Filmkritik: Fast & Furious: Hobbs & Shaw (Kinostart 01.08.19)

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Gesehen: 2D, synchronisiert, deutsch, Kino

Ein langer und steiniger Weg liegt nicht nur hinter den beiden Protagonisten Hobbs & Shaw, verkörpert durch Dwayne Johnson und Jason Statham, sondern dem gesamten Produktionsteam und dem Verleih, denn der Drehbeginn gestaltete sich alles andere als einfach. Aus mehreren Richtungen wurde dieser Ableger aus dem Fast & Furious-Universum boykottiert und kritisiert.
Zwar gab es schon während der Dreharbeiten für den siebten Teil der Reihe die Idee für ein Spinn-off, doch wegen des Todes von Paul Walker, der in den Ursprungsfilmen eine wesentliche Hauptrolle einnahm, wurden die Pläne auf Eis gelegt und verschoben. Nachdem mit voller Energie am achten Teil gearbeitet wurde, kamen die Ideen dann wieder auf den Tisch und haben eine deutliche Konkretisierung erfahren.
Doch wieder sollte etwas dem Dreh im Weg stehen, denn durch die Filmankündigung gerieten Dwayne Johnson und Tyrese Gibson in einen Konflikt, da Gibson eine Bedrohnung des restlichen Fast & Furious-Universums erahnt und diese auch durch die Verschiebung des regulär nächsten Teils auch bestätigt wird. Seiner Ansicht nach wird Hobbs & Shaw die Fast Familie zerstören, die die Reihe überhaupt erst erfolgreich gemacht hat.
Aber damit noch nicht genug. Ende 2018 begann ein recht aufregender Rechtsstreit zwischen dem Produzenten Neal H. Moritz, der lange Zeit sich um die Reihe gekümmert hat, und Universal. Angeblich habe Universal einen Vertrag gebrochen und Moritz hätte nach Plan auch die kommenden Teile von Fast & Furious produzieren sollen. Jedoch hieß es von Universal wohl, er müsse auf Gehalt verzichten oder das Projekt sei für ihn gestorben und noch dazu sei Hobbs & Shaw keine Fortsetzung, sondern ein Spinn-off.
Schlussendlich ist die Entscheidung nun fest und Moritz wird für keinen weiteren Teil wieder ein Engagement erhalten.
Abgesehen von all diesen Filmpolitischen Problemen, ist nun der Dreh des Werks doch ein Erfolg geworden und David Leitch hat sich der Herausforderung angenommen, einen Film zu kreieren der immer an acht weiteren Teilen gemessen würde. Doch mit diesem Regisseur macht das Genre Actionfilm einfach auch wieder großen Spaß, was man an seinen gerade einmal drei weiteren Produktionen sieht, die er im Regiestuhl zum Erfolg führte: „John Wick“, „Atomic Blonde“ und „Deadpool 2“. Allesamt Kassenschlager, die unterhaltsames Gewaltkino zur Perfektion geführt haben. Angesichts des zum Teil hoch geheimen Casts, wird dann schnell auch deutlicher wohin die Reise geht, denn wie schon in Deadpool 2 hat Leitch mit Ryan Reynolds zusammengearbeitet und für ein überraschenden Nebendarsteller gesorgt. Doch damit nicht genug. Auch Kevin Hart hat plötzlich die Chance erhalten, Teil der actionreichen Familiengeschichten zu werden.
Auch Jason Momoa und Keanu Reeves waren angedacht, doch wurde leider daraus nichts.

Ihr habt womöglich jede Technik dieser Welt. Wir haben Herz. Keine Technik wird das je schlagen können.

Wie immer ist die Handlung recht einfach gestrickt. Ein fast schon lebender Cyborg, namens Brixton Lore (Idris Elba) bedroht den Frieden der gesamten Menschheit und dabei vor allem der Familien Hobbs und Shaw. Dies lassen sich die beiden Draufgänger Luke (Dwayne Johnson) und Deckard (Jason Statham) selbstredend nicht gefallen lassen und würden lieber die gesamte Welt in Schutt du Asche legen, als ihre Familien bedroht zu sein. Doch die beiden haben es mit dem schwersten Gegner zu tun, auf den sie je getroffen sind. Somit sind die Beiden auf deutlich mehr Hilfe angewiesen, als nur sich selbst. Doch wer soll zwei solchen Muskelpaketen noch helfen können?

