Filmkritik: Midway – Für die Freiheit (Kinostart: 07.11.19)

Ein Film von Roland Emmerich

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Originaltitel: Midway
Gesehen: 2D,  OmU, englisch, Kino

Der deutsche Blockbuster-Regisseur Roland Emmerich kehrt nach drei Jahren mit dem Film MIDWAY – FÜR DIE FREIHEIT  nun wieder zurück ins Filmgeschehen. Nach Leinwandkrachern wie GODZILLA, THE DAY AFTER TOMORROW, 2012 und den beiden INDEPENDENCE DAY-Filmen, wagt sich der berühmte Katastrophenfilm-Autor nun an eine wahre Begebenheit heran.
Die Schlacht um Midway war ein Kampf während des Pazifikkriegs zwischen Japan und der USA. Diese Schlachte fand 1942 statt und dauerte gerade einmal vier Tage an. Dennoch gilt sie als elementarer Wendepunkt des Krieges um den größten Ozean der Welt.

Kleine Insel, große Bedeutung

Die Bedeutung dieser Inseln ist erstaunlich, angesichts dessen, dass alle drei zusammengenommen gerade Mal eine Landfläche von 6,23km² ausmachen und somit kleiner als fast jede Stadt sind. Trotz der Größe gibt es auf der „Sand Island“ sogar ein kleines Flugfeld, ehemals sogar auch auf der „Eastern Island“, weshalb diese einen solch strategischen Mittelpunkt darstellen.*

In Roland Emmerichs Werk MIDWAY – FÜR DIE FREIHEIT wird nun die Geschichte dieser Inseln und deren heroischen Schlacht erzählt. Anders als üblich jedoch nicht nur aus der Sicht der amerikanischen Streitkräfte, sondern auch aus japanischer Sichtweise. Viele wichtige Figuren aus allen militärischen Klassen werden eingeführt und vorgestellt und deren Geschichte in fortlaufendem zeitlichem Ablauf dargestellt. Im wesentlichen Fokus steht dabei Lieutenant Richard „Dick“ Best, der mit seiner Fliegerstaffel und waghalsigen Flugmanövern wesentlich am finalen Ausgang beteiligt war.

Bekannterweise inszeniert Emmerich gern heroische, großartige und imposante Werke mit viel Spezialeffekten und CGI. So auch hier. Eine kurze Episode der Geschichte wurde geschafft so aufzubauschen, dass sie wie die erste und letzte, jemals geführte Schlacht wirkt. Dabei wird jedoch nie so recht klar, was MIDWAY – FÜR DIE FREIHEIT eigentlich sein möchte: eine dokumentarische Aufarbeitung der Geschehnisse, ein heldenhafter Actionmovie oder ein unfassbarer und aufreibender Katastrophenfilm.

Ein Fünkchen Wahrheit vermischt mit einem CGI-Feuerwerk

Schon nach nur wenigen Minuten werden die Motive für die finale Schlacht für beide Seiten klar gemacht, durch ein CGI-Feuerwerk. Die Japaner greifen den Hafenkomplex eines amerikanischen Stützpunkts an und sorgen damit für viel Leid und Zerstörung. Durch viele Explosionen und tragische Tode wird die Dramatik auf ein imposantes Level angehoben und der Zuschauer befindet sich schon mitten im Geschehen.

Es folgt eine lange Passage der perspektivischen Berichterstattung, in der aus den Blickwinkeln beider Nationen die Geschehnisse analysiert und aufgearbeitet werden, mit entsprechender Strategieentwicklung. Sprich es dauert eine ganze Weile, bis es erneut zur Sache geht. In diesem Teil der Story entwickelt sich jedoch der Grundtenor: Ein hochklassig besetztes Ensemble liefert sich ein Kampf um die Screentime, und das tut dem gesamten Werk nicht gut.

Die Elite des amerikanischen Films

Woody Harrelson (DIE TRIBUTE VON PANEM, ZOMBIELAND 2, DIE UNFASSBAREN), Ed Skrein (DEADPOOL, MALEFICENT 2: MÄCHTE DER FINSTERNIS, ALITA: BATTLE ANGEL), Patrick Wilson (AQUAMAN, IM HOHEN GRAS, THE FOUNDER), Dennis Quaid (THE DAY AFTER TOMORROW, 8 BLICKWINKEL), Luke Evans (MA – SIE SIEHT ALLES, DER HOBBIT-Trilogie), Mandy Moore (RAPUNZEL – NEU VERFÖHNT, PLÖTZLICH PRINZESSIN), Alexander Ludwig (KINDSKÖPFE 2, LONE SURVIVOR), Aaron Eckhart (THE DARK KNIGHT, OLYMPUS HAS FALLEN, SULLY), Nick Jonas (JUMANJI: THE NEXT LEVEL, CAMP ROCK) und viele weitere kämpfen für eine freie Welt in allen möglichen militärischen Rängen und Positionen. Einige von ihnen sind durchaus vorerfahren auf dem thematischen Gebiet…

