Filmkritik: Das perfekte Geheimnis (Kinostart: 31.10.19)

Ein Film von Bora Dagtekin und Lena Schönemann

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Gesehen: 2D,  deutsch, Kino

PERFETTI SCONOSCIUTI ist der Titel eines 2016 erschienen italienischen Kinofilms, der mit mehr als 16 Millionen Euro Umsatz einen enorm großen Erfolg im eigenen Land erzielen konnte. Am 15. Juli 2019 schaffte es dieses Werk sogar ins Guinness World Records-Buch als meist kopierter beziehungsweise neuaufgelegter Film. Insgesamt gibt es mittlerweile 18 Versionen des Films aus allen möglichen Nationen der Welt.* So wurde in Spanien die Handlung unter den Titel PERFECTOS DESCONOCIDOS und in Süd-Korea als INTIMATE STRANGERS produziert und veröffentlicht. Nun ist unter der Leitung des Fack Ju Göhte Teams Bora Dagtekin und Lena Schönemann auch eine deutsche Variable entstanden mit dem Titel DAS PERFEKTE GEHEIMNIS.

Für dieses Werk hat Bora Dagtekin alles zusammengekratzt, was die deutsche Comedy an hochklassigen Schauspielern bieten kann: Karoline Herfurth (SMS FÜR DICH, SWEETHEARTS, FACK JU GÖHTE), Elyas M’Barek (DIE WELLE, DER FALL COLLINI, DER MEDICUS), Florian David Fitz (MÄNNERHERZEN, DIE VERMESSUNG DER WELT, HIN UND WEG, DA GEHT NOCH WAS), Jella Haase (FACK JU GÖHTE, 25 KM/H, DIE GOLDFISCHE) sowie auch Frederick Lau (VICTORIA, DIE WELLE, SWEETHEARTS, SIMPEL), Wotan Wilke Möhring (STEIG. NICHT. AUS!, KLEINE ZIEGE STURER BOCK, WHO AM I – KEIN SYSTEM IST SICHER) und Jessica Schwarz (JESUS LIEBT MICH, BUDDENBROOKS, DAS PARFUM – DIE GESCHICHTE EINES MÖRDERS).

Ein gefährliches Spiel mit Informationen

In DAS PERFEKTE GEHEIMNIS treffen die sieben Freunde Carlotta (Karoline Herfurth), Leo (Elyas M’Barek), Pepe (Florian David Fitz), Bianca (Jella Haase), Simon (Frederick Lau), Eva (Jessica Schwarz) und Rocco (Wotan Wilke Möhring) zu einem gemeinsamen Abendessen bei Rocco und Eva zu Hause. Die vier Männer sind schon seit Kindertagen beste Freunde, doch je älter sie wurden, je weniger war es möglich gemeinsame Abende miteinander zu verbringen. Während alle bei einem 3-Gänge-Menü aus eigener Kochkunst in Erinnerungen schwelgen, neigt sich das Gespräch dem Thema Ehrlichkeit und Vertrauen zu.

Alle sind sich sicher ihrem Partner nichts zu verheimlichen, woraufhin Eva den Vorschlag macht, während des Essens einmal vollkommen gläsern zu werden und die Handys auf den Tisch zu legen. Jede hereinkommende Nachricht wird laut vorgelesen, jeder Anruf angenommen und auf laut gestellt, ohne dem Gesprächspartner mitzuteilen, was vor sich geht und es darf nichts verheimlicht werden. Etwas wiederwillig stimmen letztlich doch alle dieser Challenge zu und während anfangs noch alle ihre Späße mit dieser Abmachung treiben, spitzt sich die Situation immer weiter zu. Denn nicht nur, dass raus kommt das einige heimliche große Zukunftspläne besitzen, sondern lernen alle, dass sie sich gar nicht so gut kennen wie sie es vermutet haben.

