Filmkritik: Zu jeder Zeit (Kinostart: 02.05.19)

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Gesehen: 2D, OmU, französisch, Kino

Da ich mich wieder einmal nicht informiert habe, was der zentrale Handlungsschwerpunkt dieses Films ist, bin ich in Erwartung eines völlig anderen Werks hineingegangen. Der Titel weckte den Eindruck einer Romanze oder eines Dramas. Um so überraschender war es, als ich auf einmal in einem, in drei Akten präsentierten, Dokumentarfilms mich wiederfand.

Der neue Film von Nicolas Philibert beschäftigt sich mit der Ausbildung von Pflegekräften in Frankreich. In drei verschiedenen Teilen wird der Weg mehrerer Auszubildender begleitet und sowohl die Höhen als auch Tiefen dieses Berufes beleuchtet. Im ersten Akt wird die Zeit im theoretischen Unterricht beleuchtet. Sowohl Schulstunden, in denen medizinische und auch rechtliche Aspekte geklärt werden, als auch erste praktische Übungen an Puppen und Mitschülern spielen eine wesentliche Rolle. Der zweite Akt vermittelt die Arbeit direkt am Patienten. Die Schüler müssen in einem Praktikum erste Erfahrungen als Pfleger sammeln und sowohl die guten Erfahrungen sammeln als auch den Umgang mit Schmerz und Tod lernen. Zu guter Letzt hat Philibert den Praktikumsbericht aufgenommen, in dem die angehenden Pfleger über ihre Erlebnisse und die dabei entstandenen Empfindungen erzählen.

Bei dieser Produktion handelt es sich eher um einen Spartenfilm, denn interessieren dürfte er wohl vor allem Menschen, die sich diesem Berufszweig gewidmet haben. Dadurch das fast die gesamte Arbeit von Nicolas Philibert ausgeführt wurde, war er immer nah dran am Geschehen und hat mir jeglicher Leidenschaft versucht die Besonderheiten des Berufs herauszustellen. Sowohl Regie, Kamera als auch Schnitt lagen in seiner Hand. Diese Nähe zum gezeigten sorgte auch dafür, dass es dem Zuschauer ermöglicht wurde sich sowohl in die Pfleger als auch in die Patienten hinein zu versetzen und sich näher mit den gängigen Praktiken des Berufs zu beschäftigen.
Als Laie würde ich behaupten, dass mit diesem Film angehenden Pflegern die Ängste und Sorgen genommen werden, da durch viele indirekte Interviews auch die Gefühle und Eindrücke der Auszubildenden klar gemacht werden und nicht nur eine Berufsverherrlichende Ansicht präsentiert wird, sondern auch die negativen Auswirkungen auf die Menschen.
Der Film kommt komplett ohne jegliche Musik aus, bis auf den Abspann. Philibert sagt dazu: „Ich sah keinen Grund darin, welche einzusetzen. Der Soundtrack ist mit Absicht unordentlich. Er besteht fast ausschließlich aus Geräuschen, der Körnung der Stimmen. Nicht der kleinste Effekt, keine Künstlichkeit. Formal gesehen ist es ein sehr einfacher Film, ohne Rüschen. Ich wollte, dass wir so nah am Gesagten bleiben wie möglich.“*

Insgesamt handelt es sich meiner Ansicht nach, um eine recht solide Produktion, die sich auch Berufsinteressierte durchaus einmal ansehen sollten, um erste Eindrücke zu erlangen und entscheiden zu können ob sie sich tatsächlich der Pflege widmen wollen.

Humor: 2/10Action: 0/10Erotik: 0/10
Niveau: 6/10Gefühl: 0/10Musik: 0/10
Spannung: 0/10Gewalt: 0/10Idee: 6/10

Gesamtbewertung: 6/10

Viel Spaß im Kino!

*Quelle: Presseheft zu „Zu jeder Zeit“; Interview mit Nicolas Philibert

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