Filmkritik: Official Secrets (Kinostart: 21.11.2019)

Ein Film von Gavin Hood

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Gesehen: 2D, OmU, englisch, Kino

An dieser Stelle hätte ich euch gerne mitgeteilt, was der „Official Secrets Act“ ist und beinhaltet, da dieser eine wesentliche Rolle in OFFICIAL SECRETS spielt, doch sind Informationen nur schwer auffindbar und zumeist in sehr komplexen englischen Texten festgehalten. Grob zusammengefasst ist dies eine Verschwiegenheitserklärung speziell für Personen in Staatsdiensten und noch genauer für Spione des britischen Geheimdienstes. Dies beinhaltet eine lebenslange Schweigepflicht gegenüber Außenstehenden bezüglich vertraulicher Informationen. Weiterhin erklären sich die Mitarbeiter damit einverstanden, dass sie im Falle der Missachtung strengstens verurteilt werden können.

Mit diesem Thema hat sich Keira Knightley in der Rolle der Katharine Gun auseinandersetzen müssen. Für sie ist es jedoch nicht das erste Mal in geheimer Mission. In IMMITATION GAME tritt sie ebenfalls als Spionin auf, die zusammen mit einem hochklassigen Team im zweiten Weltkrieg an der Entschlüsselung der Enigma arbeitete. Nun hat sie nicht mehr mit höchst komplexen Formeln zu kämpfen, sondern muss sich der vollen Wucht der Gerichtbarkeit entgegensetzen.

Globaler Krieg oder persönliche Niederlage?

Katherine (Keira Knightley) ist eine einfache Angestellte in den Diensten des britischen Geheimdienstes. Als Spionin verarbeitet und untersucht sie für diesen geheime Nachrichten. Als ihr eines Tages ein NSA-Memo weitergeleitet wird, ist sie völlig perplex, denn vor ihr liegt ein Dokument, dass belegt, dass die USA und Großbritannien illegale Spionageoperationen gegen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats führten. In diesem Memo gab es Hinweise auf eine Erpressung kleinerer unentschlossener UN-Mitgliedsstaaten für eine Kriegszustimmung zum Irakkrieg.

Wir stellen jetzt den Krieg vor Gericht?

Da sie sich sicher ist, dass hier irgendwelche illegalen Machenschaften am Werke sind, holt sie sich den Rat einer externen Vertrauensperson ein. Gemeinsam beschließen sie dies Dokument zu veröffentlichen, natürlich ohne rückverfolgbare Quelle.
Doch die Geheimdienste bemühen sich selbstverständlich die Whistleblowerin zu entlarven. Als die Situation sich dramatisch zuspitzt, gibt Katherine ihre Tat zu, woraufhin ihr eine mächtige Klage wegen Verstoßes gegen den Official Secrets Acts blüht. Hätte sie dieses Dokument also lieber nie veröffentlichen und in Frieden weiterleben sollen oder war die Intention der Rettung vieler Menschenleben doch der richtige Pfad?

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Packende Faktenaufarbeitung

„Frei nach wahren Begebenheiten“ erzählt, erwartet den Zuschauer ein packender Showdown zwischen staatlichen Machtmissbrauch und persönlicher Gewissenskrise. Verknüpft mit vielen Fernseh- und Realbildern, wird stückweise die tragisch heldenhafte Geschichte der Katharine Gun erzählt. Dabei gibt es zwei wesentliche Handlungsorte, zum einen die Zentrale der GCHQ, der Arbeitsstelle der Protagonistin und ihrer allgemeinen Lebensumgebung. Zum anderen die Redaktion einer britischen Zeitung, welche erstmalig die Informationen für Leser zugänglich gemacht hat. Geschickt wird immer wieder zwischen beiden Standpunkten hin und her gesprungen, um die Story dramatisch zuzuspitzen. Ähnlich wie in SPOTLIGHT, werden der Redaktion nur ein paar elementare Wissenskrümel zugeschmissen und diese muss dann alle weiteren wesentlichen Fakten dazu recherchieren.

Grundsätzlich bieten solche Geschichten immer schon eine gewisse Grundspannung, da einfach die Konfliktsituation aus dem Leben gegriffen ist und daher schon deutlich berührender ist als jede fiktive Idee. Dennoch wurde es geschafft auch die Spannungskurve in OFFICIAL SECRETS stark ansteigend zu gestalten mit einem visuell heroisch gefeierten Höhepunkt gegen Ende des Werks. Dabei wird soviel Story erzählt, wie in manchen Werken mit deutlich mehr Spieldauer nicht.