Die Männer überzeugen ausnahmslos

Eröffnet wird der Film mit den Worten: „Wer die Wahrheit sagt, wird gehenkt“ (Zitat von Georg Büchner). Dieser Sarkasmus ist nur der Auftakt eines recht humorvollen und gleichzeitig unterhaltsamen Films. Von Anfang an ist die gesamte Handlung sehr vorhersehbar und bietet wenige Überraschungen, doch schaffen es die zum Teil großartigen Schauspieler dem Werk einen ganz speziellen eigenen Charme zu verleihen. Dabei harmonieren jedoch nicht alle so prächtig miteinander. Während die beiden Gastgeber des filmischen Abends ein harmonisches Paar darstellen, schaffen es M’Barek und Herfurth nicht die richtige Harmonie zu entwickeln. Jeder der Darsteller erhält relativ ähnliche Dialoganteile, womit alle Beteiligten, außer Emily Kusche, die die Tochter von Herr Möhring und Frau Schwarz spielt, gleichberechtigt auftreten.

Dennoch können die Männer deutlich mehr mit stärkeren Dialogszenen aufwarten als es die Frauen schaffen, die stets in eine verletzliche, fast schon armselige Rolle gedrängt werden. Bester Darsteller von allen ist unangefochten wieder Florian David Fitz, der wie üblich sein Schauspiel real werden lässt und dem man als einziges die Figur vollkommen abkauft. Dafür sorgt vor allem die enorm ausdrucksstarke Mimik.

Modern und simpel

Zu Beginn von DAS PERFEKTE GEHEIMNIS ist die Taktung der Scherze recht hoch und bietet dem Zuschauer einige herzhafte Lacher. Dies flaut jedoch stark in der weiteren Entwicklung ab, womit aus einer eher unterhaltsamen Einführung ein doch recht ernstes Ende wird. Für die Dramaturgie natürlich ein probates Mittel, für die Begeisterung der Zuschauer jedoch eher nicht. Gleichzeitig werden ständig Perspektivwechsel vorgenommen, um stets die redende Figur zu zeigen, was mit der Zeit sehr anstrengend wird und für viel Unruhe im Film sorgt. Mit mehr Totalen-Einstellungen hätte dieses Problem umgangen werden können.

Rasant erzählt, finden ebenso zügig auch viele Stimmungswechsel statt, die zwar dafür sorgen, dass niemals Langeweile aufkommt, aber stets die Ungewissheit lassen in welche Richtung sich der Film eigentlich entwickeln möchte. Dazu tragen vor allem die häufigen ganz zufällig passenden Telefonanrufe und Nachrichten, die seltsamerweise alle in recht eindeutiger Form genau an diesem Abend auf den Telefonen eingehen. Die Zufälle werden zwar versucht zu erklären, dennoch wanken diese Erläuterungen doch enorm an Hand der massiven Häufung.

Viele Fehler führen zu einem schwachen Ende

Zum Ende hin wird die Story dann richtig schwach, denn als die Freundschaft zwischen den Figuren von M’Barek und Fitz in die Waagschale geworfen wird, ist keine Logik mehr erkennbar. Unbefriedigend und langweilig ist der Schluss und schafft es nicht mal ansatzweise an den eigentlich recht starken Auftakt der Handlung heranzureichen.
Wie üblich in Deutschland, werden im Abspann noch ein paar Outtakes des Drehs gezeigt, die nochmal die Emotionen der Zuschauer in die richtige Richtung lenken sollen und über das völlig verkorkste Ende hinwegtäuschen.

Grundlegend ist DAS PERFEKTE GEHEIMNIS somit eine ganz nette Idee mit einem hohen Unterhaltungswert, die jedoch nicht vollends ausgenutzt wurde und vor allem gegen Ende deutliche Schwächen zeigt. Ein Kinobesuch lohnt sich nur in der Hinsicht, dass es deutlich einfacher ist in einer großen Menschenmasse gemeinsam zu lachen, als den Humor auf der heimischen Couch für sich sprechen zu lassen. Dennoch ist es kein Meisterwerk der deutschen Filmkunst und kann damit getrost auch ins häusliche Kinozimmer verbannt werden.

Humor: 7/10 Action: 0/10 Erotik: 0/10
Niveau: 5/10 Gefühl: 3/10 Musik: 2/10
Spannung: 1/10 Gewalt: 0/10 Idee: 7/10

 

Gesamtbewertung: 6/10

Viel Spaß im Kino!

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