Filmkritik: Der König der Löwen (Kinostart: 17.07.19)

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Originaltitel: The Lion King
Gesehen: 2D, OV, englisch, Kino

Im Jahr 1994 erschien einer der größten Disneyfilme aller Zeiten in den Kinos. Der 32. abendfüllende Zeichentrickfilm von den Walt Disney-Studios befindet sich mit Gesamteinnahmen von etwa 968,5 Millionen US-Dollar noch heute auf dem 42. Platz der weltweit erfolgreichsten Filme aller Zeiten und ist der erfolgreichste klassische Zeichentrickfilm, den es je gab. Dabei war damit eigentlich überhaupt nicht zu rechnen. In der Produktionsfirma wollten alle viel lieber den gleichzeitig entstehenden Film „Pocahontas“ zum Erfolg führen, da in der reinen Tierproduktion, von denen es ohne menschliche Einflüsse nur zwei aus dem Hause Disney gibt, keine Chance für ein großes internationales Interesse gesehen wurde. Erst mit Veröffentlichung des ersten Trailers wurde den Produzenten das ungefähre Potential, des in Afrika spielenden Kinderfilms, klar.
Bereits 1989 kam die erste Idee zu dem Film auf, denn man wollte einen Film in Afrika spielen lassen. Problem daran war jedoch, dass niemand sich so richtig mit dieser Materie auskannte, weshalb der Arbeitstitel anfangs auch noch „King of the Jungle“ lautete. Erst später kam die Erkenntnis, dass Löwen dort überhaupt nicht leben. Um sich ein besseres Bild zu machen, reisten einige der Mitglieder des Produktionsteams für zwei Wochen nach Kenia und mit den gewonnenen Eindrücken und mitgebrachten Bildern, war es nun endlich möglich den Schaffensprozess voran zu treiben. Die ursprüngliche Story war zu großen Teilen eine gänzlich andere, als wir sie heute kennen. Es gab einige weitere Figuren, die gestrichen wurden, sowie einen ganz anderen Plot. Dabei entwickelte sich auch der Mut eine nicht böse Hauptfigur einfach sterben zu lassen und aus der Geschichte größtenteils heraus zu schreiben. Dies geschah in den Disney Studios erstmalig und wurde auch kein weiteres Mal in dieser Form aufgegriffen. Auch sollte die Geschichte ursprünglich noch deutlich realistischer aufgebaut sein, woran man jedoch zu Gunsten der kreativen Handlung abließ.

Die grundlegende Story ist wohl jedem bekannt. Simba ist das Löwenkind von Sarabi und Mufasa, dem König der Löwen und der Tiere. Scar, der eigentlich Erstgeborene und damit rechtmäßige König, will die Schmach, die er durch die Geburt von Simba und der daraus folgenden Erbschaft des Königstitels, nicht länger hinnehmen und schmiedet zusammen mit den Hyänen einen gemeinen Plan, den den Sturz Mufasas und seines Sohnes beinhaltet. Als dieser nahezu komplett aufgeht, nimmt Scar die Königsrolle ein und missbraucht seine blinde Machtgier, die zur beinahen Ausrottung des Löwenrudels und aller anderen Tiere führt. Wie soll also das Gleichgewicht der Natur wiederhergestellt werden?