Um den Rezipienten einen roten Faden zu liefern, an dem er sich klammern kann, liefert Emmerich mit jedem Szenenwechsel eine Orts-, Zeit- und Kompanie-Angabe mit. Als grundlegender Gedanke vermutlich nicht schlecht bei der Castgröße, doch sorgen die vielen Szenenwechsel genau für den gegenteiligen Effekt. Es entsteht eine totale Verwirrung, da es schier unmöglich ist die vielen Truppennamen im Gedächtnis zu behalten, gleichzeitig sich zu merken, welcher Schauspieler wo kämpft, die strategischen Ideen nachzuvollziehen, die aktuellen Lagepunkte zu durchblicken und gleichzeitig dann noch zu unterscheiden, welche Schiffe und Flugzeuge welcher Nation angehören. Je schneller die Szenenwechsel stattfinden, je eher ist die Gefahr da, dass die Zuschauer dem Film entgleiten und den Anschluss verlieren.

Nobody wants a war!

Trotz deutscher Regieführung und dem Versuch der perspektivischen Berichterstattung, landet der wesentliche Fokus doch wieder im amerikanischen Blickwinkel. Wenn schon ein direkter Vergleich angestrebt wird, was sehr lobenswert ist, dann doch bitte auch mit gleichberechtigter Aufarbeitung. Doch Emmerich wollte einfach zu viel. In der umschweifenden Erzählform hätte es wohl besser getan es Clint Eastwood gleich zu tun.  Der hat mit FLAGS OF OUR FATHERS und LETTERS FROM IWO JIMA zwei separate Filme zum gleichen Thema gedreht und ein Meisterwerk abgeliefert.

Eine Hommage an Regisseur John Ford

Dennoch sind die vielen Perspektiven lobenswert und scheinbar fand auch eine recht gründliche Aufarbeitung statt. In einigen wenigen Nebenszenen ist zum Beispiel auf der Insel ein Regisseur zu sehen, der einen Film dreht. Im normalen Filmgeschehen macht die Figur nicht so viel Sinn, da sie auch keine tiefgreifendere Bedeutung für die Story hat und nicht so recht klar wird, warum dieser Erzählstrang überhaupt aufgenommen wurde. Dieser Regisseur jedoch war John Ford, der 1942 tatsächlich eine Dokumentation dort drehte. THE BATTLE OF MIDWAY wurde sogar von der Academy mit einem Oscar ausgezeichnet. Doch nicht nur das. Bis heute ist John Ford der erfolgreichste Regisseur der Oscar-Geschichte und ist mit vier Oscars Rekordpreisträger. Sein Werk wird somit völlig zurecht auch von Emmerich gewürdigt.

Die See erinnert sich der ihren!

Doch zurück zum heutigen Film. Die breite Masse an vorgestellten Offizieren, Soldaten und Entscheidungsträgern, die alle eine gleichberechtigte Rolle in MIDWAY – FÜR DIE FREIHEIT finden, ist, abgesehen von dem negativen Verwirrungseffekt, ein tolles stilistisches Mittel. Auf diese Weise wird dem Zuschauer ein annähernder Eindruck der Komplexität eines solchen militärischen Manövers vermittelt. Wenn es schon für uns schwer ist den Überblick über solch große Truppen zu haben, wie muss es dann für die Beteiligten gewesen sein, die zudem noch mit deutlich schlechteren Kommunikationsmitteln zu kämpfen hatten?

Die finale Ehrung

Aber auch andere Stilmittel finden ihren effektiven Einsatz. So existiert stets Kampfszenen eine enorme Anspannung durch den Einsatz von sehr tiefen und intensiven Bässen. Nur selten sind diese so ausgeprägt in Filmen, weshalb auch ein Kinobesuch deutlich ratsamer ist als auf den Heimfilm zu warten. Weiterhin ist das Werk zweisprachig angelegt, das heißt die japanischen Artillerien sind nicht zwangsübersetzt, sondern einfach untertitelt und damit die Distanz der Figuren gewahrt.
Zu guter Letzt gibt es kurz vor dem Abspann noch eine ehrbare Verabschiedung aller Beteiligten mit realem geschichtlichem Hintergrund.

Insgesamt hat Emmerich mit MIDWAY – FÜR DIE FREIHEIT ein imposantes Epos über Leben und Tod, Recht und Unrecht, Sieg und Niederlage und Mut und Freiheit geschrieben, der seines Gleichen sucht und wirklich viel zu bieten hat. Geschichtlich offenbar sehr fundiert, liefert das Werk einen überragenden Eindruck in die damalige Geschichte. Dennoch gibt es leider ein paar Schwächen, die es wirklich schwer machen den Film zu genießen. Eine Aufteilung auf mehre Filme, eine Epos-Reihe, wäre wohl ratsamer gewesen.

Humor: 0/10 Action: 7/10 Erotik: 0/10
Niveau: 3/10 Gefühl: 4/10 Musik: 7/10
Spannung: 2/10 Gewalt: 3/10 Idee: 7/10

 

Gesamtbewertung: 6/10

Viel Spaß im Kino!

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