Nachdem die Hauptreihe der Filme versucht mit jedem neuen Film noch größere Stunts, noch mehr Action, noch mehr Witz und noch mehr Explosionen in eine noch viel verzwicktere Handlung zu bringen, als es der jeweils vorige Teil zeigen konnte, hat David Leitch sich diesem Trend angeschlossen. Doch unterscheidet eins dieses Spinn-off von allen sonstigen Produktionen dieses Universums: Leitch hat sich Mühe gegeben und seine Erfahrung als Stuntman sowie als Filmproduzente hervorragend kombiniert.
Immer wieder erkennt man den Versuch etwas Neues zu zeigen, etwas, dass noch nicht vorher dagewesen ist und etwas, dass nur Leitch so produzieren und zeigen kann.
Schon die Einführung macht richtig Spaß. Beide Hauptfiguren sind bereits aus den vorherigen Teilen bekannt und benötigen daher keine wesentliche Einführung mehr. Dennoch hat Leitch zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen und in kürzester Zeit durch einen Splitscreen sowohl beide Figuren eingeführt und ihre täglichen Routinen veranschaulicht als auch einen humoristischen Vergleich der vollkommen unterschiedlichen Charaktere erzeugt. So ist Johnson der absolute Pumper, der alles für seine Muskeln tut und auch als dementsprechend grober Kerl in Erscheinung tritt, während Statham eher der vornehme Genießer ist, der den Tag mit einem ausgefeilt abgeschmeckten Rührei beginnt und auf elegante Art und Weise genießt und schweigt. Doch auch ihre Gemeinsamkeiten finden in diesem direkt Vergleich Platz. Beide sind bei jeglichen Problemen zur Stelle und lösen diese auf ihre, eher harte Tour.
Weiter geht es mit Action vom Feinsten. Es prasselt geradezu eine Flut von Kämpfen auf den Zuschauer herein, die zum Teil kaum noch verfolgbar sind. Ständig passiert irgendwas auf der Leinwand, was fast schon ein angestrengtes Gucken erfordert, um stets am Ball zu bleiben. Jedoch sind jegliche Kämpfe fabelhaft inszeniert, was wohl an dem wachsamen Auge eines sehr professionellen Stuntmans in Regieposition liegt.
Die zweite Säule eines solchen Films ist der Humor. Selbstverständlich bringen alle Figuren diesen wieder mit ins Spiel und diesmal noch deutlich mehr als sonst. Während in allen anderen Filmen der Fast & Furious-Reihe einfach nur wilde Machosprüche abgelassen wurden, um den Charme etwas zu erzeugen, besteht dieser Film eigentlich nur noch aus Machosprüchen und gegenseitigen Beleidigungen der beiden Protagonisten. Diese werden jedoch nicht ad absurdum geführt, sondern haben immer ein gewisses mitklingen von Freundschaft, Feindschaft, Witz und Niveau enthalten. Zwar geht der ein oder andere Spruch auch hier unter die Gürtellinie, als zum Beispiel einer der beiden sagt: „Wenn ich in dein Gesicht sehe, fühlt es sich an, als würde Gott mir mit voller Wucht in die Augen kotzen,“ doch sind diese Art von unschönen Hasskommentaren eher selten zu finden.
Für die Krönung des Spaßes haben nun auch Kevin Hart und Ryan Reynolds ihre Auftritte bekommen. Zwar geht Hart etwas unter im Vergleich mit Reynolds, doch beide haben wirklich überrascht und die Stimmung im Saal deutlich angehoben. Reynolds, der schon mit Leitch zusammen Deadpool 2 produziert hat, tritt auch hier in völliger Deadpool-Manier auf. Jedenfalls sind jegliche Sprüche genauso getimt und bilden eine nette Anspielung auf diesen Film.