Auch emotional eine runde Sache

Der Inhalt des Films ist recht komplex und wird vor allem durch viele Fachbegriffe im Verständnis erschwert. Gleichzeitig bietet er jedoch auch umfassende Erklärungen, die dafür sorgen, dass es jedem möglich ist stets der Logik des Werks folgen zu können. Mit dezenter, aber effektiver musikalischer Untermalung, primär komponiert mit einem Streichorchester, wird die Stimmung enorm geprägt und die Zuspitzung der inhaltlichen Situation mit viel Feingefühl verstärkt. Trotz durchweg ernster Begebenheiten, wird glücklicherweise nicht vergessen auch eine wesentliche Portion Emotionalität einfließen zu lassen. Diese wäre zwar nicht unbedingt notwendig gewesen, sorgt jedoch generell für angenehme und entspannende Szenen.

Oscarverdächtige Knightley mit anfänglichen Schwächen

Ein wesentlicher Beitrag für den Erfolg des Films geht dabei von den Darstellern aus. Während Keira Knightleys Schauspieltalent in der Filmwelt immer wieder recht umstritten ist und viele der Meinung sind, sie könne einfach nur süß gucken und das war es, beweist sie hier die gesamte Breite ihrer Kunst. Anfangs noch mit extremen Schwächen, die sich vor allem zeigen als sie ein Geheimnis verbergen will und dennoch viel zu offensichtliche Körpersprache und Mimik nutzt, steigert sie sich im weiteren Verlauf wirklich extrem. Ziemlich genau bei der Hälfte des Films gibt es eine Befragung, in der sie all ihre Fähigkeiten offenbaren kann. Mit zittriger Stimme, steigender Unsicherheit und Nervosität und deutlicher Körpersprache, schafft sie es noch rechtzeitig die Kurve zu kriegen. Künftig wird jeder Auftritt ihrerseits nur noch genialer, weshalb durchaus eine Oscarnominierung in Betracht kommen könnte.

Doch vergessen wollen wir hier auch nicht die vielen markanten Nebenfiguren. Vor allem zu nennen ist hier der Redaktionsleiter der Zeitung, der in jede einzelne Szene alles an Leidenschaft gepackt hat, die er aufbringen konnte. Entstehend aus einer simplen Situation wie einer völlig üblichen Rechtschreibprüfung entwickelt sich eine Schimpftirade, die sich gewaschen hat. Damit brennt sich diese Figur mit bester Manier wohl für immer in die Köpfe der Zuschauer.

Spannend bis zum Schluss

Unfassbar und mitreißend sind wohl die präzisesten Worte für das Werk. Insbesondere wo scheinbar der Official Secrets Act in Deutschland noch nicht einmal ein Begriff ist. Mit aller Professionalität wird vor allem die finale Gerichtsverhandlung zu einem Spektakel. Während Mrs. Knightley sich auf den Weg zum Schafott macht, ist die Kamera optimal platziert. Mit Blick auf eine kleine, sehr schmale Treppe, an dessen Ende eine furchterregende Wache wartet, liefert der Regisseur dem Zuschauer Gelegenheit die Dramatik der Situation zu rekapitulieren und sich ebenso wie die Protagonistin auf einen lebensentscheidenden Gerichtsspruch vorzubereiten.

Official Secrets, basierend auf einer Buchvorlage, ist somit herausragend ausgearbeitet und kann ähnlich wie zuletzt SPOTLIGHT mit viel Brisanz eine Geschichte erzählen, die in dem Umfang wohl nur den Wenigsten bekannt sein dürfte. Mit einigen deutlichen Schwächen zu Beginn, hat sich hier doch eine geniale Komposition aus Gefühl und Spannung herauskristallisiert. Durch viele starke Nebenfiguren und gut inszenierte Dialoge und Interaktionen, ergibt sich zu keinem Zeitpunkt die Gelegenheit, dass sich Langeweile entwickeln könnte. Somit zeigt sich hier wieder ein Geniestreich, welcher angesichts der realen Grundlage vor allem Fassungslosigkeit zurücklässt.

Humor: 2/10 Action: 0/10 Erotik: 1/10
Niveau: 8/10 Gefühl: 7/10 Musik: 7/10
Spannung: 7/10 Gewalt: 0/10 Idee: 8/10

 

Gesamtbewertung: 8/10

Viel Spaß im Kino!

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