Filmkritik: The Report (Kinostart: 07.11.19)

Ein Film von Scott Z. Burns

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Gesehen: 2D, OV, englisch, Kino

Nur ein knappes halbes Jahr nach THE DEAD DON’T DIE tritt Adam Driver wieder in den Mittelpunkt eines brisanten Films, doch diesmal weit ab von Zombies und der Apokalypse. Scott Z. Burns, Autor und Regisseur des hiesigen Films, beschäftigt sich nicht das erste Mal mit solch kritischen Themen wie den US-amerikanischen Foltermethoden zu Beginn der 2000er. Zusammen mit Al Gore, ehemaliger Vizepräsident der USA, deckt er in EINE UNBEQUEME WAHRHEIT die dramatische Situation auf, in der sich die Welt bezüglich des Klimawandels derzeit befindet und wie sich die Langzeitauswirkungen weiterhin gestalten werden. Im Gegensatz dazu steht die Handlung von DER INFORMANT, wo die Preisabsprachen zwischen konkurrierenden Großunternehmen im Fokusmittelpunkt stehen.

Folter als Rechtfertigung für Sicherheit

Doch auch einige bekannte Spielfilme finden sich in seinem Repertoire wieder, so zum Beispiel SIDE EFFECTS – TÖDLICHE NEBENWIRKUNGEN, DAS BOURNE ULTIMATUM und PLANET DER AFFEN: REVOLUTION. Außerdem liegt in seinen Händen der Dreh des heiß ersehnten neuen JAMES BOND Films, der 2020 in die Kinos kommen wird.
THE REPORT ist ein Filmdrama, welches auf realen Ereignissen beruht. Es basiert auf dem 2014 veröffentlichten Bericht des US-Senat Select Intelligence Commitee. Dieser schlüsselt auf mehr als 500 Seiten die Vernehmungstaktiken auf, die nach dem 11. September 2001 an Häftlingen angewandt wurden. Hierbei fanden breitgefächerte Foltermethoden ihren Einsatz wie Waterboarding (Simulation des Ertrinkens), Hypothermie (starke Veränderung der Körpertemperatur), verlängerte Isolation, sensorische Deprivation (Entzug von sensorischen Reizen beziehungsweise Sinneseindrücken), sowie rektale Rehydration.
Die Untersuchung durch Daniel Jones ergab, dass die Foltermethoden weit schlimmer waren als zugegeben wurde. Dabei konnten keine verwertbaren Informationen aus den Häftlingen herausgeholt werden.

The United States does not torture!

Im Film wird dieser Ermittlungsweg nachgestellt mit Adam Driver als Daniel Jones. Anfangs noch sehr uninteressiert an seiner neuen Aufgabe, der Untersuchung zu Inhaftierungs- und Vernehmungspraktiken der CIA, wecken die ungeheuerlichen Methoden der Geheimorganisation schnell seine Neugier und bringen ihn dazu immer tiefer in der Materie zu graben. Binnen sechs Jahren erstellt er einen Bericht mit etwa 7.000 Seiten und eine gut 500 seitige Zusammenfassung, die der Öffentlichkeit preisgegeben werden sollen. Dies wissen jedoch CIA und das weiße Haus geschickt zu verhindern. Stück für Stück spitzt sich nun die Situation zu und Jones muss sogar um sein Leben bangen.

Ein spannender Politthriller für starke Nerven

Ausgewiesen als Filmdrama, würde ich dieses Werk eher in die Kategorie Politthriller stecken, denn schon das erste Bild sagt alles über den Film. Es wird der Titel eingeblendet in folgender Schreibweise: The Torture Report. Einer weiteren Erläuterung bedarf es wohl hierbei nicht.
Die Jahre 2003 bis 2009 werden in einem Zeitstrahl in kürzester Zeit abgearbeitet und darin vor allem der Protagonist, Adam Driver, vorgestellt. Dies ist eine ganz sympathische Variante, die einmal abweicht von den ewig langweiligen Rückblicken und Dialogen, die nur dieses eine Ziel erreichen sollen.
Etwas verwirrend werden die Zeitsprünge mit der Zeit dennoch, da zur Erläuterung und visuellen Veranschaulichung des wesentlichen Handlungsstrangs dann doch wieder in die Vergangenheit gesprungen werden muss. Diese Sprünge gibt es jedoch nur in der ersten Hälfte des Werks.

