Filmkritik: Deutschstunde (Kinostart: 03.10.19)

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Gesehen: 2D, deutsch, Kino

Vor über 50 Jahren erschien der Roman DEUTSCHSTUNDE, geschrieben von Siegfried Lenz. Er wurde in kürzester Zeit zu einem Welterfolg der deutschen Literatur. Christian Schwochow war schon 2008 klar, dass er dieses Buch verfilmen wolle, denn kurz vor der Berlinale des Jahres, las er den Roman und war sofort von der Tiefe und Aktualität dieser Nachkriegsliteratur fasziniert.
Als ungewöhnliches Produktionsduo hat Christian Schwochow die Regiearbeit für sein „Baby“ übernommen und seine Mutter Heide Schwochow, mit ebenso großer Begeisterung, das Drehbuch zur DEUTSCHSTUNDE verfasst. Dies ist jedoch nicht die erste gemeinsame Arbeit der Beiden. MARTA UND DER FLIEGENDE GROßVATER beruht auf ihrem gemeinsamen Drehbuch, NOVEMBERKIND war ihr erster gemeinsamer Langfilm und in dessen Folge arbeiteten die Beiden auch bei DIE UNSICHTBARE, WESTEN und BORNHOLMER STRAßE in der Konstellation zusammen, wie sie bei dem aktuellen Werk in Erscheinung treten.
Auch abseits des Filmstabs tauchen namhafte Persönlichkeiten auf, die reichlich Erfahrung für das Spiel vor der Kamera mitbringen. Unter anderem sind dabei Ulrich Noethen (bekannt aus HANNAH ARENDT, DER UNTERGANG sowie auch TAGEBUCH DER ANNE FRANK und DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER), der in DIE UNSICHTBARE schon einmal mit Familie Schwochow zu tun bekam, Tobias Moretti (bekannt aus DAS JÜNGSTE GERICHT, DAS EWIGE LEBEN sowie DAS FINSTERE TAL) sowie auch Johanna Wokalek, die zu sehen war in DER BAADER MEINHOF KOMPLEX, BARFUSS und DIE PÄPSTIN.
Doch was hat vor allem Regisseur Christian Schwochow so sehr an diesem Thema gereizt und wovon handeln Buch und Film?

In DEUTSCHSTUNDE wird, wie so häufig in deutschen Produktionen, die NS-Zeit aufgegriffen und eine Geschichte erzählt, die ihren Handlungsschwerpunkt abseits vom Krieg findet und dennoch mittendrin spielt. Die Story erzählt vom Faschismus und wie er wie eine Krankheit um sich greift und sich in die Köpfe der Menschen setzt und damit Freunde zu Feinden werden lässt und Familien spaltet.

Im Mittelpunkt von allem steht Siggi Jepsen (Tom Gronau), der als Jugendlicher Sträfling einen Aufsatz im Rahmen der Deutschstunden zum Thema „Die Freuden der Pflicht“ schreiben soll. Als Strafe für die Verweigerung dieser Aufgabe, wird er in eine Einzelzelle gebracht, wo er fast schon von allein anfängt seine Geschichte nieder zu schreiben.
Denn Siggi hat den Konflikt zwischen Patriotismus mit Pflichtbewusstsein und dem Verweigern der Anerkennung von nationalistischem Gedankengut hautnah miterleben müssen. Er ist dabei selbst in einen unglücklichen Erziehungsmechanismus zweier recht unterschiedlicher Parteien geraten.
Dabei bauen sich viele Fragen auf, wie zum Beispiel: Warum sitzt Siggi im Gefängnis, welcher Vertrauensperson sollte er sich zu wenden und welchen Einfluss hat der Konflikt seines Vaters mit dem Maler auf ihn?

Trailer Deutschstunde

Lange dauert es bis die Handlung durch den Zuschauer ohne Vorwissen überhaupt zeitlich eingeordnet ist. Teilweise hätte es in den 50er Jahren spielen können, teilweise auch in den 20er, bis dann endlich klar ist, dass es sich um die Zeit des zweiten Weltkriegs handelt.
Über den gesamten Film erstreckt sich ein Netz ruhiger Bilder mit recht wenig Gesamthandlung. Man kann sogar sagen, dass die gesamte Story in nur einem Satz zusammenfassbar ist.
Wie schon angedeutet werden zwei Erzählebenen parallel dargestellt. Die eine geprägt von Siggi als Jugendlicher im Gefängnis, die andere stellt die Visualisierung des niedergeschriebenen Aufsatzes das, in dem er über seine Kindheit bei seinen Eltern berichtet.

Gesetz, Ehrbarkeit, Freundschaft, Berufsstolz und Staatsfeind sind wesentliche Begrifflichkeiten, die dieses Werk ausmachen.
Absolut minimalistisch inszeniert, bietet der Film weder viel fürs Auge, noch für die Ohren. Die Handlung ist nach nur wenigen Szenen klar und dennoch wurde die Darstellung unnötig in die Länge gezogen. Zwar ist der Kern des Films, die Spaltung von Freundschaften bis hin zur Feindschaft, gut dargestellt, doch fehlt einfach ein wenig Tempo in der gesamten Produktion. Selbst die akzeptable und ausladende Figurencharakterisierung ist deutlich zu umschweifend und damit irgendwann einfach nur langweilig zu betrachten.
Hinzu kommt die ausgestrahlte Tristesse, die vor allem von den Bildern her rührt sowie eine nicht nachvollziehbare Figurenentwicklung des Malers, der nicht nur die Distanz zu seinem langjährigen Freund zurecht sucht, sondern plötzlich auch zu Siggi.

Der Grundgedanke und die Idee hinter dem Film und Buch finde ich sogar recht gut und es lohnt sich auch dies zu visualisieren, doch werden belanglose Szenen zu arg fokussiert und damit viel an Spannung verloren. Das führt dazu, dass der Zuschauer schnell das Interesse verliert und womöglich sogar weg nickt.

Humor: 0/10Action: 1/10Erotik: 0/10
Niveau: 6/10Gefühl: 2/10Musik: 1/10
Spannung: 0/10Gewalt: 0/10Idee: 5/10

Gesamtbewertung: 4/10

Viel Spaß im Kino!

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