Filmkritik: Parasite (Kinostart: 17.10.19)

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Filmkritik: Parasite (Kinostart: 17.10.19): 1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars 5,00 von 5 Punkten, basieren auf 1 abgegebenen Stimmen.

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Originaltitel: Gisaengchung ( 기생충 )
Gesehen: 2D, synchronisiert, deutsch, Kino

Der asiatische Markt ist im Filmgeschäft ein stetig wachsender, der in den vergangenen Jahren aus zum Teil unbedeutenden Produktionen, durch enorm hohe Besucherzahlen, bedeutende gemacht hat. Doch auch Eigenproduktionen aus dem asiatischen markt erfreuen sich aufstrebender Beliebtheit. Zuletzt konnte BURNING“ die Massen begeistern und hat sich bis zu einer Oscarnominierung durchgekämpft.
Mit PARASITE geht nun erneut ein koreanisches Werk als heißer Favorit ins Rennen für eine der begehrten goldenen Statuen. Schon bei den 72. Internationalen Filmfestspielen von Cannes, war dies der totale Abräumer und wurde als erster südkoreanischer Film überhaupt mit der goldenen Palme ausgezeichnet.

Ein meisterhafter Regisseur am Werk

Regisseur Bong Joon-ho ist dabei lange kein unbekannter Star mehr. Mit Filmen wie SNOWPIERCER, HUNDE, DIE BELLEN, BEIßEN NICHT und MEMORIES OF MURDER, hat er sich längst einen Namen gemacht. Bis dato hat er sich mit jedem Film an ein neues Genre gewagt. Sowohl Thriller als auch Action, Abenteuer und Komödie sind Teile seiner Filmgeschichte. Mit PARASITE vereint er nun viele dieser Genre zu einem großen Gesamtwerk. Als Familiendrama und Komödie versucht das Werk zu entzücken und schafft dieses offenbar auch, denn im Besucher pro Filmkopie-Schnitt erreicht dieser schon jetzt eine deutlich höhere Zahl als der JOKER, der aktuell alle Kinokassen überrollt.

Weißt du, welcher Plan immer klappt und nie fehlschlägt? Der „Kein-Plan“! […] Wenn man keinen Plan hat, kann auch nichts schief gehen.

Doch überall hört man nur Lobhudeleien ohne je so richtig zu erfahren, um was es eigentlich in diesem Film geht. Wir klären daher einmal auf:

Familie Kim im feinen Lebensstil

Familie Kim ist eine mittellose Anhäufung von erfolglosen Erwachsenen. Um die Kosten für eine kleine, unschöne und nicht lebenswerte Wohnung zu finanzieren, die ständig Besoffenen als Urinal dient, faltet die Familie Pizzakartons und erhält dafür einen Hungerlohn.
Um aus dieser Misere hinauszugelangen, versucht Ki-woo (Choi Woo-shik), der Sohn von Kim Ki-taek (Song Kang-ho) und Frau Chung-sook (Jang Hye-jin), irgendwo eine bessere Stelle zu ergattern. Wie praktisch, dass zufällig sein alter Schulfreund vorbeischaut und ihm einen lukrativen Nachhilfejob im Hause der reichen Park-Familie verschafft. Nachdem er dort herzlich aufgenommen wurde, bietet sich in kürzester Zeit die Möglichkeit auch noch seine Schwester Ki-jung (Park So-dam) beruflich dort unterzubringen.

Durch geschickte weitere Intrigen erreichen die Beiden es schließlich auch noch ihren Vater als Fahrer und ihre Mutter als Haushälterin für die Familie arbeiten zu lassen. Besser hätte es für die vier kaum kommen können, wäre da nicht die ehemalige Hausfrau, die viele Jahre ihres Lebens in diesem Haus verbracht hat. Doch was soll eine Frau allein schon anstellen?

Trailer PARASITE

PARASITE ist eine recht ungewöhnliche Genrekomposition, wie es sie schon lange nicht mehr in den Kinos gab. Während in einer recht langen und nicht so spannenden Einführungsszene die einzelnen Figuren und deren Lebensumstände vorgestellt werden, schafft es das Werk dann doch noch rechtzeitig die Kurve zu kriegen. In kürzester Zeit wird ein amüsantes Geflecht aus Lügen und Intrigen aufgebaut. Schnell entsteht so eine stetig steigende Spannung.

Geniale Szenen – einzigartige Dynamik

Durch gezielten Einsatz von harmonischen musikalischen Klängen und hervorragend agierenden und schauspielenden Darstellen, wurde eine Dynamik geschaffen, die kaum ein anderer Film der nahen Vergangenheit entwickeln konnte. Zwar gibt es auch einige nicht vollständig ausgereifte Szenen, diese verlieren jedoch an Hand der gesamten Komplexität des Werks nahezu vollständig an Bedeutung.
Einziger größerer Makel ist eine recht aggressive Szene, in der an dem Hauptdarsteller deutlich weniger Maske erkennbar ist, als sie sein sollte, um der Sinnhaftigkeit des Moments gerecht zu werden.

Elemente von Theaterstücken finden hier ihren Einsatz. So werden kaum die Lokalitäten gewechselt, womit der Eindruck eines Kammerstücks erweckt wird. Die dramaturgische Spannungskurve ist dabei präzise genau ausgearbeitet und hält den Zuschauer durch stetige Genrewechsel stets bei Laune. Grundsätzlich als „Gute-Laune-Film“ benennbar, werden auch so ziemlich alle anderen Gefühlslagen geschickt durchlebt. Eine geniale Inszenierung mit unerwarteten Wendungen ist das Ergebnis. Doch nicht nur Harmonie ist der wesentliche Bestandteil des Films, denn auch die blutigen Szenerien kommen nicht zu kurz. Sehr spät erkenntlich, wird dann jedoch recht klar deutlich, dass eine FSK 16 Kennzeichnung vollkommen gerechtfertigt und unumgänglich ist.

Insgesamt begeistert der Film auf allen Ebenen und hinterlässt doch keinen vollkommen bleibenden Eindruck. Die Symbiose aus Bildmaterial, Sound, Gefühl, Humor und entsetzlichen Momenten, ist nahezu perfekt gelungen. Dennoch sorgt die Ausdruckslosigkeit der Figuren doch für einige Ungereimtheiten. Ein Oscar wäre wünschenswert und ist dennoch nicht ganz gewiss.

Humor: 9/10Action: 4/10Erotik: 3/10
Niveau: 7/10Gefühl: 6/10Musik: 6/10
Spannung: 8/10Gewalt: 5/10Idee: 10/10

Gesamtbewertung: 8/10

Viel Spaß im Kino!

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