Filmkritik: Mein Ende. Dein Anfang. (Kinostart: 28.11.19)

Ein Film von Mariko Minoguchi

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Gesehen: 2D, deutsch, Kino

Viel mehr als ein Ende, ist Mariko Minoguchis Regiedebüt die Chance auf einen glorreichen Anfang. Mit eigenem Drehbuch und vortrefflichem Cast ist es ihr ein persönliches Bedürfnis gewesen, in ihrem ersten Langspielfilm ein Werk zu schaffen, dass sie selbst gern im Kino ansehen würde. „Die Geschichte sollte den Zuschauer sowohl intellektuell fordern, als auch durch eine klare, emotionale Handlung vorangetrieben werden.“ (Mariko Minoguchi, Presseheft Mein Ende. Dein Anfang.)
In MEIN ENDE, DEIN ANFANG lässt sie eben jene Kinoliebe einfließen, ebenso wie ihre entfachte Neugier durch ihren Bruder für die Relativitätstheorie. Die Theorie der nicht linearen Zeit findet durch sie Zugang zum Medium Film.

Jungstars am Werk

Für das Werk konnte sie sich die schauspielerische Unterstütung einiger junger Wilder des deutschen Kinomarktes sichern. Die noch jungen Darsteller Saskia Rosendahl (BABYLON BERLIN, PRELUDE, WERK OHNE AUTOR), Julius Feldmeier (TORE TANZT, BLIND UND HÄSSLICH) und Edin Hasanovic (DAS LEBEN IST NICHTS FÜR FEIGLINGE, NUT GOTT KANN MICH RICHTEN, RATE YOUR DATE) bilden ein spannendes Darsteller Trio, welches für die Figuren wie geschaffen ist.

Nora (Saskia Rosendahl) und Aron (Julius Feldmeier) sind ein Liebespaar, dass unterschiedlicher kaum sein könnte. Während Nora das Leben einfach auf sich einprasseln lässt, glaubt Aron daran, dass das Leben eine Symbiose aus Zufall und Vorbestimmung ist. Seiner Ansicht nach entstehen aus allen zufälligen Taten irgendwann vom Leben geplante Ereignisse.
Ist es also Zufall oder Vorherbestimmung, dass die beiden in einen Banküberfall geraten und Nora kurze Zeit später ihre Trauer um Arons Tod im örtlichen Nachtleben ertränken muss? Hat es einen tieferen Sinn, dass sie dort Natan (Edin Hasanovic) kennen lernt?

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Verworren und Verwebt

Ähnlich wie im Film die Zeitlinien ineinander verschwimmen, ist es auch hier schwer einen linearen Anfang zu finden, der den Film angemessen beschreibt. Grundlegend muss erst einmal gesagt werden, dass MEIN ENDE, DEIN ANFANG ein recht solider Krimi ist, der immer wieder dramatische Höhepunkte aufbaut und dann auch wieder verliert. Während anfangs eine romantische Liebesgeschichte erzählt wird, ergibt sich kurz darauf eine dramatische Wendung, die prägend für den gesamten restlichen Filmverlauf ist. Dabei wird ein probates, wenn auch gefährliches Mittel genutzt: Durch Zeitsprünge wird die Handlung so verschachtelt, dass es irgendwann schwer wird dem wesentlichen Plot zu folgen.

Die deutsche Schule ist leider schon in den Wurzeln von MEIN ENDE, DEIN ANFANG deutlich herauslesbar. Angefangen bei den sehr unruhigen Kameraführungen über spektakulären Handlungszufälle, bis hin zu unnützen Nebenfiguren und einer sehr trockenen und langweiligen Erzählweise, ist die deutsche Handschrift deutlich erkennbar. Doch gibt es tatsächlich auch gute Aspekte daran, denn die Regisseurin hat es geschafft, die Handlung so konfus zu gestalten, dass eine auch unabhängig der eigentlich simplen Story, sich eine wirklich harmonische Stimmung aufbaut.

Spagat zwischen schauspielerischen Schwächen und und audiovisuellen Stärken

Grundsätzlich schaffen es die verschiedenen Darsteller auch hervorragend den Inhalt des Films unterhaltsam zu transportieren, doch haperte es wohl noch etwas an der Erfahrung. Ob nun als Regiefehler oder schauspielerische Inkompetenz, ist nicht eindeutig der schwache Charakteraufbau erkennbar. Mimik und Gestik wirken stets bei allen Figuren unspektakulär und langweilig. Dazu kommen einige nicht nachvollziehbare Taten der Darsteller und eher schwache bis unbedeutende Dialoge. Zu keinem Zeitpunkt entsteht auch nur zu einer Person eine emotionale Bindung, die die die Neugier der Zuschauer schürt.

Visuell gibt es vereinzelt Szenen, bei denen sich die Filmcrew wirklich große Mühe gegeben hat, vor allem gegen Ende. Doch ein schönes Bild überdeckt keine Fehler, die in der Szenenbild-Ausstattung gemacht wurden. Im Gegensatz dazu steht die musikalische Hinterlegung, die zwar simpel ist, doch vor allem auf mich sehr ansprechend wirkte, da der Song „Ohne Dich“ von Münchner Freiheit eingearbeitet wurde, der einige Zeit meines Lebens geprägt hat.

Während die Spannung durch die Verschachtelung des Films stetig steigt, verliert die Handlung leider deutlich an Qualität, in dem Moment, wenn der Zuschauer den wesentlichen Plot begreift. Zudem entsteht kaum eine emotionale Bindung zu den einzelnen Figuren, vor allem resultierend aus der Charakterisierung der Einzelnen. Die Motive der Protagonisten sind nicht sehr deutlich herausgearbeitet

Hat also Mariko Minoguchi ihr Ziel mit MEIN ENDE, DEIN ANFANG erreicht? Die Frage ist leider nicht ganz eindeutig beantwortbar, da sie es tatsächlich geschafft hat ein solides, spannend verschachteltes Werk zu kreieren mit einer grundsätzlich netten Idee. Die jungen Schauspieler erhielten mit diesem Werk eine große Bühne, konnten diese letztlich diese jedoch nicht ganz nutzen. Recht emotionslos kommen die Figuren rüber und jede Szene wirkt sehr strikt nach Drehbuch ausgearbeitet. Offenbar gab es kaum Raum zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeiten, weshalb viele Momente dann doch sehr auswendig abgearbeitet schienen.
Gerne kann man sich dieses Werk somit zu Gemüte führen, darf jedoch kein Highlight der deutschen Filmkunst erwarten.

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