Die Erwartungen an die Reproduktion eines Meisterwerks sind natürlich sehr geteilter Meinung. Selbstverständlich hoffen viele Fans die Gefühle, Emotionen und Begeisterung wieder zu finden, die sie bereits vor 25 Jahren in diesem Film sahen, doch auch die Kritiker finden sich überall wieder, die sagen, dass der Film diese Qualität  unmöglich erreichen kann und sich in die Reihe der verhunzten Realverfilmungen eingliedern wird.
Dieser großen Herausforderung widmete sich Jon Favreau, einen von mir persönlich sehr geschätzten Regisseur und Schauspieler, der sein ganzes Herzblut in seine Arbeiten steckt.
Einführend wird erst einmal dem Zuschauer eine neue Art des berühmten Disney-Schlosses präsentiert. Nur wenige Sekunden später beginnt die Faszination, denn Meistermacher Favreau hat es geschafft die überragenden Faszinationen fast schon 1:1 in das Realbild zu übertragen. Dabei wurde jedoch aus der vielen farbenprächtigen Magie und den , in der Musicalartigen Szenen, genutzten Effekten, eine tatsächliche etwas düstere Realverfilmung, die ihrem Namen alle Ehre macht. Jegliche Tiere verkörpern zwar die gleichen Rollen, wurden exakt genauso eingebunden, üben nahezu perfekt die gleichen Bewegungen aus und sprechen die gleichen Texte, doch wurden die Figuren tatsächlich wieder in Tiere verwandelt, die ihren natürlichen Instinkten nachgehen, kaum mimische Regungen zeigen und sich immer wieder auch während Dialogen putzen. Abgesehen von der Sprache und verschiedenen Interaktionen mit anderen Tieren, wäre sogar annehmbar, dass es sich um eine Tierdokumentation handelt.
Ausgestattet mit traumhaft schönen Panoramabildern und der gleichen epischen Musik von damals, hat Favreau einen Genuss für die Sinne auf die Leinwand gebracht, in dem versucht wurde jede Szene des Originals in exakter Kopie zu übernehmen. Wo es nicht möglich war, mangels unrealistischen Grundmaterials, wurden stützende Neuerungen eingebaut, die versuchten den Charakter der Szene aufzugreifen und in etwas anderer Form wiederzugeben. Selten wurden auch ein paar neue Dialogpassagen eingeführt, die jedoch wunderbar passten.
Im Handlungsverlauf wurde ansonsten nur ein neuer Song eingeführt, der jedoch absolut belanglos ist. Er trägt keine wirkliche Aussage, erzählt keine Handlung und passt sich in den Film ein ohne wesentlich aufzufallen. Leider jedoch wurden dadurch musikalische Klänge entfernt, die an dessen Stelle sonst zu hören waren und die Stimmung deutlich stärker gesteuert haben. Diese Szene muss also ausdrücklich kritisiert werden.
Visuell hat diese Produktion sehr viel zu bieten Starke Kamerapositionen und -führungen bringen sehr viel Realismus in den Film. Dabei wird häufig mit scharfen und unscharfen Hinter- und Vordergründen gearbeitet. Diverse Naturaufnahmen regen zum träumen an und versetzen den Zuschauer in eine völlig andere Welt, weshalb die Empfehlung lautet, dieses Werk in einem projektionsstarken, bestenfalls sogar IMAX-Kino zu schauen.
Insbesondere in der finalen Schlacht sieht man die Qualität, die heutiges CGI zu bieten hat. In den eher einfach gehaltenen Szenen gibt es hingegen immer wieder visuelle Mankos, vor allem bei schnelleren Bewegungsabläufen.
Wie angedeutet kommen wir nun zu den kritisch zu betrachtenden Elementen des Films, denn leider war nicht alles herausragend. Vorneweg muss jedoch gesagt werden, dass nicht alles in der Hand Favreaus lag, denn eine Animation, die beliebig ausgeschmückt werden kann, ist nicht so leicht in eine reale Verfilmung zu übertragen, die dazu noch versucht sich an tatsächliche Verhaltensweisen der Lebewesen zu halten.
Scharf kritisieren muss ich leider das Werk, weil erneut der „Morgenreport“ des Vogels Zazu, der gesanglich vorgetragen wird im Original, nun wieder gestrichen und in eine kurze Dialogzeile umgemodelt wurde. Dies ist auch schon in der Animationsvariante geschehen, wo nur auf den damaligen VHS-Kassetten die ursprüngliche Szenerie genutzt wurde und bei allen folgenden Neuauflagen diese dann nicht mehr, oder nur noch als Bonus, zum Einsatz kommt.
Ansonsten folgt aus dem selbstauferlegten Realitätszwang leider auch die fehlende Mimik der Figuren. Während im Original mit dieser regelrecht gespielt wurde, ist sie nun fast gar nicht vorhanden und lässt viele Momente recht trostlos und emotionslos wirken.
Auch die fehlenden Effekte tragen dazu deutlich bei und verwandeln die längeren Dialoge und Gesangselemente in recht unspektakuläre Gegenüberstellungen der Tiere.
Ebenso hat die Synchronisation deutlich Federn gelassen. Selbst gleiche Besetzungen wie James Earl Jones als Mufasa wirken nicht mehr so kraftvoll wie noch vor 25 Jahren. Für mich sind hierbei aktuell nur die Originaltonstimmen vergleichbar.

Es bleibt also ein wirklich imposantes Kunstwerk, welches leider unter den Folgen des einmalig starken Originals leidet, sowie den notwendigen Abstrafungen durch den Realismus. Abgesehen davon wurde es aber dennoch zu einem wirklich großen Film, wenn auch emotional deutlich schwächer, der vollkommen angemessen dem original gegenüber steht und bei dem ein Kinobesuch absolute Pflicht ist!

Humor: 6/10Action: 2/10Erotik: 1/10
Niveau: 9/10Gefühl: 10/10Musik: 10/10
Spannung: 0/10Gewalt: 2/10Idee: 8/10

Gesamtbewertung: 7/10

Viel Spaß im Kino!

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