Generell zählen solche Filme zu meinem absolutem Lieblingsgenre. Die Spannung wird stets hochgehalten, ein großer Funken Wahrheit spielt mit und es ist einfach erschreckend, was Regierung und Geheimdienste treiben, ohne dass die breite Masse von Bürgern davon erfährt. Fraglich ist dabei natürlich immer, wie ernst man die gezeigten Informationen nehmen darf beziehungsweise muss. Diese werden natürlich immer ein wenig ausgeschmückt  und in der Regel erfolgt eine recht einseitige Berichterstattung. Deswegen ist es stets empfehlenswert zusätzlich zu solchen Produktionen, die eigene themenbezogene Recherche zu starten.

Eine erschreckende Wahrheit mit einer schauspielerischen Meisterleistung

Es ist tatsächlich schwer zu sagen, was das erschreckendste am Gezeigten war: die verschiedenen Foltermethoden, die Vorstellung, welche Qualen Menschen durchlebt haben müssen bei zum Beispiel 183 maligem Waterboarding, die Skrupellosigkeit der Regierung oder gar die Verschleierung jeglicher Schandtaten.
Schon mehrfach erwähnt, ist und bleibt Adam Driver ein hervorragender Schauspieler. Aktuell hat er ein wirklich starkes Jahr und wieder einmal zeigt er, trotz an sich recht simpler Rolle, eine Meisterleistung. In THE REPORT spielt natürlich das Drehbuch ihm in die Karten, durch herausragende Dialoge und Monologe. Dazu muss jedoch gesagt werden, dass diese Inszenierung fast schon ein Solowerk von ihm darstellt, da stets er im Fokus jeder Handlung steht und es kaum nennenswerte Nebenfiguren gibt. Das riecht verdammt stark nach einer Oscar-Nominierung.  

Auch Stilmittel finden sich in dieser Produktion reichlich wieder. So werden Rückblenden stets mit einem Gelbfilter versehen, um die Differenzierung der Handlung zur Gegenwart zu gewährleisten. Die Bildgestaltung und musikalische Ausstattung fällt ansonsten nicht weiter ins Gewicht. Generell wird keine Musik als Unterhaltungsmittel eingespielt, sondern stets nur leichte akustische Untermalungen.
Wo ein wenig Probleme entstehen können, ist beim Konsum im Originalton. Ein sicheres Englisch reicht dafür kaum aus. Recht viele Fachtermini fließen in die Dialoge ein und diese gehören eher selten in den typischen Sprachgebrauch. Daher ist vermutlich eher die synchronisierte Fassung zu empfehlen.

Abschließend bleibt zu erwähnen, dass die gesamte Handlung recht verblüffend, gar erschreckend und vor allem aufreibend wirkte und es einiges an Zeit kostet all diese Informationen zu verarbeiten. Daher ist THE REPORT eher kein Film für zwischendurch, sondern erfordert viel Aufmerksamkeit und Scharfsinn. Die dramatische Entwicklung des Falls und auch des Lebens der Protagonisten können sehr aufwühlen. Dennoch ein sehr empfehlenswertes Werk.

Humor: 0/10 Action: 2/10 Erotik: 0/10
Niveau: 10/10 Gefühl: 6/10 Musik: 7/10
Spannung: 9/10 Gewalt: 5/10 Idee: 10/10

 

Gesamtbewertung: 9/10

Viel Spaß im Kino!

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