Filmkritik: Blinded by the light (Kinostart: 22.08.19)

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Gesehen: 2D, synchronisiert, deutsch, Kino

BLINDED BY THE LIGHT ist ein Song vom “Rockgott” persönlich. Der in wenigen Wochen 70 jährige Bruce Springsteen, hat mit seiner Musik eine ganze Generation geprägt. Auf seinem ersten Album aus dem Jahr 1973 „Greetings from Asbury Park, N.J.“ ist dies der Titelsong, der mit einer Länge von 05:06 Minuten das Werk eröffnet. 2003 wurde dieses von der Musikzeitschrift Rolling Stone auf Platz 379 der 500 besten Alben aller Zeiten gewählt.
Vielen ist noch heute dieser Song eine Melodie im Ohr, doch weniger von Springsteen selbst, da diese Version kommerziell keinen Erfolg erreichte. Viel eher hat Manfred Mann’s Earth Band den Song in etwas poppigerer Art geprägt, wenn auch mit einigen Abänderungen des Textes.
Im Film wird recht viel Wert auf die Aussagekraft der Songs von Springsteen gelegt (später mehr dazu), was zu einer leichten Ironie hinsichtlich des Titels führt, da in BLINDED BY THE LIGHT eigentlich nur die erste Zeile richtig Sinn ergibt und alle anderen Themen darin eher willkürlich aneinandergereiht wurden, denn eigentlich kam er auf die Idee nur, weil er nach geeigneten Worten in einem Reimlexikon suchte.
Aber handelt es sich bei diesem Film um ein Musical, einen Musikfilm oder eine Biographie Springsteens?

Sohn, schreibe deine Geschichten. Aber vergiss unsere nicht.

Tatsächlich eigentlich weder noch. Es wird eine Geschichte erzählt, die auf den Memoiren des Journalisten und Schriftstellers Sarfraz Manzoor beruht. Manzoor wirkte auch beim Drehbuch mit, womit der Wahrheitgeshalt der Geschichte recht hoch sein dürfte.
Im Film heißt er Javed, verkörpert von Viveik Kalra. Javed ist ein typischer Teenager wie jeder Andere auch, in einer nicht ganz so typischen Familie, denn er ist Pakistani und sein Vater ist in früheren Zeiten mit Sack und Pack nach Großbritannien ausgewandert. Hart arbeitet die Familie, um das Geld zusammen zu halten, doch das ist gar nicht so einfach angesichts der enormen Kosten, die ein ruhiges Landleben im kleinen Örtchen Luton mit sich bringt.
Als dann noch Vater Malik (Kalvinder Ghir) seinen Job verliert, sieht es plötzlich recht düster um die Zukunft der Familie aus. Doch Javed, der immer nach den Regeln der Familie lebt und nie so recht frei sein konnte, um sich selbst zu verwirklichen, kommt durch Zufall in den Genuss der Musik von Bruce Springsteen. Vom ersten Ton an packen ihn die Texte und vermitteln ihm einen Ausweg, eine neue Lebensphilosophie. Doch ist tatsächlich alles so leicht wie Springsteen es vermittelt?

Ich will nicht dein Sohn sein, ich will mehr als das sein.

Zu Beginn noch mit sehr hohen Erwartungen, nach grandiosen Musikfilmen im aktuellen Jahr wie ROCKETMAN, BOHEMIAN RHAPSODY und YESTERDAY, lassen diese jedoch bei Zeiten nach. Es dauert recht lange zu begreifen, dass es sich hier nicht um einen Musikfilm handelt, sondern lediglich die Springsteen Songs immer wieder eingespielt werden und ihren Platz finden, weil der Protagonist großer Fan der Musik ist. Bis fast ganz zum Schluss ist nicht ganz klar, was der Film also eigentlich erzählen möchte. Etwas Vergleichbare ist dieses Werk mit YESTERDAY, in dem es nur sekundär um die Musik geht und primär um die Liebesgeschichte rund um den Protagonisten.
Dieser Aufbau ist hier ähnlich, doch was die beiden Filme arg unterscheidet ist, dass bei YESTERDAY eine wirklich schöne, einfühlsame Geschichte erzählt wird, die durch die einmalige Musik der Beatles unterstützt wird. Hier jedoch hat die Story keine Hand und Fuß und erzählt irgendeine Lebensgeschichte, die absolut uninteressant ist. Oder möchtet ihr gerne wissen, wie ein vollkommen willkürlicher Mensch seine Leidenschaft für Springsteen entdeckt und daraufhin eine Schriftsteller-Karriere beginnt. Dieser Mensch hat nichts Außergewöhnliches erlebt oder geleistet (jedenfalls nach Inhalt des Films) und dementsprechend bietet das Werk zu keinem Zeitpunkt einen Ansatz, der wirklich interessant wirken könnte.

Alles was in England schlecht ist, ist in Amerika noch schlechter. – Nein, Dad, alles was in Großbritannien gut ist, ist in den USA noch besser.

Das einzige, was davon abhält den Saal vorzeitig zu verlassen, ist die ausreichende Abdeckung an Springsteen-Songs, die über den gesamten Film verteilt sind. Diese bringen immer wieder Stimmung und lassen die Hoffnung bestehen auf eine eventuell entstehende spannende Geschichte. Die schlussendlich ausbleibt.
Stilistisch bietet das Werk ebenfalls nicht viel. Erwähnenswert sind die Split-Bilder zu Beginn, die eine Einführung in die englische Geschichte und die Zeit der 80er Jahre liefern, in der auch die Handlung spielt. Ansonsten werden bei wesentlichen und aussagekräftigen Songtiteln die Lyrics visuell in die Handlung eingebunden (zum Beispiel durchlaufend auf Häuserwänden), was ganz sympathisch wirkt.
Es wird häufig mit Nah- und Gesichtsaufnahmen gearbeitet, die jedoch keine tiefgreifendere Bewandtnis zu haben scheinen.
Auch die Schauspieler konnten den Film nicht retten, denn die Leistung jeder Einzelnen, was nicht sonderlich stark. Die Stimmlage und Betonung jedes Satzes war exakt gleich und lies den Zuschauer fast schon einschlafen. Dazu muss jedoch speziell erwähnt werden, dass ich die Synchronfassung gesehen habe und daher nicht bewerten kann, ob dieses Problem durch das Synchrondrehbuch entstand oder bereits im Originalton auftritt.
Doch auch sonst wirkte die schauspielerische Arbeit sehr ausdruckslos und uninspiriert.
Genau wie bei allem anderen, lässt auch das Drehbuch deutlich Federn, da teilweise ganze Figuren vergessen werden, die zeitweise sogar eine Hauptrolle hätten darstellen können.
Somit bleibt insgesamt ein recht unansehnlicher Film, der einzig noch ein wenig durch die großartige Musik lebt, die Springsteen einst komponierte. Ansonsten ein absolut überflüssiges Produkt englischer Handwerksarbeit.

Humor: 3/10Action: 0/10Erotik: 0/10
Niveau: 4/10Gefühl: 4/10Musik: 9/10
Spannung: 0/10Gewalt: 0/10Idee: 2/10

Gesamtbewertung: 3/10

Viel Spaß im Kino!

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