Dies ist jedoch nicht die einzige Anspielung auf andere Filme. Kevin Hart zum Beispiel tritt kurzzeitig an die Stelle von Peter Quill aus Avengers, als er ganz im Sinne der Figur seine Stimme tiefer verstellt, um deutlich cooler zu wirken. Dieses Spiel mit anderen Filmen gab es bisher noch nie und bringt einen zusätzlich fabelhaften Unterhaltungswert in die Story.
Auch sollte erwähnt werden, dass Game of Thrones eine recht wichtige Rolle im Film spielt und jeder, der noch nicht die letzte Staffel der Serie gesehen hat, diese schleunigst nachholen sollte bevor man sich Hobbs & Shaw zu Gemüte führt, da es in dieser Beziehung massive Spoiler über das Ende des Epos zu finden sind.
Die Geschichte selbst ist absolut kein Highlight, aber wer benötigt auch schon bei solch einem Film eine perfekt ausgereifte Geschichte? Es ist absolut beeindruckend, wieviel Inhalt in der Reihe in jedem Film eingebunden wird, ohne jedoch wirklich viel dabei zu erzählen.
Leider muss etwas bemängelt werden, dass die Handlungen zunehmend unrealistischer werden. Je mehr versucht wird eine spektakulärere Handlung zu schreiben, je mehr geht der Realismus verloren. So ist der Bösewicht nun eine Art Cyborg, was aus dem Fast & Furious-Universum eine nicht existierende Parallelwelt macht oder auf den Film Terminator anspielen soll. Sehr schade.
Auch sehr bedauernswert ist der Fakt, dass wieder einmal mit allen Mitteln die FSK 12 Freigabe erreicht werden sollte, weshalb einige Szenen herausgeschnitten wurden, die diese nicht möglich gemacht hätten. Wann zeigen die Produzenten endlich einmal Mut zum Risiko, zumal Leitch doch dafür genau der richtige Regisseur wäre. Eine FSK 16 Variante des Films wäre zumindest in den Abendvorstellungen oder in der Blu-ray-Fassung großartig und würde wohl noch deutlich mehr Gäste anziehen, zumal der Pegel der Brutalität sowieso schon am absoluten Maximum liegt.
Während sich die Produzenten für einige Schauplätze im Film sehr viel Zeit gelassen haben um auch wirklich aus den Vollen schöpfen zu können, geht zum Ende hin auf einmal alles ganz schnell. Kurz nach Beendigung des großen Finalkamps, beginnen auch schon die Credits, doch nicht ohne zuvor in gewisser Form einen zweiten Teil anzukündigen. Während und nach den Credits gibt es insgesamt noch drei Creditszenen, die sich auch lohnen anzuschauen. Stürmt also nicht wieder sofort aus dem Saal, sobald die ersten Namen kommen, sondern genießt den Film wirklich bis zur letzten Sekunde.

Summa summarum findet das Spin-off zu alter Stärke der Originalreihe zurück, kommt mit deutlich weniger logischer Handlung an den Tag, liefert dafür jedoch einmalig geniale Action mit unglaublichen Spezialeffekten und Stunts der Meisterklasse sowie einmalig schönen Bildern. Mit neuen Gadgets, vielen Spielereien und einen Humor, der vor allem mit einer schönen kühlen Flasche Bier vollends genießbar wird, wird die Produktion es schaffen das ganze Universum noch ein wenig weiter in den Olymp einer teilweise recht speziellen, jedoch zumeist ganz guten Filmreihe, zu heben. Ein Kinobesuch lohnt sich absolut, denn vor allem die Bass lastige Musik muss sich voll entfalten können, um die gewünschten Effekte zu erzeugen. Wer anspruchsvolle Handlungen und hochklassige Schauspielkunst sucht, sollte diesen Film meiden. Alle anderen werden sich jedoch recht schnell darin wohlfühlen.

Humor: 9/10Action: 10/10Erotik: 3/10
Niveau: 2/10Gefühl: 2/10Musik: 9/10
Spannung: 1/10Gewalt: 3/10Idee: 7/10

Gesamtbewertung: 8/10 

Viel Spaß im Kino!

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