigkeit und Eleganz lösen. Generell kommen viele Assoziationen zu anderen Filmen auf. So erinnern manche Szenen an den reichen, lebhaften und verwöhnten Tony Stark aus „Iron Man“ und die bevorstehende Reise weist viele Parallelen zu „In 80 Tagen um die Welt“ auf.
Anfangs sind die übertrieben geometrischen Formen, insbesondere der Gesichter, ein wenig störend und es kommt die Frage auf, warum diese nicht ein wenig vermenschlicht wurden, doch da es sich sowieso um eine fiktive Geschichte handelt und man sich schnell daran gewöhnt, ist dies schon verträglich.
Eine einfallsreiche Geschichte wurde immer wieder mit leicht humoristischen Szenen gespickt, die durchaus ein Lächeln und einen kleinen Lacher hervorrufen können, insbesondere wenn Susan mangels umfassender Sprachkenntnisse jegliche Redewendungen und Sprachfloskeln wörtlich nimmt.
Nicht umsonst hat es die Produktion geschafft sehr namenhafte und hochkarätige Schauspieler anzulocken, die die Figuren verkörpern. So haben Zoe Saldana, Hugh Jackman, Emma Thompson und Zach Galifianakis wesentlich zur Charakterformung der einzelnen Lebewesen beigetragen und Collien Ulmen-Fernandes, Christoph Maria Herbst und Bastian Pastewka dafür gesorgt, dass auch in der deutschen Fassung kein bisschen des Witzes verloren geht und der Film an Charme verliert.
Die Musik zum Film umfasst so viele Songs wie kaum ein anderer Film dieser Spiellänge. Mit über 30 Titeln hat Carter Burwell eine hervorragende Untermalung der einzelnen Szenen komponiert. Und wenn wir schon bei Zahlen sind: Die Setdesigner von Laika haben insgesamt über 110 Filmsets für 65 einzelne Orte gebaut! Sehr beeindruckend!

Anzumerken ist jedoch, dass es sich hierbei nur bedingt um einen Kinderfilm handelt. Die Geschichte und Machart ist natürlich schon auf diese Zielgruppe ausgerichtet, doch zeigen die Dialoge und Anspielungen häufig, dass auch das Erwachsenenpublikum nicht vernachlässigt werden sollte. Kinder werden wohl nicht die aufwendige Arbeit hinter dem Film wahrnehmen können und langweilen sich zeitweise vielleicht sogar. Dennoch lohnt es sich für alle Liebhaber solcher Filme auf alle Fälle ins Kino zu gehen und unsere Redaktion ist schon jetzt gespannt auf das nächste Projekt der Laika Entertainment Studios.

Humor: 7/10Action: 1/10Erotik: 1/10
Niveau: 7/10Gefühl: 5/10Musik: 6/10
Spannung: 2/10Gewalt: 1/10Idee: 9/10

Gesamtbewertung: 9/10

Viel Spaß im Kino!

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